Zum Hauptinhalt springen

Ungewohnte Rollen

SCHANGHAI. Die Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg geniessen auch im Grossen Preis von China freie Fahrt. Der teaminterne Kampf um den WM-Titel wird die Formel 1 so lange in Atem halten, bis die Konkurrenz den riesigen Rückstand aufgeholt hat.

Der Schmach auf der Rennstrecke folgte die Niederlage vor dem Berufungsgericht der FIA: Red Bull Racing tut sich nach der vierjährigen Dominanz in der Formel 1 schwer mit der ungewohnten Rolle des Verlierers und sieht die Fehler beim verunsicherten Motorenpartner Renault.

Noch grösser ist der Frust bei Ferrari, das mit seinem Antriebsstrang aufgrund des bisher Gezeigten noch weiter hinter Mercedes herhinkt als die Franzosen und als Hauptschuldigen erst einmal Teamchef Stefano Domenicali aus dem Verkehr gezogen hat. Da weder dessen wohl nur interimistisch eingesetzte Nachfolger Marco Mattiacci noch der gerne auch als Genie bezeichnete Red-Bull-Konstrukteur Adrian Newey in der Lage sein werden, den bei der Entwicklung der neuen Triebwerke eingehandelten Rückstand in nützlicher Frist aufzuholen, kann es sich Mercedes vorläufig erlauben, auf eine Teamorder zu verzichten. Lewis Hamilton und Nico Rosberg werden deshalb nichts unversucht lassen, um sich möglichst rasch in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. So ist Spektakel auch in den nächsten Rennen garantiert.

Befremdender Abgang

«Bahrain war fantastisch – nicht nur für uns, sondern für den ganzen Sport, und ich bin sicher, dass die Show in diesem Stil weitergehen wird», glaubt der 29-jährige Hamilton, der die zugestandenen Freiheiten bei Mercedes geniesst und nach sechs Jahren endlich einen zweiten WM-Titel an sich reissen will. «Die positive Stimmung ist überall spürbar im Team und animiert alle, immer das Maximum zu geben.» Nicht ganz in diese Szenerie passt einzig die Kündigung des bisherigen technischen Direktors Bob Bell, dessen Einfluss unter dem später verpflichteten Paddy Lowe offenbar markant gesunken ist.

Des Lobes voll über die Atmosphäre ist vorläufig auch Rosberg. «Resultatmässig sind die letzten Rennen zwar nicht nach meinem Geschmack ausgegangen, doch die vielen positiven Kommentare nach Bahrain zeigen, dass wir als Team auf dem richtigen Weg sind. Auch meine Zeit wird wieder kommen», kündigt der Deutsche an, der als Weltmeister wie bisher erst Damon Hill in die Fussstapfen seines Vaters treten will und die einmalige Gelegenheit dazu in dieser Saison nutzen will.

Nur zwei Sieger fehlen

Mit Ausnahme von Rubens Barrichello und Michael Schumacher, der hier 2006 seinen 91. und letzten GP-Sieg realisiert hat, sind an diesem Wochenende alle bisherigen Gewinner des Grossen Preises von China im Einsatz. Weder Sebastian Vettel im Red Bull, Fernando Alonso und Kimi Räikkönen im Ferrari noch Jenson Button im McLaren werden am Ostersonntag aber eine ernsthafte Bedrohung für das Mercedes-Duo darstellen.

Hamilton und Rosberg, der auf dem Shanghai International Circuit vor zwei Jahren erstmals überhaupt in der Formel 1 gewonnen hat, können sich nur selbst schlagen. Die Konkurrenz muss auf bisher nur vereinzelt aufgetretene technische Probleme bei Mercedes, auf die hier weniger seltenen Wetterkapriolen oder dar­auf hoffen, dass sich die beiden Mercedes-Rivalen auch einmal zu nahe kommen.

Erster Verfolger gesucht

Noch steht überhaupt nicht fest, wer Mercedes am ehesten näher rücken könnte. aufgrund der finanziellen Möglichkeiten kämen dafür nur Red Bull und Ferrari in Frage, doch sie müssen sich erst einmal der drei weiteren Mercedes-Teams erwehren. Sahara Force India, McLaren und Williams sind dank ihrer derzeit überlegenen Power-Units besser gerüstet, müssen aber ebenfalls ihre brisanten Fahrerpaarungen in den Griff bekommen.

Beim indischen Team hat der Mexikaner Sergio Pérez mit dem Podestplatz in Bahrain dem weit höher eingestuften Nico Hülkenberg ebenso den Kampf angesagt wie der junge Finne Waltteri Bottas bei Williams Felipe Massa und der noch jüngere Däne Kevin Magnussen bei McLaren Jenson Button, dessen Vertrag Ende Saison ausläuft. Längst noch nicht auf demselben Niveau bewegen sich die Renault-Kundenteams Toro Rosso und Lotus.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch