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Unendlich dankbar!

Am Donnerstagabend stand ich etwas einsam mit einer brennenden Kerze auf meinem Balkon. Kerzen der Solidarität sollten leuchten. Eingeladen dazu hatten die höchsten Kirchenmänner der Schweiz, Gottfried Locher, oberster Reformierter, und Felix Gmür, Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz. Das Kerzenlicht, Symbol der Hoffnung, verbunden mit einem Gebet in einer Welt der Unsicherheit und Angst.

So stand ich da, keine andere Kerze in Sicht. Manchmal muss man sich Solidarität vorstellen. Dass ich doch nicht ganz die Einzige war mit Kerze, das wusste ich aus meinem Freundeskreis. Ich dachte in diesen Minuten an viele Menschen und auch an meinen betagten Onkel, der ein paar Stunden zuvor einsam im Pflegeheim gestorben war.

Es ist nicht viel, aber es ist vielleicht mehr, als wir denken.

Seine Frau durfte nicht bei ihm sein. Das Personal hat sich streng an die Anweisungen gehalten. Kein Vorwurf an niemanden, aber traurig ist es. Allein hat er sich auf den Weg gemacht in eine neue «Welt». Er wollte immer nur nach Hause. Zu seiner Frau sagte er immer: «Komm, ziehen wir die Schuhe an und gehen nach Hause.» Nun ist er endgültig «zu Hause» angekommen.

Für ihn brannte meine Kerze und für all die vielen Menschen, die trauern, die sich ängstigen, die nicht ein und aus wissen. Ich dachte an die Kinder in den Flüchtlingslagern, an die Menschen, die sich nicht in ihre vier Wände zurückziehen können mit einem gefüllten Kühlschrank, einer sauberen und funktionierenden Toilette und allem was dazugehört. Für sie alle stand ich da mit meinem kleinen Hoffnungslicht. Es ist nicht viel, aber es ist vielleicht mehr, als wir denken.

Am Freitagmittag um halb eins sah es ein bisschen anders aus. Ein Dankesapplaus für unser medizinisches Personal. Da und dort jemand auf dem Balkon und die Kita von vis-à-vis mit den verbleibenden Kindern draussen. Unser Applaus hallte wider vom Schulhof, und so durfte er sich hören lassen. Wie gut das getan hat, andere Menschen auf den Balkonen zu sehen, ein kurzes Zuwinken. Zusammenstehen in Zeiten der Vereinzelung.

Ich bin unendlich dankbar, dass wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben, dass da Menschen sind, die nicht einfach nur Dienst nach Vorschrift machen, sondern alles geben. Ich bin unendlich dankbar für all die Menschen, die sich irgendwie und irgendwo einsetzen. Auch für sie alle stehe ich am nächsten Donnerstag wieder auf meinem Balkon mit einem Kerzenlicht der Dankbarkeit und Hoffnung.

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