Zum Hauptinhalt springen

Turbulente Tage eines Meisters

Basel. Bevor er sein Meisterteam rund ums 4:2 gegen Lausanne feiert, trennt sich der FC Basel von seinem Trainer. Valentin Stocker geht nach Berlin.

Als erster Schweizer Verein fünfmal in Folge Meister geworden zu sein, wäre für ein besonderes Wochenende allein schon Grund genug. Nicht aber in Basel, wo sich zwischen dem definitiven Gewinn der Meisterschaft am kalten Donnerstagabend und der Pokalübergabe am sonnigen Sonntagnachmittag noch mehr abspielte als erwartet.

Der grösste Coup war, schon am Samstagmorgen die Trennung von Murat Yakin zu melden, von jenem Mann, der seit seinem Amtsantritt im Oktober 2012 zwar zwei Cupfinals verlor, aber zweimal Meister wurde, den FCB dazu einmal in die Halbfinals und einmal in die Viertelfinals der Europa League führte, zwischendurch in die Gruppenphase der Champions League und zu zwei Siegen gegen Chelsea.

Nur der Zeitpunkt überrascht

Völlig unerwartet kam die Trennung von Yakin nach einer zumal im Verhältnis zu den Resultaten unruhigen Saison nicht. Aber der Zeitpunkt, die Schnelligkeit überraschte doch. Dar­über auslassen wollen sich Yakin und Vereinsleitung erst heute. Und egal was sie sagen, so ist der Abgang als Folge steter Unruhe doch so zu werten: Yakin wurde der Umgang mit Spielern, seine wohl da und dort als zu kaltschnäuzig empfundene Art vorgeworfen. Und die für einen Verein dieses Zuschnitts und Anspruchs zu wenig «attraktive» Spielweise.

Man kann auch sagen, die Vereinsleitung habe, wie schon bei der überraschenden, aber sicher nicht falschen Trennung von Yakins Vorgänger Heiko Vogel, jedem klargemacht, wer beim FCB das Sagen hat. Die Überzeugung, auch in unpopulären Momenten richtig zu handeln, haben die FCB-Oberen zweifellos. Aber sie müssen schon aufpassen, dass dieser Eindruck nicht allzu deutlich, das Gewicht des wichtigsten sportlichen Angestellten nicht allzu sehr reduziert wird. Natürlich wissen sie beim FCB auch, dass die Indiskretionen, wie sie aus ihrer Sicht so störend waren, auch durch undichte Spieler- kanäle flossen.

Allerdings hatten Verein und Trainer Stil genug für eine würdige Verabschiedung vor dem Lausanne-Spiel im Stadion. Yakin marschierte als Erster zur individuellen Ehrung durch ein Spalier von Angestellten und Mitspielern zum Mittelpunkt. Es folgte Yann Sommer, dann Valentin Stocker, beide konnten – anders als selbstverständlich Yakin – ihre Tränen nicht zurückhalten. Sommers Transfer zu Borussia Mönchengladbach war seit Längerem bekannt, jener Stockers zu Hertha Berlin wurde erst gestern offiziell. Stocker, mit dem FCB immerhin sechsmal Meister und dreimal Cupsieger, unterschrieb in Berlin für vier Jahre. Rund fünf Millionen Franken dürfte die Ablösesumme betragen.

Heuslers starker Auftritt

Bevor Präsident Bernhard Heusler diese offiziellen Verabschiedungen vornahm, hatte er einen ersten persönlichen Auftritt, der nichts weniger als völlig überzeugend war. Er nahm, aufgrund der jüngsten Zwischenfälle mit FCB-Fans nach dem Schlusspfiff am Donnerstag in Aarau, grundsätzlich Stellung zur einschlägigen Problematik. Er distanzierte sich dabei in klaren Worten von jenem Teil auch der Basler Fans, die mit ihren Gewaltsexzessen immer wieder Schwierigkeiten machen. Aber er geisselte auch die Pharisäer in Medien und Politik.

Heusler wandte sich in Richtung der Muttenzerkurve, als er sagte: «Wir wollen das nicht.» Er richtete seine Worte an die FCB-Fans («Euch, die das Spiel und den Fussball missbrauchen für Gewalt») und auch an die Medien und jene, die einfache Lösungen für das Gewaltproblem im Sport propagieren («die auf genau solche Ereignisse warten, die nichts anderes tun, als solche Ereignisse herbeizuschreiben und herbeizusehnen, und hinterher heuchlerisch und populistisch alle in einen Topf schmeissen»). Und dann schloss er mit einer markigen Kampfansage: «Wir lassen uns von Gewalttätern und Populisten nicht stoppen auf der Jagd nach dem sechsten Titel.»

Die Jagd nach dem fünften war zu Ende, ehe der Match gegen Absteiger Lausanne mit über zehn Minuten Verspätung begann – und aufhörte mit einer Applaus-Auswechslung Sommers und einer Applaus-Einwechslung Stockers ein paar Minuten vor Schluss. Nun gehts weiter, sind die nächsten Personalfragen zu lösen: Nachfolger Sommers soll der Tscheche Tomas Vaclik (25) von Sparta Prag werden. Über jenen Yakins kann noch nicht mal begründet spekuliert werden. (red)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch