Zum Hauptinhalt springen

Teppiche schützen Kulturerbe

Wellen, Wind und Ankerketten zerstören die Überreste von Pfahlbaudörfern im Zürichsee. Archäologen versuchen, die zum Unesco-Welterbe gehörenden Fundstellen zu schützen. Sie tun dies teils auf ungewöhnliche Weise.

Im Zürichsee liegen Holzpfähle, Tonscherben, Schmuck und Werkzeuge, die teils über 6000 Jahre alt sind. Die wertvollen Artefakte aus der Jungstein- und Bronzezeit liegen fast ausnahmslos in seichtem Uferwasser, oft direkt auf dem Seegrund. Das ist ein Problem. Den Siedlungresten droht nämlich permanent Gefahr. Einerseits nagt der natürliche Zahn der Zeit daran: Wind, Wellen und Strömungen sorgen für Erosion. Die Ablagerungen auf dem Seegrund werden ständig verfrachtet – und damit auch die Schichten aus der Pfahlbauerzeit mit ihrem wertvollen Inhalt.

Erosion, Schiffe und Ketten

Vliese sind mit Sand gefüttert

Baugesuche werden geprüft

Häufiger kommen deshalb punktuelle Massnahmen zum Einsatz. Durch Strömungen gefährdete Bereiche werden mit Wänden aus Holz oder Blech abgedeckt und dann mit Kies und Steinen aufgefüllt. Im Zürichsee gibt es davon etwa zwei Dutzend. Wenn es sein muss, nehmen die Unterwasserarchäologen in Absprache mit den Gemeinden auch Veränderungen an den zerstörerisch wirkenden Bojenketten vor. Bei Bojen, die besonders nahe an Fundstellen verankert sind, werden die Ketten mit Unterwasserschwimmern versehen. So schrammt die Kette auch bei Niedrigwasser nicht mehr am Grund, sondern schwebt stets im Wasser.

In einzelnen Fällen reichen aber selbst die genannten Schutzmassnahmen nicht aus. Über Fundstellen, die in besonders stark von Booten befahrenen Bereichen liegen, werden deshalb Sperrzonen eingerichtet. Diese sind durch Bojen markiert. Eine solche Zone befindet sich unter anderem im Zürcher Seebecken bei der Fundstelle Grosser Hafner vor dem Bellevue. Andreas Mäder zieht allerdings Schutzmassnahmen unter der Wasseroberfläche der Einrichtung von Sperrzonen generell vor. «Dadurch wird niemand gestört, und es entsteht kein Nutzungskonflikt mit dem Schiffsverkehr.»

Mehr liegt nicht drin

Andreas Mäder und seine Kollegen sind sich bewusst, dass sie nicht alles schützen können. Dafür gibt es im Zürichsee einfach zu viele Fundstellen. «Wir sprechen von 250 000 Quadratmetern offen am Seegrund liegender Kulturschichten, die akut gefährdet sind», sagt Mäder. Die Schutzbemühungen der Unterwasserarchäologen decken also nur einen kleinen Teil ab, sozusagen die Spitze des Eisbergs. Viel mehr, sagt Mäder, sei mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen auch gar nicht zu bewältigen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch