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Triumph für die Geschichtsbücher

MADRID. Im Alter von fast 42 Jahren hat der Amerikaner Chris Horner die Spanien-Rundfahrt gewonnen und ist damit der älteste Gesamtsieger bei einer der drei grossen Rundfahrten.

Chris Horner hatte im Vorfeld der 68. Vuelta niemand auf der Rechnung. Das erstaunt nicht, denn in seinem Alter befinden sich Radprofis normalerweise im sportlichen Ruhestand. Doch der nimmermüde Amerikaner, der «erst» im Alter von 25 Jahren seinen ersten Profivertrag in Europa unterzeichnet hatte, war in den drei Wochen seiner deutlich jüngeren Konkurrenz klar überlegen.

37 Sekunden betrug Horners Vorsprung nach 21 Etappen und 3360 Kilometern auf den zweitplatzierten Italiener Vincenzo Nibali. Die Einheimischen, die vor einem Jahr durch Alberto Contador, Alejandro Valverde und Joaquim Rodriguez noch einen Dreifachsieg gefeiert hatten, mussten an ihrer Landesrundfahrt mit den Plätzen 3 (Valverde) und 4 (Rodriguez) vorliebnehmen. Oliver Zaugg schloss die Vuelta als bester Schweizer auf dem 37. Rang und mit einem Rückstand von rund eineinhalb Stunden ab.

Den «Altersrekord» an einer der drei grossen Rundfahrten (Tour de France, Giro d’Italia, Vuelta) hatte bisher der Belgier Firmin Lambert inne, der 1922 (!) im Alter von 36 Jahren die Tour de France gewonnen hatte. «Das ist etwas, was ein Leben lang halten wird. Hier gegen Champions wie Nibali, Valverde und Rodriguez zu gewinnen, ist unglaublich», freute sich Horner nach dem grössten Erfolg seiner Karriere.

Der Stärkste am Berg

Ein zufälliger Sieger ist Horner aber keineswegs. In der Vergangenheit hatte der Teamkollege von Fabian Cancellara bei Radio-Shack-Leopard beispielsweise an der Tour de France gute Ergebnisse abgeliefert (10. 2010, 13. 2012). Und an der diesjährigen Vuelta war er vor allem am Berg der klar stärkste Fahrer. Das Profil der Spanien-Rundfahrt, die fast jeden Tag mit einer Steigung endete, kam ihm zusätzlich entgegen.

Horner übertrumpfte Nibali mit einer starken dritten Woche. Vor der 16. Etappe am letzten Montag lag er noch 50 Sekunden hinter Nibali. Doch danach machte der Amerikaner auf den Sieger des diesjährigen Giro d’Italia praktisch jeden Tag ein paar Sekunden gut. Am Freitag übernahm er zum dritten Mal das Leadertrikot, das er bereits nach der 3. und der 9. Etappe für jeweils einen Tag getragen hatte.

Und am Samstag, am Tag vor der Triumphfahrt nach Madrid, beseitigte der auf einem Militärstützpunkt in Japan geborene Horner alle Zweifel: An der Alto de l’Angliru, dem letzten Hindernis der Rundfahrt, holte er nach einem packenden Zweikampf noch einmal 34 Sekunden (inkl. Bonifikation) auf Nibali raus – der erste Vuelta-Sieg eines Amerikaners war damit perfekt.

Erstes Duell in der Schweiz

Ein erstes Mal waren sich Horner und Nibali 2005 begegnet. An der Tour de Suisse lieferten sich die beiden auf dem Weg nach Arosa einen Zweikampf um den Etappensieg. Horner, schon damals 33-jährig, setzte sich gegen den 20-jährigen Italiener bereits dort durch und feierte seinen ersten grossen Sieg in Europa. Davor hatte er primär kleine Rennen in den USA gewonnen.

Mehrmals wurde Horner in seiner Karriere von Verletzungen behindert. Auch in diesem Jahr fiel er mit Knieproblemen mehrere Monate aus. Deshalb reiste er nur mit 14 Renntagen in den Beinen an die Vuelta. Entsprechend frisch war Horner bei der letzten grossen Rundfahrt der Saison. Und mit seinem unerwarteten Triumph machte er auch Werbung in eigener Sache. Denn für die kommende Saison hat er noch keinen Vertrag in der Tasche.

Während Horner auf dem letzten Teilstück – wie üblich an einer dreiwöchigen Rundfahrt – nicht mehr angegriffen wurde, setzten sich noch einmal die Sprinter in Szene. Nach knapp 110 Kilometern von Leganes nach Madrid setzte sich der 22-jährige Australier Michael Matthews durch, vor Tyler Farrar (USA) und Nikias Arndt (De). Matthews, der für das australische Team Orica GreenEdge fährt, hatte bereits die 5. Etappe gewonnen. (si)

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