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Unter dem Rad

Zürich. Kleine Dinge. Grosse Bewegung. Martin Zimmermann und Dimitri de Perrot zeigen am Zürcher Theater-Spektakel ihre neue Produktion «Hans was Heiri» – und geben der Welt, in der wir sind, ganz spielerisch ihren eigenen Rahmen.

Was für ein Bild. Im Dunkel der Bühne beginnt sich ein Kubus langsam um seine Achse zu drehen. Darin sind Menschen, die sich in vier Boxen zwischen Stuhl und Tisch eingerichtet haben. Mit der Bewegung kommen sie, hoppla!, selber ins Rotieren. Einige bleiben auf dem Stuhl sitzen – und sitzen bald kopf. Andere gehen die Wände hoch – und fallen in die Türen herein. Dann stehen die Menschen an der Wand, zusammengedrückt zur Masse. Bis sie wieder erfasst werden von der Bewegung. Dann ist jeder für sich wieder allein. Im Lot bleibt nur ein Rahmen an der Wand.

Das könnte ein Bild sein für das Getriebe der Welt und für die Menschen, die sich darin bewegen. Oder auch für den Zirkus, der um Körper gemacht wird. Oder für ganz etwas anderes. Egal. Bleiben wir beim Schaustück.

Ein Gesamtkunstwerk

Dieses Gehäuse, das so viele Gegenstände in sich birgt, steht im Augenblick in der Werft bei Wollishofen. Das grosse Teil gehört zur neuen Produktion «Hans was Heiri» von Martin Zimmermann und Dimitri de Perrot, die in diesen Tagen hier zu sehen ist, was ein grosses Glück bedeutet. Das Zürcher Theater-Spektakel bietet den beiden Zirkustheater-Machern quasi ein Heimspiel. Denn in einer Zürcher Fa- brikhalle wurde das ganze Stück ausgedacht und probiert, dies auch mit den Erfahrungen der früheren Produktionen «Gaff Aff» (2006), Öper Öpis» (2008), Chouf Ouchouf» (2009). Ein faszinierendes Gesamtkunstwerk ist so entstanden mit Musik, Bewegung und Theater. Denn neben den fünf Zirkusartisten, die mit Zimmermann und de Perrot auf der Bühne stehen, spielen auch andere Gegenstände mit: Tisch und Stuhl, Leben und Tod. Und alles, was in diesem Rahmen dazwischen ist.

Premiere hat «Hans was Heiri» in diesem Januar in Lausanne gehabt, zu sehen war dann das Stück schon in Paris, Istanbul, Athen oder in Wolfsburg. Und weiter wird es von Zürich aus in die grosse weite Welt gehen. Die eigentliche Heimat aber haben Dimitri de Perrot und Martin Zimmermann unterwegs in der Kunst: in der Begegnung mit allem, was ihnen begegnet.

Und das können auch ganz kleine Teile sein. Ganz am Rand der Bühne steht Dimitri de Perrot an den Plattenspielern, er ist der DJ (und eigentliche Motor) des Stücks und tanzt die Bewegungen vor. Seine Musik gibt dem Stück auch die Farben. Sie können so lustig ausschauen wie die Nummer, in der eine Artistin ihren Körper in eine kleine Box faltet und dann im Handumdrehen hinter einem Paravent vor- übergehend verschwindet. Oder so recht traurig wie eine verpasste Liebe. Die Stille gehört zu diesem Stück, dann ist nur noch das Gieren der Mechanik zu hören. Laut ist es auch manchmal, wenn Kantholz auf Kantholz, Mann auf Mann stösst. Zur Besänftigung der Gemüter werden dann immer wieder Chörli gesungen.

Vergessen im Spiel

Das Schwarz und das Weiss gehört dann ganz Martin Zimmermann in seinem Frack, er misst sich selber an den Gegenständen, die er auf die Bühne gebracht hat – einem halben Tisch zu Beispiel. Mit ihm auch kommt alles wieder in die Balance, was eigentlich im Fall enden könnte. Er ist ein Meister im Zusammensetzen von Stückwerk.

Manchmal vergessen sich die Menschen wie Kinder im Spiel, sie machen auf der Bühne Sachen, als schaute ihnen keiner zu. Am Schluss tun sie so, als würden sie es merken, und ziehen ganz schnell den Vorhang zu. Sehr grosser Applaus.

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