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Venezianische Passion

Die Kammerphilharmonie Winterthur präsentiert zur Passionszeit ein stimmiges Programm mit Venedig im Mittelpunkt. Am Donnerstagabend findet das Konzert in der Kirche Veltheim statt.

Eine Stadt wie Venedig macht im Laufe der Zeit einige Veränderungen, Aufschwünge, Krisen durch. Doch die Faszination verlor die Stadt nie. Goethe berichtete in seiner «Italienischen Reise» (1786), aus welcher Michael Birkenmeier am Konzert in der Eglise réformée française in Zürich zitierte, von der «wunderbaren Inselstadt». Die aussergewöhnliche Begeisterung für Venedig galt in besonderem Masse auch für die Kirchenmusik.

Venedig war eines der musikalischen Zentren des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Claudio Monteverdi wurde 1613 in das Kapellmeisteramt im Markusdom gewählt, und von ihm spielte die Kammerphilharmonie Winterthur zum Einstieg «O bone Jesu» in einer Bearbeitung für Streichquartett, So­pran und Mezzosopran. Die beiden Sängerinnen Jeannine Camenzind, Sopran, und Dorothee Labusch, Mezzosopran, zeigten erstmals ihre strahlenden und klaren Stimmen, die wunderbar zusammenpassten. Dies obwohl Camenzind für die erkrankte Martina Hofmann eingesprungen war. Das Programm musste deshalb etwas angepasst werden, und das «Pianto della Madonna», eine spätere Fassung des berühmten «Lamento d’Arianna», von Monteverdi, entfiel. Trotzdem konnten sich die beiden Stimmen im Konzert immer wieder von ihrer schönsten Seite zeigen. Besonders erhellend war dies in «Salve Regina» von Monteverdi, das ein Höhepunkt des Programms war.

Das Streichquartett der Kam- merphilharmonie Winterthur spielte durchs ganze Konzert eine transparente, fast nüchterne Begleiterrolle. Die vier Musiker Martin Bauder, 1. Violine, Annette Birkenmeier, 2. Violine, Mika Kamiya Tanner, Viola, und Emanuel Rütsche, Violoncello, strichen die Vielfältigkeit der «venezianischen» Musik in den verschiedenen geistlichen Vokalwerken von Antonio Vivaldi, Heinrich Schütz und Monteverdi hervor. Alle diese Komponisten lebten und wirkten in Venedig und gaben dem musikalischen Geschehen der damaligen Zeit entscheidende Impulse.

Heinrich Schütz wurde zum Studium nach Venedig geschickt, bevor er später Hofkapellmeister an der Dresdner Hofkapelle wurde. Die beiden Werke von Schütz im Konzert zeigten in bewegter («Bone Jesu», SWV 313) und virtuoser («O Jesu, nomen dulce», SWV 308) Manier die frühen Ausprägungen des Concerto auf. Von Vivaldi, der mit seinem Mädchenorchester am Ospedale della Pietà Berühmtheit erlangte, präsentierte das Quartett und der ausdrucksstarke Mezzosopran das dramatische «Gelido in ogni vena» aus der Barockoper «Farnace».

Den stimmigen Gegenpol zu den barocken Vokalwerken bildeten das «Crisantemi» für Streichquartett von Giacomo Puccini und eine Fassung für Streichquartett des «Adagietto» aus der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler.

Ebenso erfrischend waren die gelesenen Texte von Michael Birkenmeier. Mit seiner eigenwilligen Textauswahl, unter anderen solche von Friedrich Nietzsche, Robert Walser und Goethe, sowie eigenen Geschichten zeigte Birkenmeier einen anderen Zugang zu Stadt und Musik und rückte den verklärten Blick Richtung Venedig etwas zurecht. Und dennoch stellte er fest, dass Venedig auch heute noch nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

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