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Ursache geklärt – Schuldfrage offen

Das malaysische Passagierflugzeug ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden, sagt ein Bericht der niederländischen Luftsicherheitsbehörde. Der Bericht benennt jedoch keine Schuldigen.

Die niederländische Luftsicherheitsbehörde hat ihren Zwischenbericht vorgelegt. Danach ist die Boeing 777-200 der Malaysia Airlines am 17.Juli «von einer hohen Zahl von Hochenergieobjekten getroffen worden». Diese hätten das Flugzeug wahrscheinlich noch in der Luft zerbrechen lassen. Es gebe keine Hinweise auf technische Probleme oder auf Handlungen der Besatzung, die Ursache des Absturzes sein könnten. «Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung weisen darauf hin, dass der Absturz der Maschine von aussen verursacht worden sei», sagte Tjibbe Joustra, der Vorsitzende der Behörde. Der Bericht stellt auch die genaue Absturzzeit fest: Der Flug sei bis 13.20 Uhr normal verlaufen und danach abrupt beendet worden. Die Expertenkommission setzt ihre Arbeit fort und rechnet damit, dass es weitere Beweise geben werde, mit denen die Absturzursache genauer festgestellt werden könne. Der Bericht legt damit eine Boden-Luft-Rakete als Absturzursache nahe. Nur diese konnte jene «Vielzahl von Hochenergieobjekten» in eine Höhe von 10,5 Kilometern befördern. Zwar sollen russische Radarstationen einen ukrainischen Jagdbomber im Absturzbereich geortet haben. Dieser hat zwar eine wesentlich niedrigere Flughöhe als die Boeing, kann aber kurzzeitig in 10000 Meter Höhe aufsteigen. Eine Luft-Luft-Rakete hätte aber derart verheerende Zerstörungen nicht anstellen können.

Startrampe gesehen

Am Montag hatte der britische Sender BBC Augenzeugenberichte zitiert. Drei Ortsbewohner sollen voneinander unabhängig beobachtet haben, wie Männer in russischen Armeeuniformen, die «wie Russen aussahen und Russisch mit Moskauer Akzent sprachen», eine Raketenanlage vom Typ Buk-M 10 Kilometer vom künftigen Katastrophenort entfernt ausluden. Malaysia beschuldigte daraufhin Russland, den Abschuss verursacht zu haben. Aus Moskau hagelte es daraufhin spöttische Fragen. Wie unterscheiden sich «richtige» Russen von Ukrainern im Aussehen? Und woher wussten die Einheimischen, wie eine Buk-M-Startrampe aussieht?

Rebellen bestreiten Abschuss

Gleich nach dem Absturz waren moskautreue Separatisten beschuldigt worden, die Boeing aus Versehen abgeschossen zu haben. In Wahrheit wollten sie eine ukrainische Transportmaschine vom Typ Antonow runterholen, hiess es. Die Buk-Anlage sollen sie sich von der russischen Armee geliehen haben. Nach dem Abschuss sei sie sofort über die Grenze zurückgebracht worden. Die Aufständischen erwiderten darauf, sie hätten keine solchen Anlagen und brauchten keine. Sie kämen ganz gut mit tragbaren Stinger-Raketen aus, weil die ukrainischen Militärmaschinen um die Hälfte tiefer fliegen. Von russischer Seite hiess es, die Ukrainer besässen drei Buk-M-Anlagen, die eben dort stationiert seien. Die Behauptung, die Rakete sei von dem von den Separatisten kontrollierten Gebiet gestartet, zähle auch nicht. Die Stellungen der Gegner lägen dort bunt durcheinander. Die malaysische Boeing 777 war von Amsterdam nach Kuala-Lumpur unterwegs und stürzte über dem Kampfgebiet in der Ostukraine ab. Sowohl Russland als auch die Ukraine haben bereits Passagierflugzeuge abgeschossen. Russland schoss 1983 während der Sowjetzeit eine südkoreanische Boeing im Fernen Osten ab. Eine ukrainische Rakete brach 2001 bei Luftwaffenübungen auf der Krim aus und flog, bis sie ein anderes Ziel fand: eine russische Maschine, die von Tel Aviv nach Nowosibirsk flog. 78 Personen starben, vorwiegend russischstämmige Israelis. Kiew wies die Schuld von sich, zahlte den Hinterbliebenen aber eine Entschädigung.

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