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Tödliche Ramschpreise

Dhaka. Bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind über 100 Menschen ums Leben gekommen. Die Tragödie wirft einmal mehr ein schlechtes Licht auf die für das Land wichtige Branche und deren miserable Arbeitsbedingungen.

Bei der schlimmsten Feuerkatastrophe in der Geschichte von Bangladesch fanden in der Nacht auf Sonntag mindestens 112 Menschen den Tod, die meisten davon Frauen. In einer neunstöckigen Textilfabrik im Industriebezirk Ashulia vor den Toren der Hauptstadt Dhaka war im Grundgeschoss Feuer ausgebrochen, das sich rasend schnell nach oben frass. Ersten Ermittlungen zufolge waren viele Türen verschlossen, die meisten Menschen starben im zweiten Stock, von wo sich viele mit einem Sprung aus dem Fenster zu retten versuchten. Zahllose sprangen dabei in den Tod. Die Tragödie forderte mindestens 200 Verletzte, die sich Knochenbrüche, Verbrennungen und Rauchvergiftungen zuzogen. Zur Zeit des Unglücks ar­bei­te­ten rund 2000 Menschen in dem Gebäude.

Die Ursache des Brandes ist offen, doch auf dem indischen Subkontinent wird auch in geschlossenen Räumen auf Benzin- und Gaskochern gekocht, was die Ursache vieler Feuerunfälle ist. Laut Bangladeschs staatlicher Nachrichtenagentur sterben im Land jedes Jahr rund 6000 Menschen infolge von Brandunfällen.

Behörden gehen ersten Ermittlungen zufolge von einem elektrischen Kurzschluss aus. Die in der Fabrik gelagerten Stoffe, Garn und Baumwolle wirkten dabei wie Brandbomben, die das Feuer noch verstärkten.

Vor dem ausgebrannten Gebäude warteten am Sonntag verzweifelte Angehörige, die nach vermissten Familienmitgliedern suchten. «Wo ist mein Sohn?», weinte eine Frau namens Sabina Yasmine. Die Leiche von ihrer Schwiegertochter war gefunden worden, ihr Sohn galt als vermisst. Yasmine und andere Anwesende machten die Fabrikbesitzer für das Unglück verantwortlich. Fabrikbesitzer Delwar Hossain wies die Anschuldigungen zurück: «Das ist ein schlimmer Verlust für meine Angestellten und die Fabrik. Es ist das erste Mal, dass wir ein Feuer in einer meiner sieben Fabriken hatten.»

Lasche Sicherheitsstandards, schlech- te Verkabelungen und überfüllte Räume gelten gewöhnlich als Gründe für Brandunfälle, die sich jedes Jahr in Fabriken ereignen. Im Dezember vor zwei Jahren forderte ein durch elektrische Leitungen ausgelöstes Feuer in derselben Industriezone 25 Tote.

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