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Total verpatzte Flitterwochen

Mit «Flitterwuche z sibet» bringt die Neubühne Seen erneut ein Lustspiel auf die Bühne. Während die Laiendarsteller überzeugen, tut es das Stück nicht ganz.

Bei Tante Rösli und Onkel Alois gehts drunter und drüber: Der frisch vermählte Neffe Beni (Dominic Rüttimann) und seine Angetraute Heidi (Fränzi Heimann) haben sich für ihre Flitterwochen im Gästezimmer angemeldet, überraschend ist auch Hilde Lieb- lich aus Deutschland (Bea Erb) «ganz spontan» angereist. Das erfordert einiges an Organisationstalent: Während Letztere im Gästezimmer untergebracht wird, stellen Onkel und Tante dem Brautpaar ihr eigenes Schlafzimmer zur Verfügung und ziehen sich «nur für zwei Wochen» in ein Kämmerlein im Estrich zurück.

Dieweil Rösli (Margrit Platter) die Sache resolut anpackt, hat ihr Alois (Martin Erb) gar keine Freude daran, und der Haussegen hängt ziemlich schief. Das köstliche eheliche Gezänk zwischen der Kratzbürstigen und dem Bärbeissigen lässt für den weiteren Verlauf des Abends schon mal Gutes ahnen – und auch seine politisch nicht gerade korrekten «schwabenfeindlichen» Äusserungen (die quasselige Hilde nervt nicht nur ihn) tragen zur Erheiterung des Publikums bei. Nach all der Aufregung benötigt Alois dringend ein paar Schnäpse, um dann zu später Stunde – aus purer Gewohnheit oder infolge Trunkenheit? – das eheliche Schlafzimmer aufzusuchen, wo jedoch bereits die Braut liegt. Und ihn der Bräutigam in einer verfänglichen Si­tua­tion antrifft.

Das ist nur der Anfang eines grossen Verwirrspiels, denn Alois muss noch ein pikantes Kleidungsstück eliminieren, Beni trifft seine anschmiegsame Kindergartenfreundin Trudi (Nathalie Bollhalder) und lernt bald dar­auf deren ziemlich heissblütigen Freund Sepp (Röbi Beerli) per Kragengriff näher kennen. Und Heidi würde es allein mit ihrem Schatz am Meer sowieso besser gefallen als hier in den Bergen mit dem ziemlich engen Familienanschluss: Kaum eine Minute sind die beiden ungestört.

Warten auf das Happy End

Ob all dem schlittern die beiden Turteltäubchen in ihre erste Ehekrise, und schliesslich verbringt Beni den Abend nur mit seinen alten Bekannten vom Dorf. Da muss Strafe sein: Die Braut stellt kurzerhand um vom rosaroten Négligé für die Hochzeitsnacht auf Hausmannskost in Form von Grossmutters kratzigem altem Nachthemd …

Leider gibt es in der Inszenierung (Regie: Niklaus Lagler) auch Momente – namentlich zwischen den Szenen –, in denen einfach nichts passiert. Aber vielleicht hat ja das Timing bei der Hauptprobe am Mittwoch einfach noch nicht ganz geklappt. Auch zieht sich das Aufdröseln der Verwirrungen bis zum Happy End etwas hin (und es bringt weder humoristisch noch philosophisch viel). Das schmälert die Leistung der Spielenden und den Spass des Publikums jedoch kaum: Insgesamt bleibt es ein vergnüglicher Abend. Ein raffinierter gestricktes Stück könnte allerdings den Unterhaltungswert noch erhöhen. Alex Hoster

Flitterwuche z sibet: Heute, 20 Uhr, reformiertes Kirchgemeindehaus Seen, Kanzleistrasse 37. Weitere Aufführungen bis 8. März.

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