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Tschechien droht Jahrhundertkatastrophe

Prag. Das Hochwasser in Tschechien nimmt beängstigende Ausmasse an. Tausende Menschen wurden evakuiert, es droht ein grösserer Schaden als bei der Jahrhundertflut von 2002.

Den dritten Tag in Folge kämpfen tschechische Gemeinden mit dem Hochwasser, ausgelöst durch die lang anhaltenden Regenfälle. An 43 Messpunkten der tschechischen Flüsse ist die höchste Gefährdungsstufe 3 ausgerufen worden. Sieben Menschen kostete die Flut bislang das Leben.

Vor allem an den Unterläufen von Elbe und Moldau sind Feuerwehren, Armee und Ordnungskräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden. Gestern Morgen passierte der Scheitelpunkt der Moldau die Hauptstadt, seither steigt das Hochwasser in Prag nicht mehr an. «Wir konnten eine Durchfliessgeschwindigkeit von 3120 Kubikmetern je Sekunde messen», erklärte der Chef der Hochwasseraufsicht, Jiri Endlicher. Das ist deutlich höher als die Jahresdurchschnittsmenge von 149 Kubikmetern je Sekunde, erreicht aber noch nicht die Rekordmarke von 2002, als das Wasser mit 5200 Kubikmetern je Sekunde durch die Hauptstadt schoss.

Bedrohlicher jedoch wird die Lage nördlich von Prag. Die Anrainer bereiten sich auf die Wassermassen vor. Vor allem in der Gemeinde Zalezlice mit ihren 400 Einwohnern fürchtet man das Hochwasser: Im Dorf, das nur einen Kilometer von der Moldau und drei Kilometer von der Elbe entfernt liegt, hatte die Flut von 2002 121 Häuser weggerissen. Noch im Oktober des Flutjahres hatten die Bürger begonnen, ihre Häuser wieder aufzurichten. Nun fürchten sie, dass die neuen Fluten alles zunichtemachen könnten. Bereits jetzt mussten 80 Einwohner von den Hilfskräften evakuiert werden.

Tausende verlassen Zuhause

Während Feuerwehr und Zivilschutz Wasserschutzwände in Kralup (Kra- lupy), Melnik, Aussig (Usti) und Te- tschen (Decin) errichten, werden Tausende Menschen aufgefordert, ihre flussnahen Häuser zu verlassen. Nach dem Zusammenfluss von Moldau, Eger und Elbe wird eine noch höhere Flutwelle erwartet. Bei Aussig soll ihr Scheitelpunkt eine Höhe von 11,5 Metern haben, das sind nur 40 Zentimeter weniger als im August 2002. Im Vorfeld hatte man beschlossen, die Moldaukaskaden teilweise abzulassen, um die Elbe zu entlasten. Dennoch wird die Gefahr für die deutschen Elbanrainer gross sein. Sowohl in Dresden als vor allem auch in Magdeburg, wo zudem die Flutwelle der Saale erwartet wird, ist Hochwasseralarm ausgelöst worden.

Mit grosser Besorgnis schauen auch die österreichischen Behörden auf die tschechischen Hochwasser und auf die aus Passau kommende Flutwelle der Donau. Vor allem im Mühlkreis befürchtet man, dass ein Fluten der Lip- no-Talsperre ein Übertreten des Moldauwassers ins angrenzende Österreich nach sich ziehen könnte. Linz und Wien haben bereits Hochwasseralarm ausgelöst, und auch die nachfolgenden Donauanrainer in der Slowakei und in Ungarn sehen mit grosser Besorgnis die Flutwelle des Stroms kommen.

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