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«Terroristen» entlasten die USA

Die USA werden keine Luftbrücke zur Rettung der Jesiden auf dem Sinjar-Gebirge einrichten. Über einen humanitären Korridor hat die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte PKK die Flüchtlinge evakuiert.

Nur noch 1000 jesidische und christliche Flüchtlinge sollen sich nach Erkenntnissen der UN-Mission im Irak (Unami) im Sinjar-Gebirge aufhalten. Da ihre Lage nicht so bedrohlich ist wie ursprünglich angenommen, sei eine Luftbrücke oder die Einrichtung eines Rettungskorridors höchst unwahrscheinlich, betonten amerikanische Militärsprecher. Den meisten der Flüchtlingen sei es nach den Luftschlägen der USA gelungen, der Belagerung durch die Terrormilizen der sogenannten Islamischen Staates (IS) zu entkommen.

Nur die halbe Wahrheit

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Bereits vor den Luftschlägen der Amerikaner hatten aus Syrien kommenden Freischärler der Partei der Demokratischen Union (PYD) begonnen, einen humanitären Korridor zum Sinjar-Gebirge freizukämpfen. Bei der PYD handelt es sich um den syrischen Arm der türkisch-kurdischen PKK, die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Dass die PKK zahlreiche Menschen rettete, können mehr als 30000 traumatisierte kurdische Jesiden bestätigen. Sie wurden in den letzten sieben Tagen von syrischen PYD-Freischärlern aus dem Sinjar-Gebirge ins syrische Kurdistan eskortiert. Auch an der erfolgreichen Verteidigung von Arbil hat die PKK grossen Anteil. Mehr als 400 türkische Freischärler, unter ihnen auch Frauen, waren am letzten Freitag in die Kurdenhauptstadt gekommen, wo sie zunächst im riesigen Sami-Rahman-Park ihre Zelte aufschlugen. Es handle sich um «lokale Selbstverteidigungsgruppen», betonten Sprecher der irakisch-kurdischen Autonomieregierung. Diese hatte wegen ihrer guten Beziehungen zu Ankara bislang ein höchst gespanntes Verhältnis zur PKK.

Kriegsbeil begraben

Aufgrund der nationalen Bedrohung wurden das Kriegsbeil jedoch begraben: Auch die Türkei legte den PKK-Milizen offenbar keine Steine in den Weg in den Nordirak, wo sie am letzten Wochenende die von IS-Jihadisten besetzte Stadt Makhour befreiten. Die PKK hat im Gegensatz zu den meisten irakisch-kurdischen Peshmerga bereits gegen IS-Jihadisten in Syrien gekämpft. Vor allem deshalb waren sie von der kurdischen Autonomieregierung in Arbil als Verteidiger eingesetzt worden.

USA nicht informiert

Dass der amerikanische Planungsstab, der in Arbil die Luftschläge gegen den IS koordinierte, über die Präsenz von offensiven PKK-Einheiten unterrichtet wurde, ist höchst unwahrscheinlich. Schliesslich waren die türkischen Brüder der irakischen Kurden als «lokale Selbstverteidigungsgruppen» an die Front geschickt worden. Kommandanten der PKK in Arbil sind sich der Ironie, als Mitglieder einer von den USA als Terrorgruppe eingestuften Organisation die Anstrengungen der US-Luftwaffe zum Schutz von Arbil unterstützt zu haben, durchaus bewusst. «In dieser besonderen Situation spielte das aber keine Rolle. Wir Kurden kämpfen alle für ein kurdisches Heimatland und sind im Gegensatz zu den Jihadisten keine Tiere», sagte ein PKK-Kommandant in Arbil einem Korrespondenten des US-Medienkonzerns McClathy, der 30 Zeitungen in den USA besitzt.

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