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Truttiker sagen Ja zu «Verlobung»

Die Schulbehörden von Ossingen und Truttikon können einen Fusionsvertrag vorbereiten. Die Gemeinde­versammlungen haben den Weg dazu geebnet. Zu reden gab allerdings die Bestandsgarantie für das Schulhaus Truttikon.

Diskussionslos und ohne Gegenstimmen beauftragte die Gemeindeversammlung der Primarschule Ossingen ihre Behörde am vergangenen Freitag, eine Fusion mit der Primarschule Truttikon sowie der gemeinsamen Sekundarschule vorzubereiten. Doch wer dachte, bei den beiden anderen Schulen gehe es am Mittwochabend im Truttiker Gemeindesaal im selben Stil weiter, sah sich getäuscht. Zwar stimmten am Schluss sowohl die Sek als auch die Truttiker Primarschule für den Antrag, dass die Behörden binnen eines Jahres einen Zusammenschlussvertrag ausarbeiten sollen – allerdings erst nach längerer, engagierter Debatte. Zu reden gab an der Versammlung der Sek Ossingen-Truttikon (101 Stimmberechtigte) vor allem ein Punkt: dass die Weiterexistenz des Truttiker Schulhauses garantiert werden soll. Denn in der Weisung hiess es: «Zwingender Vertragsbestandteil ist der Erhalt der Primarschulstandorte in Truttikon und Ossingen.» Die Schutzklausel hatte die Primarschulpflege von Truttikon zur Bedingung gemacht, um überhaupt mitzumachen. Dahinter steht die Angst vor den neuen Mehrheitsverhältnissen, wenn die drei Schulen fusionieren. Ossingen hatte Ende 2013 rund 1350 Einwohner, Truttikon hatte 451. Diese Übermacht könnte «die Ossinger» dazu verführen, nach einer allfälligen Fusion das Truttiker Schulhaus zu schliessen, so die Befürchtung. Denn im Bildungswesen lasse sich nur sparen, wenn ein Standort aufgegeben werde, begründete Präsident Daniel Hangartner die Haltung der Truttiker Primarschulpflege. Zuerst rechnen Es war dann mit Feico Bakker aber ausgerechnet ein Truttiker, der die Garantie in Frage stellte. Er plädierte dafür, erst auszurechnen, was die Weiterführung des Truttiker Schulhauses finanziell bedeuten würde. Er verstehe die Leute, für die ein Schulhaus einfach zum Dorf gehöre. «Aber die Kosten sollten uns klar sein», sagte er. Daher stellte er den Antrag, am Schulhaus nur dann festzuhalten, wenn die Finanzierung über den Steuerfuss mittel- und langfristig vertretbar ist. In diesem Sinn sollte der Fusionsauftrag an die Behörden aufgeweicht werden. Widerspruch kam von einem jungen Truttiker Vater, der mit seiner Familie seit letztem Sommer hier wohnt. Sie wären nicht hergezogen, hätte das Dorf kein Schulhaus gehabt, sagte er. So wie er und seine Frau würden noch andere Paare entscheiden. Auch Sek-Präsident Martin Widmer sprach sich dagegen aus. «Ich will einen Fusionsvertrag, der diverse Anliegen der Bevölkerung ernst nimmt», sagte er. Für ihn ist die Garantie ein Zugeständnis, dessen Kostenfolge wohl unerheblich ist. Von den vier heutigen Standorten werden gemäss Prognosen bei einer Fusion drei benötigt. Neben dem Schulhaus in Truttikon gibt es in Ossingen das Sekschulhaus, das Primarschulhaus sowie den Kindergarten, wo die Grundstufe untergebracht ist. Gemäss Charlotte Keller, Präsidentin der Ossinger Primarschule, sei nicht ausgeschlossen, dass dereinst alle vier Schulhäuser gebraucht werden. Denn Ossingen stehe vor einem Wachstumsschub. Bakkers Antrag scheiterte am Schluss klar, dagegen sagten die Stimmberechtigten mit grossem Mehr Ja zum ursprünglichen Antrag der Behörden. Bedenken bei Primarschule Danach verliessen die Ossinger den Saal, und die Primarschule Truttikon hielt ihre Gemeindeversammlung ab. Dabei waren mehrere Stimmen zu hören, die eine Fusion grundsätzlich hinterfragten. «Wir reden um den heissen Brei herum», sagte ein Mann, der vor den Auswirkungen einer Fusion auf die politische Gemeinde warnte. Der Gesamtsteuerfuss würde grösstenteils von der gemeinsamen Volksschule diktiert, in der die Truttiker in der Minderheit wären. «Wir hätten keine Handhabe mehr und gäben Schritt für Schritt unsere Selbständigkeit auf.» Obwohl der Mann ihn dazu aufforderte, gab Gemeindepräsident Sergio Rämi keine Stellungnahme aus Sicht des Gemeinderats ab. Er wolle die Ergebnisse der Fusionsverhandlungen und die Finanzplanung abwarten, bevor er sich äussere. Mit 55 zu 14 Stimmen hiess auch die Primarschule die «Verlobung» gut.

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