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Tempo ist gut, Schönheit ist besser

Es ist eine grosse Kinderschar, die heute an der Haltestelle «Depot» den Bus verlässt. Schnurstracks marschieren die Buben und Mädchen in Richtung Hintereingang der Stadtbusgarage und erklimmen die Treppe zum oberen Stock. Dort findet wie jedes Jahr der Seifenkistenbau für den traditionellen «Grand Prix Chlösterli» statt. Kaum eine Minute vergeht, schon übertönen lautes Sägen und Hämmern die fröhlichen Gespräche. Die Kids hantieren mit Feilen, Sägen, Schraubenziehern und Scheren. Einige befestigen mit Akkuschraubern die letzten Sperrholzstücke am Fahrgestell.

Zu sehen gibt es unter anderem einen tiefergelegten Ferrari und eine aufwendig konstruierte Haube, welche einem Walfisch gleicht. Holzplatten, die sich wie von alleine durch den Raum bewegen, sind keine Seltenheit. Doch dahinter entdeckt man meist die Kleinsten der Truppe. Die Pringles-Chips auf dem Fenstersims dienen als Verpflegung zwischendurch und auch Coladosen stehen herum. Am gemütlichsten jedoch haben es sich die Teenie­mädchen im hinteren Raum gemacht, sie lassen die Chart-Hits auf ihrer mitgebrachten Mini-Musikanlage rauf und runter laufen.

Da die Kinder heute bereits das vierte Mal an ihren Gefährten herumbasteln, geht es bei den meisten schon ans Bemalen. Jeder Wagen soll ein kleines Kunstwerk werden. Die Kids sprudeln nur so vor Design-ideen. Ein Junge paust gerade das Krümelmonster von «Cut the Robe» auf die Seitenwand durch, während ein anderer mit einem Bleistift die Konturen eines Skeletts auf dem Heck seiner Kiste skizziert. Beat Junker, der GP-Verantwortliche für den Kistenbau, hebt mehrere Kübel Dispersionsfarbe aus einem Schrank. Sofort prasseln Farbwünsche auf ihn ein: «Wir wollen Pink!», «Ich brauche gelbe Farbe», «Wo sind die Pinsel?» Geduldig beantwortet er jede Frage und hilft, wo er kann. Währenddessen bepinseln die tüchtigen Handwerker jeden Zentimeter der hölzernen Karosserien. Der Rennwagen Nummer 6 bekommt gerade zwei Augen verpasst, und die Nummer 5 sollen bald Hawaiiblumen zieren. Zwei Jungs haben mittlerweile begonnen, sich eine weniger sinnvolle Farbenschlacht zu liefern. Die Pinsel und kleinen Rollen dienen als Degen und so werden Hosen, Haare und Nasenspitzen immer bunter.

Die meisten machen schon das zweite oder dritte Mal beim Rennen mit. Natürlich will jeder gewinnen, doch nicht allen geht es um Geschwindigkeit; einige Mädchen setzen auf Schönheit: «Wir sind sicher nicht die Schnellsten, aber die schönste Seifenkiste gewinnt ja auch.» Die Vorfreude ist gross und niemand hat Angst vor der 560 Meter langen Rennstrecke von Iberg in die Weierhöhe hinunter.

Bevor es wieder nach Hause geht, versuchen einige Mädchen noch, die Hände sauber zu kriegen, jedoch mit wenig Erfolg. Am nächsten Mittwoch wird im Busdepot wieder weitergebaut. Es sind die letzten Seifenkisten die im ehrwürdigen Busgebäude entstehen. Nächstes Jahr findet der Bau auf dem Sulzer-Areal statt. Doch davon soll jetzt noch keine Rede sein, schliesslich müssen die Rennwagen bis am 22. Mai fertig sein. Dann gilt es am Grand Prix Chlösterli 2013 ernst.

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