Zum Hauptinhalt springen

Tanzperlen neu gefasst

Die Tanztruppe Flamencos en route arbeitet in der ­Jubiläumsproduktion «perlas peregrinas» alte Stoffe und ­Choreografien um und kombiniert sie glanzvoll mit Neuem. Premiere war im Kurtheater Baden – wie vor dreissig Jahren.

Die Jubiläumsspielzeit steht, nein tanzt unter dem Motto «... y que más! ... was sonst!» Es geht immer weiter. Jedes Werk führt den kreativen Prozess fort. In «perlas peregrinas» wendet sich der Blick zurück, um besondere Erinnerungen aus heutiger Sicht in magischen Momenten zu verdichten.

Begegnungen und Gefühle

Der Titel spielt auf die überaus schöne, birnenförmige Perle «La Pelegrina» an, die ihren Weg von Mittelamerika an den spanischen Hof und über mehrere gekrönte Häupter bis zu Liz Taylor machte. Umherziehen und Auffallen charakterisieren auch das Tanzschaffen von Flamencos en route. Und das neue Werk gleicht einem kostbaren Collier. Da sind einmalige, alte Juwelen und kürzlich gestaltete Schätze kontrastreich aufgereiht und so umgearbeitet, dass ihre Essenz in Erscheinung tritt.Es beginnt mit traditionellen Tänzen, kapriziös individuell oder explizit formbewusst vorgeführt. Spannungsvolle Erweiterungen entstehen durch intensivierende Verzögerungen der Bewegungen und durch den Dialog zwischen Flamenco-Musik und arabischem Gesang, der die Aufführungen schon seit 2008 mit einem rauschhaften Zauber durchsetzt.

Atemberaubende Schmuckstücke verkörpern die Tanzerzählungen über Don Juan und Don Quijote mit Reminiszenzen an Susana. Da wird sichtbar, wie überlegen Verhaltensweisen, Be­geg­nun­gen und Gefühle aus der Sprache in Bewegung übersetzt werden können, wenn eine meisterhafte Choreografin am Werk ist. Brigitta Luisa Merki setzt konsequent Mittel ein, die der Tanz selbst anbietet. Differenziert charakterisiert sie die Figuren durch bestimmte Bewegungen, wechselnde Ausdrucksqualitäten und rhythmische Phrasierungen. Präzis gibt sie Distanz und Nähe sowie die Raumwege der Akteure vor. Dazu macht sie durch die Strukturierung der Szenen und die perfekten Übergänge auch Kompliziertes sofort begreiflich.

In der Begegnung des Verführers mit den unterschiedlichen Frauen und in der Konfrontation des tanzenden Fantasten mit dem singenden Realisten erreicht sie eine auf der Bühne seltene Konzentration. Dabei erfüllt die von ihr geleitete Truppe ihre choreografischen Intentionen überwältigend.

Voller Leben

Anspielungen auf eigene frühere Stücke zeigen Tänze eines Frauentrios, die direkt aus der Musik zu entstehen scheinen. Die Klänge spanischer Wiegenlieder setzen kreisende, verinnerlichte Bewegungsfolgen in Schwung und evozieren eindringliche Bilder von Mutter und Kind.

Auf das melancholisch langsame, madonnen­hafte Juwel folgt ein infernalisch kantiges. An Tempo und Härte kaum zu überbieten, wiegeln sich ein Perkussionist und ein Tänzer gegenseitig zu immer komplexeren Rhythmen auf. Die Sängerin fährt dazwischen und bindet die auf die Spitze getriebene Virtuosität ins Ganze der Kunst des Flamenco ein. Ein festliches, lebensfrohes Finale vervollständigt das Collier und öffnet mit Tangos flamencos und einem französischen Chanson gleichzeitig sein Schloss für kommende Tänze.Ursula Pellaton

Tourneedaten : www.flamencos-enroute.com

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch