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Titel sind vergeben, Spannung bleibt

Nach fünf Siegen in Folge kann Sebastian Vettel im Grossen Preis von Indien entspannt den vierten WM-Titel hintereinander ins Trockene bringen. Mehr Spannung versprechen die verbissenen Kämpfe um mehr Geld in der Konstrukteurenwertung.

Die Gefühlslage der beiden Formel-1-Topstars könnte unterschiedlicher nicht sein. Während Sebastian Vettel Grand-Prix-Siege und WM-Titel in Serie feiert, muss sich Fernando Alonso mit Aufholjagden, Ehrenplätzen und einem wenig aussagekräftigen Rekord trösten. Der frustrierte Spanier hat in seiner vierter Ferrari-Saison Michael Schumacher als besten Punktesammler der Geschichte abgelöst, muss sich aber weiter auf den ersten Weltmeistertitel in der Fahrer- und Teamwertung seit 2006 mit Renault gedulden. Die Rekordmarke ist dem Ferrari-Fahrer auf dem Budd International Circuit zwar einen speziellen Helm wert, aber von untergeordneter Bedeutung. In Schumachers Glanzzeiten gab es nur zehn Punkte für einen Sieg. Erst seit 2010 sind es 25 und aus diesem Grunde sitzt Alonso auch hier bereits Vettel im Nacken. Zweimal schon ist der Grossverdiener in Diensten Ferraris WM-Zweiter geworden, das dritte Mal wird ihn nicht zu Freudentänzen animieren. Zu tief sitzt der Frust über das erneute Verpassen der hohen Saisonziele und die nachlassende Konkurrenzfähigkeit seines Fahrzeugs. Die offene Kritik dar­über und die späte Anreise nach Indien gestern Nachmittag haben ihm in Maranello keine Sympathien eingetragen. Die Anzeichen mehren sich, dass der «Lebensvertrag» vorzeitig aufgelöst wird. Eine bestimmt nicht einfache Saison neben dem für den allzu braven Felipe Massa verpflichteten Kimi Räikkönen muss Alonso wohl noch über sich ergehen lassen. Nachher scheint der Weg frei für einen Wechsel zu McLaren und Honda, das beim Comeback 2015 mit grossen Namen aufkreuzen will. Mercedes und Lotus lauern Zunächst gilt es aber noch eine schwierige Pflichtaufgabe zu erfüllen und für den aktuellen Arbeitgeber den zweiten Platz in der Markenwertung hinter dem wie Vettel nur noch theoretisch einholbaren Red Bull Racing zu retten. Das wird für Alonso ohne spürbare Unterstützung von Massa, der jetzt mit Williams in Verbindung gebracht wird, nicht einfach. Mercedes ist bis auf zehn Punkte herangerückt und verfügt nicht nur über das derzeit klar schnellere Auto, sondern mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg auch über das bessere Fahrerduo. Hoffnungen macht sich auch Lotus, das in den letzten Rennen mit Kimi Räikkönen und dem stark verbesserten Romain Grosjean den Rückstand auf Ferrari von 68 auf 33 Punkte verkürzt hat und sich vor allem in Abu Dhabi Chancen auf den zweiten Saisonsieg ausrechnet. Nach langem Schweigen hat sich erstmals auch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali zur angespannten Lage im Hause geäussert. «Wenn ich meinem Fahrer oder meinen Ingenieuren etwas zu sagen habe, mache ich das hinter verschlossenen Türen, aber wie in diesem Fall auf unmissverständliche Weise. Nach aussen werde ich das Team dagegen immer verteidigen. Als er eine gewisse Linie überschritten hat, war ich zum Eingreifen gezwungen», stellte er klar. Gleichzeitig nahm er Alonso aber auch in Schutz. «Dass wir in den letzten Jahren zweimal ganz nahe am Titel dran waren, ist vor allem sein Verdienst. Leider konnten wir ihm aber noch kein Auto zur Verfügung stellen, das seinem Talent entspricht.» Für Gesprächsstoff in Maranello ist in jedem Fall gesorgt. Saubers Aufholjagd Ebenso brisant wie der Dreikampf um die Positionen 2 bis 4 bei den Konstrukteuren ist das Duell zwischen Sahara Force India und dem Sauber-F1-Team um den finanziell wichtigen sechsten Platz. 37 Punkte haben Nico Hülkenberg und zuletzt auch Esteban Gutiérrez in den letzten vier Rennen wettgemacht auf die stagnierenden Inder, 17 gilt es noch aufzuholen in den vier verbleibenden Prüfungen. Angesichts der gesteigerten Performance ist das kein Ding der Unmöglichkeit, bedarf aber weiterer Exploits beider Fahrer. Nach dem Befreiungsschlag in Suzuka ist der mexikanische Formel-1-Rookie für weitere Überraschungen gut. Die letzte vergleichbare Erfolgsserie Saubers liegt schon zwei Jahre zurück, als Kamui Kobayashi und Sergio Pérez sechsmal in Folge punkteten. Hätte das Zürcher Oberländer Team das Potenzial des neuen Fahrzeugkonzepts schon bei den Rennen in Ungarn und Belgien nutzen können, müsste McLaren-Mercedes sogar noch um den fünften Platz bangen. Die mit dem dreifachen Budget operierende Nobeltruppe aus Woking hat in den letzten neun Rennen nur 46 Punkte gesammelt, kann aber weiterhin einen beruhigenden Vorsprung von 38 Punkten ge­gen­über Sauber verwalten. Bei Punktgleichheit wären die Schweizer dank Hülkenbergs überragenden Vorstellungen in Korea, Monza und Suzuka schon jetzt vor McLaren und Force India klassiert. Dass der 26-jährige Deutsche auch deshalb stärker ins Visier anderer Teams geraten ist, muss Sauber akzeptieren. Das letzte Wort in dieser Akte ist längst nicht geschrieben. Die angekündigten Investoren bei Lotus zögern wegen der immensen Altlasten. McLaren und Ferrari müssen erst einmal die Akte Alonso bereinigen. Auf grünes Licht müssen auch die Veranstalter des dritten Grossen Preises von Indien warten. Voraussetzung dafür ist das Abschmettern einer Klage wegen ausstehender Steuerzahlungen durch den Supreme Court.

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