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Tochter klagt gegen Stiftungsräte

Bettina Stefanini geht einen Schritt weiter im Kampf um das Vermächtnis ihres Vaters. Sie klagt gegen den Präsidenten des Stiftungsrats und drei weitere Stiftungsräte.

Es könnte ein vergessenes Estrichabteil sein: Bananenschachteln, gefüllt mit Papieren, ein alter Kinderwagen und Kerzenständer liegen kreuz und quer durcheinander. Es handelt sich aber nicht um irgendeinen Estrich, sondern offenbar um einen Lagerraum für Objekte der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte des 90-jährigen Immobilienkönigs Bruno Stefanini (siehe Bild). «Wir waren entsetzt über den Zustand der Lagerung», sagt Eberhard Zangger von der Medienagentur, die Bettina Stefanini engagiert hat. Die Tochter des Stifters war gestern nicht zu sprechen, da sie bereits wieder in Irland weilte. Dass ein Teil der wohl über 100 000 kulturhistorischen Objekte der Stiftung schlecht untergebracht sind, ist eine Legende, die sich in der Stadt längst herumgesprochen hat. Ein Teil der Sammlung lagert offenbar in den Häusern Metzggasse 1 und 20 – «in unsachgemässer Art und Weise». Laut Mitteilung der Agentur befinden sich an der Metzggasse 1/ Ecke Steinberggasse 52, verteilt über drei Stock­werke, unter anderem Schriften, Bücher und alte Grafiken von kulturhistorischem Wert. «Die unsachgemässe Lagerung der Kunstobjekte und Gegenstände verursacht offensichtlich gravierende Schäden.» Das besagte Eckhaus war eines von 14 Stefanini-Altstadthäusern, die die Stadt 2010 unter Denkmalschutz stellte. Dadurch konnte sie Stefanini dazu bringen, die Dächer zu sanieren, die in einem schlechten baulichen Zustand waren. Nach der Sanierung hob die Stadt die Verfügung wieder auf. Gravierende Vorwürfe Nun will die 49-jährige Stefanini-Tochter den aktuellen Stiftungsrat für die schlechte Lagerung der Sammlungsobjekte zur Rechenschaft ziehen. Sie hat eine Anzeige gegen die amtierenden Stiftungsräte Dora Bösiger, Markus Brunner, Ernst Keller und Stiftungspräsident Umit Stamm bei der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland eingereicht. Sie wirft ihnen nicht nur Sachbeschädigung vor, sondern auch Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Falschbeurkundung. Hauptstreitpunkt zwischen Stefaninis Kindern und dem Stiftungsrat ist eine Sitzung vom 9. Januar, an der die Änderung der Stiftungsurkunde beschlossen wurde. Das Resultat wäre, dass die Kinder von Bruno Stefanini, Bettina und Vital, keinen Anspruch mehr hätten, seine Nachfolge in der Stiftung anzutreten («Landbote» vom 9. September). Laut Medienmann Zangger dürfte Bettina Stefanini die Anzeige wohl zurückziehen, wenn der Stiftungsrat den Antrag auf Statutenänderung rückgängig machen würde. Der Antrag ist bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht hängig. Stiftungsräte zuversichtlich Die Stiftung beschreibt die Sachlage anders. Gestern Abend verschickte der Stiftungsrat eine Mitteilung, in der er sich gegen die Vorwürfe wehrt. Bruno Stefanini sei am 9. Januar aus freien Stücken und auf eigenen Beinen an der Sitzung erschienen. Er ­habe «aktenkundig klargemacht, dass er die Stiftungsurkunde ­dahin gehend angepasst haben möchte, dass sich der Stiftungsrat künftig selber konstituiert und ‹nicht der Willkür› seiner Nachkommen ausgesetzt werden dürfe». Bezüglich Strafanzeige schreibt der Stiftungsrat, dass er «das Vorgehen zur Kenntnis» nehme und einer «allfälligen Strafuntersuchung» zuversichtlich entgegensehe. «Die Mitglieder des Stiftungsrates wie auch die Stiftung haben nichts zu verbergen.» Weiter bekräftigt der Stiftungsrat, dass er an einer friedlichen Lösung des Familienkonflikts interessiert sei.

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