KESB

Trotz Anfeindungen auf Kurs

Nach fünf Jahren legt die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Winterthur-Andelfingen Rechenschaft ab. Kosten und Verfahrenszahlen haben sich eingependelt, doch das stetige Misstrauen macht den Mitarbeitenden mächtig zu schaffen.

Die Kesb zog heute Bilanz über ihr Wirken. Diese fällt überwiegend positiv aus.

Die Kesb zog heute Bilanz über ihr Wirken. Diese fällt überwiegend positiv aus. Bild: Peter Würmli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2013 nahm die Kesb Winterthur-Andelfingen ihre Arbeit auf, mit 35 Sollstellen. Diese Juristen und Juristinnen, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen mussten all die Verfahren sichten und aktualisieren, die sie von der vormaligen Behörde übernommen hatten, und laufend kamen neue Meldungen dazu, die es zu bearbeiten galt.

Drei Jahre lang stiegen die Kosten und der Personalbedarf parallel: von 6,5 auf 7,5 Millionen Franken und von 35 auf 45 Sollstellen.

«Wir lassen uns den Spiegel gerne vorhalten, das ist sehr wichtig»Karin Fischer, 
Kesb-Präsidentin

In den letzten beiden Jahren waren diese Zahlen wieder leicht rückläufig auf 7 Millionen und 43 Stellen. Auf diesem Niveau, sagt Kesb-Präsidentin Karin Fischer, habe sich die Arbeit nach der intensiven Phase zu Beginn eingependelt.

Die Stellenzahl wurde im laufenden Jahr noch einmal ganz leicht reduziert.Und noch ein paar Zahlen, bevor wir zu den Emotionen kommen: Die Anzahl pendenter Verfahren ist am Sinken, die Zahl neu eröffneter Verfahren ist relativ stabil, und pro Jahr werden rund 6000 Verfahren abgeschlossen.

Beschwerden beim Bezirksrat

In 65 Fällen, also in rund einem Prozent aller abgeschlossenen Verfahren, wurde der Kesb-Entscheid an den Bezirksrat weitergezogen. 21 Mal lehnte der Bezirksrat die Beschwerde vollumfänglich ab, und in 22 Fällen hiess der Bezirksrat die Beschwerde teilweise oder in vollem Umfang gut.

Wie wertet Kesb-Präsidentin diese Zahlen, die ja auch ein Spiegel der eigenen Arbeit sind? «Wir lassen uns diesen Spiegel gerne vorhalten, das ist sehr wichtig», sagt Karin Fischer, «und ein Prozent Beschwerden, das ist aus meiner Sicht sehr wenig. Denn das bedeutet auch: 99 Prozent können unseren Entscheid mit all dem schwierigen Drum und Dran akzeptieren und nachvollziehen.»

Anfeindungen und Wut

In der öffentlichen Wahrnehmung hat die Kesb ein anderes Bild: Die Opposition, Hass und Wut auf die Behörde sind landesweit sehr gross. Der Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander hat eine Initiative lanciert mit dem Ziel, die Kesb faktisch wieder abzuschaffen.

«Wir vermissen Anerkennung und Wertschätzung für die Mitarbeitenden – sie haben das verdient.»

Die Anfeindungen und negativen Medienberichte erreichten in der Region einen Höhepunkt, als eine Mutter in Flaach am 1. Januar 2015 ihre beiden Kinder tötete, die Kesb Winterthur-Andelfingen führte damals ein Kindesschutzverfahren durch. «Das Blut der Kinder klebt an den Händen der Kesb», lautete eine der Schlagzeilen.

Diese Ereignisse, die Berichte und die darauf folgenden Drohungen gegen die Kesb hätten die Mitarbeitenden «erschüttert», fasst Karin Fischer heute zusammen.

Die anschliessende Untersuchung entlastete die Kesb vollumfänglich und sprach sie von Schuld frei. Trotzdem sei die Situation für das ganze Team «sehr belastend» gewesen. Was Fischer insbesondere vermisst sind «Anerkennung und Wertschätzung für die Mitarbeitenden – sie haben das verdient.»

(Der Landbote)

Erstellt: 06.07.2018, 15:45 Uhr

Forderung der SVP

Eine eigene Kesb für den Bezirk Andelfingen?

Die beiden Stammertaler SVP-Kantonsräte Konrad Langhart und Martin Zuber haben vor dreieinhalb Jahren im Kantonsrat die Forderung nach einer eigenen Kesb für den Bezirk Andelfingen eingebracht.

Die erste Hürde nahm der Vorstoss 2016, als er ganz knapp überwiesen wurde. In der Kommission hat sich das gekehrt: Die Mehrheit lehnt die Idee ab, vor allem weil eine eigene Kesb Andelfingen schon heute möglich wäre, wenn die Gemeinden das wollen und zahlen.

Ein Grund für die breite Diskussion ist der Umstand, dass Rekursfälle aus dem Bezirk Andelfingen heute vor dem Bezirsksrat Winterthur landen, «vor fremden Richtern», wie gesagt wurde. Der Vorstoss befindet sich derzeit weit hinten auf der Traktandenliste.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare