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Ungestörte Rückkehr zur Tagesordnung

Der erste Trainingstag zum ersten GP von Russland im «Sochi Autodrom» ist reibungslos über die Bühne gegangen. Dies zur Erleichterung des von der ­Suzuka-Tragödie immer noch geschockten Formel-1-Trosses.

Der Olympiapark von Sotschi ist ein bestens geeigneter Grand-Prix-Schauplatz. Dar­über sind sich Fahrer, Techniker, Offizielle und Zuschauer nach den beiden ersten Trainings des viertletzten WM-Laufes einig.

Bezüglich der Lehren, die aus Jules Bianchis Unfall in Suzuka gezogen werden müssten, gibt es dagegen weiteren Gesprächs­bedarf. Von den vielen spontan geäusserten Verbesserungsvorschlägen sind längst nicht alle realisierbar. Der Automobil-Weltverband FIA will aber so rasch wie möglich reagieren, um die Sicherheit in solchen Si­tua­tio­nen zu verbessern.

Das schwer getroffene Marussia-Team verzichtet beim Heimrennen in Russland aus Pietätsgründen auf den Einsatz des Ersatzfahrers Alexander Rossi und kon­zen­triert sich ganz auf das Auto von Max Chilton. Der Amerikaner dürfte aber in drei Wochen in Austin seine erste Formel-1-Chance erhalten.

Hamilton wieder vorne

Die neue Strecke im bereits gut besuchten Olympiapark von So­tschi hat an der Hackordnung wie erwartet wenig geändert. Mercedes bleibt das Mass aller Dinge, auch wenn sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg schwertun, die Pirelli-Reifen richtig zum Laufen zu bringen. Der britische WM-Leader überliess die Bestzeit im ersten Training auf der noch ex­trem rutschigen Piste seinem Teamkollegen, deklassierte diesen aber am Nachmittag mit 0,8 Sekunden Vorsprung.

«Die Strecke passt mir und dem Auto», freute sich Hamilton. «Wir hatten sofort eine gute Balance und werden uns noch enorm steigern können.» Als erste Verfolger sieht er McLaren und Williams, die ebenfalls über Mercedes-Po­wer verfügen. Im Ungewissen tappt er über Red Bull, das sich mit mehr als 1,7 Sekunden Rückstand mit den ungewohnten Positionen 9 von Sebastian Vettel und 13 des auch noch stehen gebliebenen Daniel Ricciardo begnügen musste.

Dass Rosberg hinter dem an­genehm überraschenden Kevin Magnussen und dem bei Ferrari offensichtlich in Ungnade gefallenen Fernando Alonso nur die viertbeste Zeit realisierte, war für ihn leicht erklärbar. «Das Team hat entschieden, zwei komplett unterschiedliche Set-ups zu probieren, und meines war wohl etwas zu progressiv. Am Samstag werden wir wieder den konventionellen Weg einschlagen. Und dass der gut funktioniert, zeigen die Zeiten von Lewis», meinte Rosberg.

Er konnte sich ebenfalls mit der Piste anfreunden und will dar­auf alles unternehmen, um mindestens den Punkterückstand vermindern zu können. Hinter Rosberg reihten sich Valtteri Bottas, Jenson Button und Felipe Massa als Mercedes-Kunden ein. Als Achter sorgte Daniil Kwjat im ­Toro Rosso für Aufsehen.

Sirotkin überrascht positiv

Die Augen der praktisch ausschliesslich russischen Fans waren gestern nicht nur auf den künftigen Red-Bull-Fahrer Kwjat, sondern auch auf den 19-jährigen Sergej Sirotkin gerichtet. Der Stammfahrer der 3,5-Liter-World-Series durfte im ersten Training anstelle von Esteban Gutiérrez erstmals seit dem Testtag im Frühling in Bahrain wieder im Sauber C33-Ferrari Platz nehmen und zeigte sich keineswegs überfordert.

Der Russe schob sich in seiner ersten offiziellen Formel-1-Rangliste als 17. zwischen die beiden Lotus-Fahrer und war nur vier Zehntelsekunden langsamer als sein weit erfahrener Markenkollege Adrian Sutil. «Sergej hat sich kontinuierlich gesteigert und eine reife Leistung gezeigt», lobte Teamchefin Monisha Kaltenborn, die sich ganz besonders über die erfrischenden Rückmeldungen an die Ingenieure freute. «Er hat ständig versucht, etwas zu ändern und das Auto immer besser abgestimmt.»

Ebenso professionell wie auf der Strecke verhielt sich der gereifte Lokalmatador bei der Medienarbeit. «Ich wusste, dass es um viel ging. Doch es lief erstaunlich gut», versicherte er zufrieden. «Wir hatten erwartet, dass der Asphalt der komplett neuen Piste staubiger sein könnte und befürchteten Schwierigkeiten beim Aufwärmen der Reifen, um die notwendige Haftung zu erhalten. Aber das war überhaupt kein Problem. Ich wollte keinen Fehler machen und habe deshalb sehr vorsichtig begonnen. Es ging ja nicht um Rekorde, sondern vor allem darum, für das Team Erkenntnisse über das Verhalten der Reifen zu sammeln.»

Die Streckenführung findet ­Sirotkin wie die meisten Kollegen interessant: «Natürlich gibt es ­einige 90-Grad-Kurven, die sich sehr ähnlich sind. Doch es hat auch einige extrem coole Passagen wie den letzten Sektor mit kniffligen Passagen und die lang gezogene Linkskurve im ersten Sektor. Die Zuschauer dürfen sich auf ein packendes Rennen freuen, an dem ich nur allzu gerne teilnehmen würde. Ich wäre bereit.»

Noch ist Sirotkins Zukunft alles andere als gesichert. Eine weitere Zusammenarbeit mit Sauber, das ihm zur Superlizenz verholfen hat, ist jedoch nicht ausgeschlossen. «Wir sind am Verhandeln über die kommenden Monate – im November sind noch einmal Formel-1-Testtage in Abu Dhabi geplant – und über die nächste Saison», verrät der Russe. Dass ihm dabei nicht mehr sein Vater, sondern ein italienischer Manager zur Seite steht, ist sicher ein Vorteil.

Die beiden Sauber-Stammfahrer tauchten am Nachmittag ins gewohnte Umfeld. Sutil kam auf Platz 15., Gutiérrez hinter dem Lotus-Duo Grosjean/Maldonado auf Rang 18. Peter Lattmann

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