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Trotz vieler Toter steigen die Exporte

Neu-Delhi. Ein Abkommen soll helfen, erneute Katastrophen in Bangladeschs Textilindustrie zu verhindern. Es gilt jedoch nicht für Zulieferer wie jene Fabrik, in der es letzte Woche gebrannt hat.

Bangladeschs Textilindustrie wird ihr Image als Todesfalle einfach nicht los. Der Brand von letzter Woche in der Aswad Knitting and Dyeing Factory nahe der Hauptstadt Dhaka ist nur das jüngste Beispiel. Gerade mal eine von zehn Textilfabriken im Land gilt als halbwegs sicher. Die Versprechen internationaler Konzerne, auf Verbesserungen zu drängen, werden nur langsam umgesetzt. Auch ein neues Brandschutzabkommen hilft nur bedingt.

Das Abkommen ist seit Juli für einige Bereiche der Textilbranche in Kraft. Unterzeichnet wurde es von 70 internationalen Konzernen, den Abnehmern der Produkte, von den USA und von Gewerkschaftern. Es schliesst auch die Sicherheit von Gebäuden ein. Zu den Partnern gehören Adidas, C&A, H&M, KiK, Otto, Lidl, Kaufhof, Karstadt, Metro und Tchibo. Das Abkommen sieht Inspektorengruppen vor, die vor Ort den Zustand der Fabriken überprüfen und bei katastrophalen Mängeln die Produktionsstätte auch schliessen lassen. Bis Februar 2014 werden die 1200 von total 4500 Betrieben unter die Lupe nehmen.

Das ist ein erster, aber längst kein ausreichender Schritt. Der Fall von Aswad zeigt dies deutlich. Denn just die Unglücksfabrik, die Garne und Stoffe herstellt, fällt nicht unter das Abkommen, weil Zulieferbetriebe davon ausgenommen sind. Das ist nach Ansicht von Frauke Banse, Sprecherin der Kam­pa­gne für saubere Kleidung, eine Lücke.

Auch die Kompensationsfragen im Fall von Tod oder Verletzung bedürften klarer Regelungen. Die Kam­pa­gne hat vorgeschlagen, dass bei Unglücken 55 Prozent der Entschädigungen von den Betreibern vor Ort und der Rest von den Partnern im Ausland gezahlt werden.

20 Milliarden Gewinn pro Jahr

Trotz der Missstände steigen Bangladeschs Exporte beträchtlich. Kurz vor dem Ausbruch der neuerlichen Kata- strophe hatte das Internetportal Bdnews24.com aus Dhaka berichtet, dass sie zwischen Juli und September ge­gen­über dem Vorjahr um 21 Prozent gestiegen waren. Produkte der Bekleidungsindustrie machen 80 Prozent aller Exporte aus. Insgesamt erzielt dieser Industriezweig, in dem rund vier Millionen Menschen beschäftigt sind, durchschnittlich 20 Milliarden Dollar Gewinn im Jahr.

Das Internetportal schlussfolgerte aus den aktuellen Zahlen, dass die letzten Katastrophen die Exportleistungen nicht beeinträchtigt hätten: weder der verheerende Rana-Plaza-Gebäudeein- sturz vom April mit 1132 Toten noch das Feuer im Betrieb Tazreen Fashions vom November letzten Jahres, bei dem 112 Arbeiter ums Leben kamen.

Kommt der Einbruch erst noch?

Der frühere Gouverneur der Zentralbank von Bangladesch, Mohammed Farashuddin, sagte zum Exporterlös: «Wir dürfen uns dar­auf nicht ausruhen, wir müssen die Betriebe modernisieren.» Die Exporte würden weiterhin steigen, wenn Bangladesch sicherstelle, dass nicht noch mehr Arbeiter umkämen. «Kein anderes Land kann unseren Preisen Paroli bieten – wegen der Billiglöhne hier.» Nur ein paar Stunden später starben wieder Arbeiter.

Atikul Islam, der Präsident der Assoziation der Bekleidungshersteller und -exporteure, sieht die jüngsten Zahlen kritischer. Sie alle hätten noch Bezug auf Bestellungen vor der Rana-Plaza-Tragödie. Danach seien die Bestellungen drastisch zurückgegangen.

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