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Und es ward eine Stadt

Wie sah die Stadt Winterthur vor der Verleihung des Stadtrechts 1264 aus? Ein Vortrag beim Historischen Verein ging auf archäologische Spurensuche.

Winterthur feiert, aber was eigentlich? Winterthur ist nicht 750 Jahre alt, sondern darf auf eine weit längere Ver­gangenheit zurückblicken, stellte die Archäologin Renata Windler in ihrem Vortrag im Museum Lindengut gleich zu Beginn klar. Der Stadtrechtsbrief von 1264 ist ein passender Aufhänger für Jubiläumsfeierlichkeiten, er soll aber auch zur Frage anregen, was solche Jubiläen bedeuten und wie der Ort «Winterthur» zu dieser Zeit ausgesehen haben mag. Die Stadtentwicklung vor 1264 stand im Zen­trum der anregenden Ausführungen Windlers. Aufschlüsse über Winterthur vor 1264 geben einige wenige schriftliche Quellen, vor allem aber archäologische Funde, die in den letzten Jahrzehnten bei Ausgrabungen zum Vorschein kamen. Dank diesen Überresten hat sich unser Bild der «Stadtwerdung» komplett verändert. Gingen frühere Forscher von der planmässigen Gründung auf grüner Wiese aus, steht heute das Bild eines Prozesses mit langer Vorgeschichte im Vordergrund. Was das genau heisst, zeigte Windler im Vergleich von zwei zeitlichen Schnitten: Um die Jahrtausendwende wurde wohl unter dem Einfluss der kaum fassbaren Grafen von Winterthur die Kirche mit einer Adelsgrablege ausgebaut. Häuserreihen an der heutigen Marktgasse, ein Befestigungsgraben im Bereich der Obergasse sowie eine Art Burganlage weisen ebenfalls auf die wachsende Bedeutung der Siedlung hin. Erst zwei Jahrhunderte später, um 1200, «verstädterte» dieser ansehnliche Ort zum heutigen Winterthur, parallel zum Aufstieg der Grafen von Kyburg als Landesherren der Ostschweiz. Ein logistisches Abenteuer Der von einer enormen Dynamik geprägte Bauboom griff massiv in das bisherige Siedlungsbild ein. Die Kirche wurde nochmals erweitert und erhielt als repräsentatives Zeichen einen Glockenturm. Eine Befestigung umschnürte das eigentliche Stadtgelände, das mit Kiesaufschüttungen planiert und von regelmässigen Strassenzügen erschlossen wurde. Ein von der Eulach gespeister Stadtbach sorgte für das Nutzwasser. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Neustadt in die Stadt einbezogen und der Rettenbach als neuer Stadtbach angelegt. Aufwendige Teuchelröhrenanlagen leiteten Trinkwasser in die Stadt und vermitteln einen Eindruck der logistischen Herausforderung hinter dem Ausbau. Massgeblichen Einfluss nahmen hier die Grafen von Kyburg, die sich von der Förderung finanzielle Vorteile versprachen. Deutlich wird aber auch eine «Verbürgerlichung»: 1180 erscheinen erstmals Kaufleute, und im 13. Jahrhundert treten mit Schultheiss und Rat Gremien der Bürgerschaft auf. Das Stadtrecht von 1264 war nicht etwa Auftakt, so das Fazit Windlers, sondern der vorläufige Abschluss einer langen Entwicklung hin zur Stadt. (pn)

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