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Über das Quadrat hinausgewachsen

Am 5. August feierte der Winterthurer Künstler Manfred Schoch seinen 80. Geburtstag. Der letzte hiesige Exponent der konkreten Malerei vertrat die Nachkriegsavantgarde in Winterthur. Jetzt ­würdigt eine Retrospektive im Atelier Alexander sein Schaffen.

Max Bill (1908–1994) ging (nach Zürich), Manfred Schoch blieb (in Winterthur). Neben weiteren Unterschieden gibt es doch zwei Gemeinsamkeiten: Beide stammen aus dem Tössfeldquartier und beider künstlerischer Ansatz basiert auf dem Denken und Fühlen. Nicht Bill hat aber Schoch in jungen Jahren den wichtigen Karriereschub verliehen; diese Rolle übernahmen die anderen beiden Überväter der Zürcher Konkreten: Camille Graeser (1892–1980) und Richard Paul Lohse (1902–1988). Diese beiden Künstler und der umtriebige Propagandist der konstruktiv-konkreten Malerei, Eugen Gomringer, förderten den jungen Mann.

Als junger Vertreter einer avantgardistischen Richtung lebte Manfred Schoch aber in seiner Geburtsstadt in der künstlerischen Diaspora. Denn bis über die 60er-Jahre hinaus dominierte in der Industriestadt die Figuration, im Speziellen die Landschaftsmalerei, während sich die Konkreten als «Quadrätchenmaler» verspotten lassen mussten.

Freiheit in der Ordnung

Schoch, der gelernte Maler und Schriftenmaler, hatte aber genau in diesem diffamierten Quadrat jene Ordnung entdeckt, die den Eintritt in eine unerschöpfliche Welt der geometrischen Teilungen eröffnete. Und in dieser Ordnung habe Schoch seine Freiheit gefunden, schreibt der ehemalige Präsident der Kunsthalle Winterthur, Kurt Münger, in seinem Beitrag in der Festschrift zum 80. Geburtstag.

Christine Geiser, einst Galeristin im «Weissen Haus», versammelte in dieser Publikation 14 lesenswerte Texte aus der Feder von Freunden, Künstlern und Kritikern. Der Fotograf Peter Engler feiert in seinen historischen Fotos Schoch als begabten Jazzpianisten. Auch Dieter Schwarz, Direktor des Kunstmuseums Winterthur, reiht sich ein in die illustre Parade der Gratulanten. Sein Porträt ist eine feinsinnige Studie über einen Menschen, dem die Dialektik von Ordnung und Freiheit nicht nur künstlerisches Prinzip war, sondern auch lebensprägend wurde: im Alltagsleben in der streng geregelten Routine, während die Möglichkeiten der Freiheit eher in der Kunst erprobt wurden.

Gegen eine Öffnung

Als Manfred Schoch 1990 Präsident der Künstlergruppe Winterthur wurde, muss er sich wohl an das gefürchtete Aufnahmeprozedere erinnert haben, das er 1969 überstehen musste, um in den Kreis der «zünftigen» Winterthurer Künstler aufgenommen zu werden. «Der allseits geschätzte Heinrich Bruppacher half mir dabei sehr, indem er vorschlug, meine Arbeiten der Beurteilungskommission doch in seinem Atelier vorzustellen», erinnert sich Schoch. «Es hatte auf Anhieb geklappt», sagt der Achtzigjährige schmunzelnd.

Schoch gehörte innerhalb der Künstlergruppe dann aber zu jener Fraktion, die einer grosszügigen Öffnung sehr skeptisch gegenüberstand und das Ausstellungsprivileg in der Dezemberausstellung im Kunstmuseum lange Zeit verteidigte. Den Gegnern erschien er stur, den Freunden konsequent. Inzwischen haben sich alle versöhnt. So verkörpert Schoch auch ein Stück Lokalgeschichte.

Stets stellte er in den besten hiesigen Galerien aus. Premiere war 1965 in der legendären Galerie ABC von Albert Wiener, den Höhepunkt bildete 1993 die Doppelausstellung in der Kunsthalle und im Kunstmuseum. Viele Kunst-am-Bau-Arbeiten zeugen öffentlich von Schochs weitgespanntem und erfolgreichem Schaffen.

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