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Technorama geht in die Schule

Im Technorama stehen jedes Jahr Tausenden Kindern die Haare zu Berge. Dank des bekannten elektrischen Experiments – und manchmal wohl auch dank anderer Überraschungen. Doch nützt das etwas, wenn es dar­um geht, naturwissenschaftliche Berufe zu fördern?

In Fachkreisen ist die «Mint-Problematik» ein bekanntes Schlagwort. «Mint» steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Das diesbezügliche Problem: Es herrscht ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. Was kann getan werden, um mehr Naturwissenschaftler und mehr Techniker auszubilden? Diese Frage stand im Zen­trum des Technorama-­Forums, das am Donnerstagabend von über 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Bildung besucht wurde. Für Per-Edvin Persson, internationaler Experte für Science Center aus Finnland, ist die Antwort klar: Mehr Kinder müssen das Technorama (oder ein anderes Science Center) besuchen. In seinem Vortrag erklärte er, dass sich Jugendliche später eher für eine technische Ausbildung entscheiden, wenn sie in jungen Jahren in einem Science Center mit den Naturwissenschaften erste spielerische Erfahrungen sammeln konnten (siehe Interview rechts). Wenig erstaunlich: Technorama-Direktor Thorsten Künnemann sah die Sache in der folgenden Podiumsdiskussion ähnlich. Ein Aha-Erlebnis bei einem Experiment im Technorama sei eine starke Motivation und wecke das Interesse weit stärker, als es im Rahmen des normalen Schulunterrichts möglich sei. Lehrer schlecht ausgebildet Doch was geschieht, wenn die Begeisterung für die Naturwissenschaften erst einmal geweckt ist? Markus Wilhelm, Präsident des Verbandes Fachdidaktik Naturwissenschaften, kritisierte, dass die Lehrer in der Schweiz für Mint-Fächer nicht genügend ausgebildet sind: «Mathematiker unterrichten Physik, Biologen unterrichten Chemie. Gleichzeitig käme niemand auf die Idee, einen Französischlehrer für Englischstunden einzuteilen.» Mathematisch begabte Jugendliche würden zudem auf dem Bildungsweg eindeutig benachteiligt, etwa bei der Notengewichtung. Technische Fächer bevorzugt Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär am Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung, erklärte hingegen, die technischen Fächer würden bereits bevorzugt: Der Bund stelle der ETH in Zürich und Lausanne mehr Geld zur Verfügung, als die Kantone den geisteswissenschaftlichen Universitäten bieten könnten. «Zu glauben, das Bildungssystem könne die Berufswahl steuern, ist eine Illusion», sagte Dell’Ambrogio. So bringe es nichts, Techniker auszubilden, wenn diese von anderen Branchen, etwa von Banken oder Versicherungen, mit höheren Löhnen abgeworben werden. Ruth Derrer Balladore vom Arbeitgeberverband ortete das Problem bei der mangelnden Durchlässigkeit der technischen Ausbildungen: «Der Quereinstieg in die Mint-Ausbildungen muss vereinfacht werden.» Bildungsdirektorin Regine Aeppli erklärte, dass viele Lehrpersonen einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und dar­um gewisse Berührungsängste hätten. Einen Lösungsweg sieht sie in der Zusammenarbeit der Schulen mit dem Technorama: «Wir richten in mehreren Schulen Labors ein, um die Schüler so für die Naturwissenschaften zu begeistern.» Statt alle Schüler ins Technorama zu bringen, bringt man so das Technorama zu den Schülern.

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