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Thurgauer News für Zürcher Ohren: Radio Top muss sparen

Winterthur. Für Privatradios wird die Luft dünn. Nach dem Konkurs des Jugendsenders 105 muss auch Radio Top den Gürtel enger schnallen und will seine Senderegionen zusammenlegen.

Radio Top ist ein Sanierungsfall. 2012 wies der Sender mit Sitz in Winterthur einen Verlust von über 750?000 Franken auf. Für 2013 rechnet man ebenfalls mit einem «erheblichen» Jahresverlust. Über die Jahre hat sich ein Bilanzverlust von gegen 5 Millionen angehäuft. Die Banken hätten «unmissverständlich» dar­auf hingewiesen, dass sie nur dann neue Gelder sprechen, wenn nach einer Sanierung ein kostendeckender Betrieb gewährleistet sei, sagt Geschäftsführer Günter Heuberger. Eine Goldgrube war der Sender nie. «Wir schreiben seit 16 Jahren fast jedes Jahr Verluste», sagt Heuberger. 1998 war Radio Top aus dem Zusammenschluss von Radio Eulach mit den Radios Wil und Thurgau entstanden – weil diese allein unprofitabel waren. Auf diese Zeit, und spätere Expansionen, geht die komplizierte Senderstruktur zurück. Als einziges Privatradio weit und breit produziert Radio Top drei Regionalsplits. Die Grossräume Zürich/Schaffhausen, Thurgau und St.?Gallen haben jeweils ein eigenes Programmfenster. Top sendet zwar überall die gleiche Musik, die gleichen Morgenshows und die gleichen Gewinnspiele. Veranstaltungstipps, politische Berichterstattung und Werbung sind aber regionalisiert. Diese Regionalfenster will Top nun ersatzlos streichen. Aus Spargründen, wie Heuberger sagt. «Wir mieten an manchen Orten zwei Sendeanlagen auf engstem Raum, um die verschiedenen Programme ausstrahlen zu können.» Durch die Reduktion der aktuell über 20 Sendeanlagen hofft er, eine Viertelmillion einsparen zu können. Eine weitere Viertelmillion sollen die gestiegenen Hörerzahlen einbringen, die sich Heuberger verspricht. «Die heutigen Messverfahren können unsere regionalen Programmfenster nicht richtig erfassen.» Das koste Radio Top wertvolle Hörerminuten – und damit Werbe­einnahmen. 40 Prozent regionale News Ein Gesuch um eine Anpassung der Konzession ist beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hängig. Wird es bewilligt, hören Zürcher, St.?Galler und Thurgauer künftig die gleichen «Top News», die dann Themen aus allen Regionen abdecken. Auf digitalem Radio (DAB+) und im Kabelnetz ist bereits heute nur eine Version empfangbar, die Zürcher. Für besondere Gelegenheiten, etwa an Wahltagen, will sich Radio Top die Möglichkeit offenhalten, die regionalen Sendefenster im UKW-Bereich wieder zu öffnen. Kündigungen soll diese Bündelung keine zur Folge haben. An den Standorten Winterthur und Frauenfeld leistet sich Radio Top eine der grössten (und damit auch teuersten) Redaktionen aller Schweizer Privatradios. Mit seinem lokal ausgerichteten Informationsprogramm leiste der Sender einen wichtigen «Service public régional», glaubt Heuberger. Die Qualität der Inhalte werde im Auftrag des Bakom regelmässig überprüft und für überdurchschnittlich befunden. Heuberger will an der Leistungsvereinbarung mit dem Bakom festhalten. So soll beispielsweise der Anteil der Sendungen, die sich inhaltlich auf das Hörergebiet beziehen, mindestens 40 Prozent betragen. Finanziell abgegolten wird dieser Leistungsauftrag allerdings nicht: Radio Top erhält keinen Rappen aus dem Gebührentopf. «Es ist in der Schweiz quasi nicht möglich, gewinnbringend Privatradio zu machen», sagt Heuberger. Der Grund sei die starke Stellung von SRF. Die staatlichen Programme haben über 60 Prozent Marktanteil, davon entfallen 30 Prozent alleine auf SRF 1. Ums letzte Drittel zanken sich allein im Top-Sendegebiet über ein Dutzend Privatsender. Auf dem Höhepunkt, im Jahr 2005, erreichte Radio Top 220?000 Hörer und war für kurze Zeit das zweitgrösste Privatradio des Landes. Momentan schwanken die Hörerzahlen von Radio Top um 170?000, der Marktanteil liegt in der Deutschschweiz bei 1,2 Prozent. Mäzen mit tiefen Taschen Seit der Gründung von Radio Eulach vor 30 Jahren hat Günter Heuberger eines der wenigen Medienunternehmen aufgebaut, die nicht zu Tamedia, NZZ oder Ringier gehören. Zwar schreibt auch die TV-Sparte Tele Top rote Zahlen. Ein Konkurs, wie ihn Radio 105 jüngst verkünden musste, droht in Winterthur aber nicht. Günter Heuberger hat Geduld – und kann sich Mäzenatentum leisten. Sein Vater Robert Heuberger (92) ist Inhaber der Immobilienfirma Siska, die Günter einst übernehmen soll. Sein Vermögen wird auf 300 bis 500 Millionen Franken geschätzt.

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