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Unglaubliches Debakel

Zürich. Als der FCB sein Spiel gegen den FCZ begann, lag Rivale GC gegen Thun schon 0:4 zurück. Nach einem unglaub- lichen Match verlor GC 0:5, der FCB aber siegte 4:2 und hat nun wieder vier Punkte Vorsprung.

Damit hätte wohl keiner gerechnet, keiner von den nach sechs Siegen in Folge auf den Titel aspirierenden Grasshoppers, aber auch keiner der Aussenseiter aus Thun. Aber es begab sich dann im Letzigrund, dass die Thuner nach vier Schüssen aufs GC-Tor bis zur Halbzeit 4:0 führten – ein geradezu unglaubliches Szenario. Die Grasshoppers aber packten zuerst überhaupt nicht zu, und als sie es später versuchten, machten sie falsch, was sie falsch machen konnten. Und weil ihr Rivale im Kampf um Platz 1, der FCB, 45 Minuten später seine Pflicht gegen den FCZ zu erfüllen begann, fiel an dieser 30. Runde schon so etwas wie eine Vorentscheidung.

Die Basler werden in zehn Tagen nämlich mit vier Punkten Vorsprung auf die Grasshoppers in die letzte Direktbegegnung gehen. Mit einem Sieg und dem Ausbau ihres Vorsprungs auf sieben Punkte könnten sie im eigenen Stadion schon fast alles klarmachen, die Grasshoppers aber müssen nach dem gestrigen Debakel schon gewinnen, um wieder zu einem reellen Meisterschaftskandidaten zu werden.

Vor allem Pleiten und Pannen

Was die Zürcher an diesem Abend zeigten nach ihrer Siegesserie, die noch als Nachweis von Konstanz zu werten gewesen war, das war meilenweit von jeder Erwartung entfernt. Die Serie ihrer Pleiten und Pannen, zwischendurch auch ihres Pechs begann in der 6. Minute, als Abwehrroutinier Stéphane Grichting beinahe im Stil eines Anfängers ein Eigentor schoss. Luca Zuffi hatte Adrian Nikci steil lanciert; Grichting war zuerst am Ball, hob ihn dann aber über seinen eigenen Goalie hinweg ins Tor, wie es Nikci selbst kaum geschafft hätte.

Pech war dann der verletzungsbedingte Ausfall Amir Abrashis, der von Sekou Sanogo mit dem Ellbogen am Kopf getroffen worden war und blutend vom Feld musste. Sanogo hätte für diese Aktion Rot und nicht Gelb verdient. Als die Zürcher noch zu zehnt waren, weil sie hofften, Abrashi könne nach einem ärztlichen Eingriff weitermachen, schossen die Thuner in Überzahl das 2:0. Diesmal wars Nikci. Abrashi wurde danach ersetzt.

«Mutiger als in Basel»

Schön herausgespielt, aber auch Folge absolut unzureichender Zürcher Abwehrarbeit war dann Marco Schneuwlys Kopftor zum 3:0, dem Sekunden vor Halbzeit Schneuwlys zweites und nach einer Stunde Schneulwys drittes Tor folgten. Zum 4:0 lieferte Zuffi die energische Vorarbeit, zum 5:0 den zweitletzten Pass. Wenig später wurde er ausgewechselt, «weil es ihn im Oberschenkel zwickte», wie sein Trainer Urs Fischer begründete. Zuffi hatte in der Rolle des «Zehners» wirkungsvoll gespielt gegen einen Verein, der zu den Kandidaten auf seine Verpflichtung gehört – wenn ihn sich die Grasshoppers denn leisten können.

Aus Thuner Sicht war das ein absolut aussergewöhnlicher Abend, an dem sie ihre Aussichten auf eine neuerliche Europacup-Teilnahme gemehrt hatten. «Wenn man gegen GC 5:0 gewinnt, muss man einen guten Auftritt gezeigt haben,» sagte Fischer stolz, «und das haben die Jungs getan.» Sie seien «von Anfang an da gewesen. Wir hatten in der ersten Halbzeit auch etwas Spielglück. Aber die Tore waren sehr schön und wir spielten viel mutiger als zuletzt in Basel.» Dort hatte es deshalb gegen den FCB «nur» zu einem 0:0 gereicht ...

Genauso aussergewöhnlich war der Abend allerdings auch für die Grasshoppers, nur genau umgekehrt. Gewiss war im «Fall Abrashi» Pech dabei oder später, als Verteidiger Nicolas Schindelholz den Ball gleich zweimal von der eigenen Torlinie schlug. Aber insgesamt, das stellte auch Trainer Michael Skibbe unmissverständlich fest, «war das einfach keine gute Vorstellung meiner Mannschaft. Sie erreichte einfach nicht ihr Niveau – nicht das Niveau, um ein Spiel in der Super League zu gewinnen.» Es war zwar offensichtlich, dass auch Skibbe der Ansicht war, Sanogo hätte vom Platz gehört. Aber es wäre ihm zu billig gewesen, nach so einem Spiel, nach so einer Leistung zu diesem Thema etwas anderes zu sagen als: «Das war ein verdienter Erfolg Thuns.»

War­um seine Mannschaft dermassen lasch begonnen hatte – das wird sich Skibbe wohl noch lange fragen. So hat man die Grasshoppers in dieser Saison noch nie gesehen. Roman Bürki wäre wohl wieder in Form gewesen, aber er konnte es erst nach dem 0:5 andeuten. Von den Feldspielern wirkte vielleicht Michael Lang auf normalem Niveau, aber kein anderer. Also konnten sie sich nicht wundern, dass sie daheim so hoch verloren wie seit sechs Jahren nicht mehr und der Weg zum neuerlichen Titel für den FCB nun ziemlich geebnet erscheint. (hjs)

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