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Unfallfahrer sprach von einem «Filmriss», doch das Obergericht glaubte ihm nicht

Das Obergericht hat einen Mann aus dem Kanton Thurgau verurteilt, der bei Attikon ein Stoppsignal überfahren und einen Unfall verursacht hatte.

Der rätselhafte Unfall beschäftigt die Zürcher Justiz seit zwei Jahren: Anfang Oktober 2012 fuhr ein heute 50-jähriger Mann aus dem Kanton Thurgau über die Autobahn A7 und nahm bei Attikon die Ausfahrt. Doch statt in die Wallikerstrasse abzubiegen, überfuhr er eine Stopplinie und krachte ins Brückengeländer. Dabei war der Mann kein ungeübter Autofahrer – er ist Berufschauffeur. Fest steht, dass der Thurgauer falsch reagierte und sich mit seinem Auto Richtung Bertschikon absetzte, wo er es im Wald parkierte. Doch schon tags darauf wurde er von der Polizei gestellt und einvernommen. Dabei sagte er, er wisse nicht, wie es zum Unfall gekommen sei. Er sei nämlich nicht abgelenkt gewesen. Später sprach der vorbestrafte Mann von einem Blackout. Seine Erinnerung setzte erst wieder ein, als es «getätscht» habe, gab er bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll. Dasselbe sagte er 2013 vor dem Bezirksgericht Winterthur, das ihm jedoch nicht glaubte. Vorstrafe widerrufen Das Gericht verurteilte ihn wegen vorsätzlicher grober Verletzung der Verkehrsregeln, pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall und Fahrens eines nicht sicheren Fahrzeugs. Der Mann erhielt eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 70 Franken (total 4200 Franken) sowie eine Busse von 1000 Franken. Ausserdem wurde eine bedingte Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 120 Franken (1800 Franken) widerrufen. Der Mann akzeptierte das Urteil nicht und legte Berufung ein. Vor Obergericht betonte er wieder, er habe vor dem Unfall einen «Filmriss» erlitten. Auch sein Verteidiger verlangte daher einen Freispruch vom Vorwurf eines groben Verkehrsdelikts. Das Gericht solle bloss wegen des Verhaltens nach dem Unfall eine Busse aussprechen. Das Obergericht schlug einen Mittelweg ein. Es sah weder einen Vorsatz noch ein Blackout als erwiesen an. Der Beschuldigte habe nach dem Unfall hochüberlegt gehandelt, was gegen einen Filmriss spreche, sagte ein Richter. Hingegen sei auch völlig lebensfremd, von einem Vorsatz auszugehen. Wieso sollte der Mann bei Tageslicht ein Stoppsignal absichtlich überfahren, fragte der Richter. Das Obergericht wies deshalb den Fall an die Winterthurer Untersuchungsbehörden zurück, vor allem im Hinblick auf ein fahrlässiges Verhalten. Die neue Anklage, die daraufhin erarbeitet wurde, führte jetzt endlich zum jüngsten Entscheid. Demnach verurteilt das Obergericht den Mann wegen fahrlässiger grober Verletzung von Verkehrsregeln und den anderen Delikten zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Sätzen à 70 Franken. Diese Summe muss er nicht bezahlen, die zusätzliche Busse von 1000 Franken sowie die widerrufene Vorstrafe von 1800 Franken jedoch schon. Hinzu kommen die Kosten des Obergerichts. Ob der Mann den Fall ans Bundesgericht weiterzieht, ist noch unklar. ait

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