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Unter dem Strich: Eile mit Weile in der Fussgängerpassage

von Herbert Büttiker

Wem ist es nicht schon passiert: Man setzt den Fuss auf die Rolltreppe und fällt fast auf die Nase. Weil die Rolltreppe nicht rollt. Beim Versuch, sie als normale Treppe zu nutzen und hochzusteigen, wird es erst recht lustig. Das Gehirn spielt verrückt und kommt mit der Si­tua­tion nicht wirklich klar. Stolpernd fühlt man sich als Bewegungstrottel. Die Rolltreppe ist eine Erfindung des vorletzten Jahrhunderts und längst so gängig, dass wir ihre Besonderheit nur noch erfahren, wenn sie nicht fährt. Aber dann zeigt sich plötzlich, dass diese Steighilfe noch ganz unbegriffen ist. Ist der Mensch in der Moderne doch noch nicht richtig angekommen? Sind wir noch immer im Stadium des Staunens darüber, wie die Tritte, die man noch vor sich hat, unheimlich schnell vor einem verschwinden, sodass wir glauben, uns nur mit einem Sprung ans Festland retten zu können? Das mag jetzt krass übertrieben scheinen, Tatsache aber ist, dass die meisten auf der Rolltreppe wie paralysiert stillstehen oder die Achtungsstellung einnehmen. Das ist der Beweis! Denn Stillstand ist nicht im Sinne des Erfinders. Die Funktion der Rolltreppe ist es, die Verlangsamung des Personenstroms und des Staus am Fuss der Treppe zu verhindern. Zur Rushhour in belebten Passagen beweist der Mensch seinen fehlenden Einblick in das Funktionieren seiner Welt. Sonst würde er nicht zugleich eilen und stillstehen.

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