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Traumreise wird zum Albtraum

NEU-DELHI. Kein Ende der Gewalt gegen Frauen in Indien: Eine Schweizerin ist auf einer Radtour vor den Augen ihres Ehemannes vergewaltigt worden. Fünf Männer sollen die Tat gestanden haben.

Es sollte eine Traumreise auf dem Rad durch das fremde Indien werden. Doch es endete in einem Albtraum. Im zen­tralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh wurde am Freitag eine Schweizerin von bis zu acht Männern vergewaltigt. Die Täter zwangen ihren gefesselten Ehemann, die Gewalttat mitanzusehen. Laut Polizei haben fünf Verdächtige gestern die Tat gestanden, weitere würden verhört. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten zeigte sich «tief bestürzt» und forderte Indien auf, alles zu unternehmen, um das Verbrechen rasch aufzuklären. Die 39-jährige Frau, die als Lehrerin in Lausanne arbeiten soll, wurde in einem Krankenhaus in Gwalior, etwa 320 Kilometer südlich der Hauptstadt Delhi, behandelt. Fotos zeigen, wie sie durch eine Menschenmenge ins Spital geführt wird. Ihr Gesicht ist dar­auf mit Tüchern verhüllt, wie es in Indien üblich ist, um die Identität zu schützen. Mediziner bestätigten die Gruppenvergewaltigung. Abends im Zelt überfallen Die Schweizerin und ihr 29-jähriger Ehemann waren mit dem Fahrrad von der Tempelstadt Orchha ins 250 Kilometer entfernte Agra unterwegs. Am Freitag machten sie im Bezirk Datia nahe einem Dorf in einem Wald halt, um dort in einem Zelt zu übernachten. Gegen neun Uhr abends soll sich eine Gruppe Männer ihrem Zelt genähert haben. Nach Aussage des Ehemannes begannen sie mit Stöcken auf sie einzuschlagen. Die Angreifer hätten den Mann gefesselt und die Frau vor seinen Augen vergewaltigt, sagte ein lokaler Polizeibeamter laut Medienberichten. Danach raubten die Täter die Handys, einen Laptop sowie Bargeld im Wert von umgerechnet 140 Euro. Das Paar soll zuvor den Iran bereist haben und am 13. März in Mumbai gelandet sein. «Sie hatten Pakistan gemieden, weil sie dachten, es sei unsicher», schrieb die «Hindustan Times». Die Schweizerin ist das jüngste Opfer einer anhaltenden Gewaltwelle gegen Frauen. 2011 wurden in Indien 24 200 Vergewaltigungen gemeldet, die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen. Vor allem Gruppenvergewaltigungen scheinen stark zuzunehmen. Vor drei Monaten war eine 23-jährige Studentin von sechs Männern in einem Bus mitten in der Hauptstadt Delhi vergewaltigt und so furchtbar gefoltert worden, dass sie später ihren schweren inneren Verletzungen erlag. Die Bestialität des Verbrechens hatte weltweites Entsetzen ausgelöst. In Indien kam es über Wochen zu Massenprotesten sowie einer beispiellosen Debatte über Gewalt gegen Frauen. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, der Haftstrafen von bis zu 20 Jahren für Vergewaltigungen vorsieht. Wie bereits heute droht Tätern die Todesstrafe, wenn das Opfer stirbt oder ins Wachkoma fällt. Die allermeisten Opfer sind Inderinnen. Aber auch Ausländerinnen werden immer wieder Opfer von sexueller Gewalt. Im Oktober 2003 war eine Schweizer Diplomatin auf einem belebten Parkplatz im noblen Süd-Delhi von zwei Männern in einem Auto verschleppt worden. Die Täter vergewaltigten die 36-Jährige, während sie ihr in Englisch einen Vortrag hielten, wie sich eine anständige Frau zu benehmen habe. Auch im Mai 2005, im Mai 2006, im Dezember 2007 und im September 2008 wurden Ausländerinnen in Indien Opfer einer Vergewaltigung. Gespaltene Gesellschaft Vielen Touristen ist nicht bewusst, wie gespalten Indiens Gesellschaft ist. Einerseits findet man Frauen in höchsten Positionen. Andererseits pflegen Teile der Gesellschaft ein Frauenbild, das an Rückständigkeit dem der Taliban nicht nachsteht. In vielen ländlichen Gebieten ist es bis heute Sitte, dass sich Frauen auf der Strasse verschleiern und das Haus nicht ohne Mann verlassen. Zwangs- und Kinderehen, Mitgift- und Ehrenmorde sind Alltag.

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