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«Unfreundlicher Verkauf» beim Bauchemie-Konzern Sika

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung des Zuger Bauchemieherstellers Sika drohen mit dem Rücktritt: Dies für den Fall, dass die Stimmenmehrheit des Konzerns tatsächlich an die französische Saint-Gobain-Gruppe geht.

Es ist wohl ein bislang einzigartiger Vorgang in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte: Die französische Saint-Gobain-Gruppe hat der grössten Aktionärin des Zuger Bauchemie-Konzerns Sika – der Familie Burkhard – ein Angebot für sämtliche ihrer Aktien gemacht. Kommt es zu einem Abschluss, könnte Saint-Gobain mit einem Aktienkapital von 16,1 Prozent 52,4 Prozent der Aktienstimmen bei Sika kontrollieren. Der Kaufpreis für dieses Paket beläuft sich auf 2,75 Milliarden Franken. Laut Analysten entspricht dies einer Prämie von 80 Prozent gegenüber dem letzten Aktienkurs.

2 Milliarden vernichtet

Ein deutliches Minus verzeichnete dagegen gestern die Aktionäre: Die Aktie schloss um fast 22 Prozent tiefer als am Freitagabend. Die Marktkapitalisierung sank um satte 2 Milliarden auf 7,7 Milliarden Franken. Für den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung muss sich dieser Deal wie ein Rückenschuss angefühlt haben: Erst am Freitagabend wurde die Sika-Spitze über die Pläne der Familie Burkhard eingeweiht. In der Managersprache könnte man – in Analogie zur unfreundlichen Übernahme – von einem unfreundlichen Verkauf sprechen. In der Medienmitteilung wirft die Sika-Spitze der Familie Burkhard Vertrauensbruch vor: «Das Vertrauen der übrigen Aktionäre basierte auf dem wiederholt öffentlich gemachten Bekenntnis der Familie, als Ankeraktionärin im besten Interesse aller Aktionäre zu handeln», heisst es. Zudem merkt die Sika-Spitze an, dass die industrielle Logik und Synergiepotenziale fehlten. Eine Fortsetzung der «erfolgreichen Wachstumsstrategie» werde verhindert. Sika-Präsident Paul Hälg sowie Konzernchef Jan Jenisch machten klar, dass die von der Familie Burkhard unabhängigen Verwaltungsräte sowie die Geschäftsleitung zurücktreten werden, sollte das Geschäft zustande kommen. Daran können die Familie Burkhard und Saint-Gobain jetzt eigentlich nur noch die Kartellbehörden hindern.

Archaische Aktionärsstruktur

Die Transaktion wirft ein Schlaglicht auf einen alten Zopf im Schweizer Aktienrecht. Noch immer können Aktiengesellschaften das Prinzip, dass eine Aktie einer Stimme entspricht, missachten. Sika ist hier kein Einzelfall. Auch bei der Swatch Group, bei Lindt&Sprüngli, Kuoni, Roche sowie beim Liftbauer Schindler gilt dieses Prinzip nicht. Diese Unternehmen tun sich schwer mit der Einführung der Einheitsaktie. Die Familienaktionäre, die mit ihrem Kapitaleinsatz einen überproportionalen Stimmenanteil innehaben, müssten ihrer eigenen Entmachtung zustimmen. Doch wer tut dies schon freiwillig? Die Familie Burkhard zumindest hat sich gegen diesen Weg entschieden.

Neue Generation

Die Familie begründete ihren Schritt gegenüber der Nachrichtenagentur SDA mit der Einschätzung, dass sie für Sika unter dem Saint-Gobain-Dach die bessere Zukunft sehe. Zudem sei der Verkauf «eine logische Folge aus dem Generationenwechsel bei der Gründerfamilie. Heute gehört mit dem 57-jährigen Urs Burkhard noch ein Mitglied der Familie dem Verwaltungsrat an: «Doch die nächste Generation ist in ihrem Alter und ihren Ansichten sehr unterschiedlich», heisst es weiter.

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