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Tipps vom Volkswirt an die Wohnpioniere

Eine Initiativgruppe sucht Ideen für ihre Vision vom Wohnen im Alter. Ein Volkswirt und ein WG-Erfahrener gaben Anstösse.

Im Rahmen der Vortragsreihe «Einfach wohnen – mehr Geld zum Leben!» wollen die Genossenschaften Gesewo und Zusammenhalt Ideen sammeln für ihre Pläne im Busdepot Deutweg. Dort wollen sie ein neuartiges Altersprojekt realisieren (Kasten und «Landbote» vom Dienstag). Vorgestern trafen sich Mitglieder und Interessierte ein erstes Mal in der Coalmine-Bar. «Alles ist noch in der Entwicklung, wir müssen nun vor allem Informationen von den verschiedensten Seiten zusammentragen», betonte Gesewo-Präsident Ruedi Boxler gleich zu Beginn der Veranstaltung und machte den Zuhörern Mut: «Wir trauen uns dieses Projekt zu.» Die Zuversicht kommt nicht von ungefähr. Die Gesewo hat sich schon mit mehreren grösseren Projekten einen Namen gemacht, zuletzt mit dem Bau des Mehrgenerationenhauses «Giesserei» in Neuhegi – ein 85-Millionen-Franken-Projekt, für das heute die Schlüssel übergeben werden. Auch im Busdepot soll dereinst ein Mehrgenerationenhaus entstehen. Ein Zusammenleben mit wenig eigenem Raum und viel Gemeinschaftsraum soll sich darin entwickeln. Um weitere Fragen zu klären, holt man sich Anregungen aus Theorie und Praxis. Stefan Fahrländer, Volkswirt aus Zürich, machte den Anfang und stellte seine Studie «Günstiger Mietwohnungsbau ist möglich» vor. Darin kommt er zum Schluss, dass verdichtetes Bauen zu mehr Wohnungen, geringeren Erstellungskosten und günstigeren Mieten führt. Dies erreichte Fahrländer, indem er in seiner Simulation die Schlafzimmergrösse auf ein Minimum beschränkt und das Treppenhaus auslagert. Nicht alles stiess beim Publikum auf Anklang. Die Zimmer seien zu klein und das ganze Konzept zu wenig familiengerecht, hiess es. Nicht gerüttelt wurde an Fahrländers Hauptaussage: «Zentralität kann man sich erkaufen, wenn man die Ansprüche mindert.» Von einer Minderung der Ansprüche wollte der zweite Referent nichts wissen. Tex Tschurtschenthaler war jahrelang Mitbewohner der «Fabritzke», eines Wohngemeinschaftsprojekts in Zürich Altstetten. In einer 260-Quadratmeter-Halle wohnten, ar­bei­te­ten und lebten dort acht Personen zusammen. Ohne Wände, dafür mit Billard- und Pingpongtisch, rollbarem Kaffeekocher und Hochbadewanne. «Ich hatte mehr Platz denn je, das gemeinsame Wohnen ist nicht nur ökonomischer, sondern auch ein Akt gegen die gesellschaftliche Vereinsamung», sagte Tschurtschenthaler. Aus dem Publikum war viel Sympathie zu spüren für den jungen Wohnpionier. Doch einiges befremdete auch. Ob denn nie jemand das Bedürfnis verspürt habe, sein Zimmer abzuschliessen, lautete eine Frage. «Nein, nie», lautete die Antwort Tschurtschenthalers. Gewinn an Begegnungen Wie viel von dem Gehörten schliesslich in das neue Wohnprojekt einfliessen wird, ist offen. Einig war man sich in der Schlussdiskussion einzig darüber, dass nicht der Verzicht an eigenem Raum im Mittelpunkt stehen soll, sondern der Gewinn an Gemeinschaftsgefühl und Begegnung. Weitere Vorträge, die Vereinsgründung und auch ein Workshop zum Thema sollen demnächst folgen. Die Stadt ist laut Gesewo-Präsident Ruedi Boxler «angetan» von der Kandidatur. Der Vergabeentscheid soll Mitte Jahr gefällt werden.

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