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«Unglaublich stolz»

GARMISCH-Partenkirchen. Tina Weirather sichert sich im Super-G von Garmisch ihren ersten Weltcupsieg. Als beste Schweizerin klassiert sich Fränzi Aufdenblatten nur auf Platz 13.

Der Super-G, das hat zuletzt auch Lara Gut mit ihrer Silbermedaille an der WM in Schladming gezeigt, gehört seit vielen Jahren neben der Abfahrt zu den Paradedisziplinen der Schweizerinnen. Schlappen wie gestern kommen deshalb unerwartet. Allerdings war in Garmisch schon im Vorjahr Lara Gut als Schnellste ihres Teams nur 13. geworden. Sonst gab es in den letzten fünf Jahren nur noch einen Super-G, in dem sich keine Schweizerin in den Top Ten klassierte. Fränzi Aufdenblatten, die 1,12 Sekunden verlor, gab deshalb nicht viel auf die Bezeichnung «beste Schweizerin». Vielmehr ärgerte sie sich über einen groben Schnitzer. «Ich hatte im oberen Teil einen Blackout und habe mich verfahren. Dass mir das in meinem Alter noch passiert», sagte die 32-jährige Walliserin. Sie habe dadurch eine halbe Sekunde und wohl fünf, sechs Plätze verloren.

Neben Aufdenblatten durfte einzig Marianne Kaufmann-Abderhalden (23.), die im Weltcup in dieser Disziplin erst einmal besser rangiert war, halbwegs zufrieden sein. Für Fabienne Suter hingegen resultierte als 25. die schlechteste Klassierung im Super-G seit über fünf Jahren. «Der Lauf war einfach nicht gut. Ich weiss nicht, wo ich die ganze Zeit verloren habe», so die Schwyzerin, die in den vier vorherigen Super-G der Saison immer die Top Ten erreicht hatte. In der Disziplinen-Wertung musste sich Suter von Anna Fenninger (4. Platz) und Maria Höfl-Riesch (11.) überholen lassen und liegt nun auf Platz 7.

Nur mickrige zwei Punkte gab es für Dominique Gisin (29.). «Ich habe einen Übergang verpasst, ansonsten wäre ich doch einiges weiter vorne», sagte die Obwaldnerin. Bis zu ihrem Fehler lag sie auf Top-15-Kurs. Deutlich besser unterwegs war Lara Gut, die nach 43 Fahrsekunden nur 13 Hundertstel langsamer war als die spätere Siegerin Tina Weirather. «Ich habe eine Welle zu spät gesehen und bin in den ausgerutschten Schnee geraten. Im Super-G ist man halt schnell ausgeschieden. Man kann nicht erwarten, immer Erste, Zweite oder Dritte zu werden», sagte die Tessinerin. Wie Gut schieden auch Nadja Kamer, die nach einem Innenskifehler sogar stürzte und sich einige Prellungen zuzog, und Andrea Dettling aus. Mirena Küng blieb als 36. ohne Punkte.

«Ein Befreiungsschlag»

Tina Weirather sorgte in ihrem 74. Weltcuprennen mit Startnummer 3 für eine Bestzeit, die nicht mehr unterboten werden sollte. Die Liechtensteinerin zeigte sich ob ihrem Premierensieg auf oberster Stufe selber überrascht: «Dies ist wie ein Befreiungsschlag. Irgendwann habe ich diesen Erfolg erwartet, aber sicher nicht heute. Ich habe sehr anstrengende Wochen und Monate hinter mir.» Weirather war Anfang Dezember im Super-G von Lake Louise gestürzt und hatte sich dabei eine Schuhrandprellung zugezogen. Danach folgten als beste Resultate noch zwei Top-Ten-Plätze in der Abfahrt, im Super-G hingegen schaffte sie es nie mehr in die ersten 15.

In Garmisch war nun aber «der Tag gekommen, auf den ich fast mein ganzes Leben schon hingearbeitet habe. Es gibt für mich nichts Wichtigeres und Schöners als Skifahren. Ich bin unglaublich stolz», so die 23-jährige Tochter von Hanni Wenzel (33 Weltcupsiege) und des Tirolers Harti Weirather (6), die beide ihren Triumph vor Ort miterlebten.

Tina Weirather hatte bereits 2005 ihr Weltcup-Debüt gegeben, wurde aber immer wieder von schweren Verletzungen gebremst, So erlitt sie zwischen März 2007 und Januar 2010 nicht weniger als vier Kreuzbandrisse. Doch seit Dezember 2011 war sie dann schon sechsmal aufs Podest gefahren. Zweimal davon vor Jahresfrist auch in Garmisch, als sie sowohl im Super-G wie auch in der Abfahrt Dritte geworden war. «Garmisch liegt mir wirklich sehr. Hier habe ich schon vor vier Jahren an der Junioren-WM eine Medaille geholt», sagte Weirather.

Seit ihre Mutter im März 1984 im Slalom von Zwiesel letztmals triumphiert hatte, gab es im Weltcup bei den Frauen nur noch einmal einen Sieg fürs «Ländle»: am 21. November 2002 im Riesenslalom von Park City durch Birgit Heeb-Batliner. Im Super-G ist es gar der erste Erfolg für eine Liechtensteinerin überhaupt. Freuen durften sich auch die Swiss-Ski-Trainer, ist Weirather doch seit fast zwei Jahren vollständig ins Schweizer Team integriert. «Es ist eine sehr coole Equipe und ich fühle mich als vollwertiges Team-Mitglied. Ich profitiere viel von Swiss-Ski, man könnte mich fast als halbe Schweizerin bezeichnen», so Weirather.

Mazes 19. Podestplatz

Zwölf Hundertstel hinter Tina Weira­ther klassierten sich gestern im nachgeholten Rennen von Val d’Isère Tina Maze und Julia Mancuso zeitgleich auf Platz 2. Im Super-G-Weltcup liegt die führende Slowenin zwei Rennen vor Schluss mit 370 Punkten damit immer noch 65 Zähler vor der Amerikanerin, die ihre verletzte Teamkollegin Lindsey Vonn (286 Punkte) überholte. Die Entscheidung um die kleine Kristallkugel dürfte wohl zwischen Maze und Mancuso fallen, wenn auch Viktoria Rebensburg (220), Anna Fenninger (204) und – fünf Punkte vor Suter – Maria Höfl-Riesch (171) zumindest noch theoretische Chancen haben. Bereits morgen Sonntag folgt nun der eigentliche Super-G von Garmisch.

Zunächst haben aber die Schweizerinnen heute Samstag in der vorletzten Abfahrt des Winters die Chance, sich zu rehabilitieren. Lara Gut und Nadja Kamer, im Vorjahr hinter Vonn Zweite, haben in den Trainings gute Leistungen gezeigt. Und fährt Tina Maze mindestens auf Platz 2, hat sie im Gesamtweltcup den 2000-Punkte-Rekord von Hermann Maier bereits geknackt. Mit ihrem 19. Podestplatz der Saison hat sie gestern jedenfalls schon mal eine neue Bestmarke aufgestellt. (si/red)

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