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Unheimlicher Herr Gluc

Der frühere Direktor der Musikschule, Hans-Ulrich Munzinger, hat sein literarisches Debüt ­vorgestellt.

Die Lesung in der Schlosshalde bei der Mörsburg war genau das Richtige für einen verregneten Sonntagnachmittag: In der gut gefüllten Gaststube wurde man von Hausgebackenem und Kaffee empfangen, der Blick ging durch die Fenster in die Weite, die sich je nach Schauerintensität in Nichts auflöste. Das passte zur Geschichte, die Hans-Ulrich Munzinger vortrug: «Gluc» handelt von einem Sonderling, von dem «kaum jemals mehr zu sehen war, als eine Hand, ein Ärmel, ein Stück Pullover, wenn er das Fenster öffnete, um seine Katzen herein- oder hinauszulassen».

Mohr, der alte Arzt, findet ihn eines Tages tot im Garten. Gemeinsam mit Karrer, dem Pfarrer, und Mader, dem ehemaligen Polizisten, kümmert er sich um den Fall. Als Mader beim Räumen eine mysteriöse Entdeckung macht – an der Rückwand des Küchenschrankes hängt an einem Nagel ein Schlüssel – stellt sich die Frage: Wo ist das Schloss dazu?

Literarisch gebrochener Krimi

Immer mehr entwickelt die Geschichte um den mysteriösen Gluc einen gespenstischen Sog: Bald findet jeder der drei Akteure bei sich einen Schlüssel, die Nachforschungen werden immer nebulöser, und schliesslich wird fieberhaft nach der Lösung gesucht. Man erhofft sich Hilfe von einem Hellseher, ein reinigendes Gewitter geht nieder. Und doch bleibt am Schluss nur «ein feines Loch, in dem vielleicht mal ein Nagel gesteckt haben mochte».

Hans-Ulrich Munzinger erzählt nicht linear, sondern bricht die Handlung in viele Facetten auf, wechselt die Perspektive, flicht innere Dialoge ein – was Spannung erzeugt und ihr auch eine literarische Qualität verleiht: Vieles passiert jenseits der vordergründigen Handlung. Dabei hinterfragt der Autor immer wieder Inhaltliches, greift sprachliche Wendungen auf, dreht sie und spielt mit ihnen.

Einblick in Schreibprozess

Dazwischen erzählte der Autor, wie er zum Schreiben kam: Nachdem er seit vielen Jahren eher beruflich Reden und Essays geschrieben habe, widmet er sich seit einem Jahr der Lyrik und der Prosa. Er gewährte zudem Einblick in den Schreibprozess und auf die Fragen, die er sich dabei stellt. Eine davon lautet: «Darf ich den Figuren meine Ansichten geben, oder schreiben sie sich selber?» Ein gelungenes Debüt für einen Autor, von dem man noch viel zu lesen hofft. – Der Anlass war eine Benefizveranstaltung für die Anschaffung eines Flügels. Eine weitere findet am 14. Juni statt, dann spielen Jun Onaka (Klavier) und Armon Stecher (Klarinette). Alex Hoster

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