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Verena Loewensberg wäre begeistert

Die spannungsvolle Retro­spektive aus Anlass des 80. Geburtstages von Manfred Schoch im Atelier Alexander versammelt Acryl- und Farbstiftarbeiten aus den letzten zehn Jahren.

Trotz seines Jahrganges kennt der Winterthurer Künstler keinen Rückzug ins Pensionsleben. «Mir sind die Motive nie abhandengekommen. Eins ergibt sich aus dem anderen», sagt er, als gäbe es nichts Einfacheres. Das ist aber auch das Wunderbare an der Konkreten Malerei, diese unerschöpflichen Möglichkeiten, welche eine so simple Form wie das Quadrat bereithält (sofern man sie sieht).

Wenn dann Schoch noch ausbricht in Richtung der amerikanischen Malerei der Minimal Art, dann tut sich – auch in der Ausstellung – ein faszinierender Spannungsbogen auf. Einerseits die geometrisch strukturierten Kompositionen mit ihren farblichen Varianten und anderseits jene monochromen Flächen in sattem Dunkelgrün, Karminrot und lichtem Frühlingsgrün, wo jeweils eine Ecke wie mit dem Cursor verzogen scheint – diese Gegensätze repräsentieren europäische beziehungsweise amerikanische Konzepte auf überzeugende Weise.

Gefühl statt Berechnung

Ein Theoretiker würde diesen Spagat kaum schaffen; Schoch hingegen, der seine Bildgeometrien und Farbkonzepte mehr erfühlt als berechnet und zuerst auf kariertem Papier im Kleinformat entwirft, bewältigt diese Herausforderung scheinbar mühelos. «Es muss für mich einfach stimmen», sagt er und ergänzt: «auch in der Ausführung.»

Sorgfalt, Präzision und Intensität sind Schochs Qualitätsmerkmale. Sie pflegt und erkämpft er auch gegen die Widrigkeiten von Altersgebresten, notfalls mit einem selbst konstruierten Stabilisator für die Farbstifte. An der Zürcher Konkreten Verena Loewensberg (1912–1986) – die zurzeit im Kunstmuseum Winterthur mit einer grossen Ausstellung geehrt wird – gefiel Schoch ihre Freiheit und Vielfalt. Sähe Loewensberg seine drei Arbeiten im Schaufenster des Ateliers Alexander – schwarze Dreiecke in einem feinen Rechteckrahmen auf gelbem Grund –, sie würde mit Sicherheit ihrem Winterthurer Kollegen ebenso begeistert applaudieren.(ame)

www.atelieralexander.ch

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