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Vergessene Helden

Während die Popularität mancher Autos ein Selbstläufer zu sein scheint, geraten andere schon kurz nach ihrem Launch ­aufgrund falscher Markt­prognosen oder Marketingstrategien in Vergessenheit und versinken in der ­Bedeutungslosigkeit.

Geniesst ein Auto Popularität und Prestige, ist das ein Garant für den Erfolg eines Modells. Durch lang anhaltende Begehrlichkeit weit über den Produktionszyklus hinaus bleiben sie in aller Munde und wertstabil – so finden sie immer wieder Käufer, wie sündhaft teuer sie auch sein mögen. Gelingt den Modellen der Durchbruch nicht, geht die Rechnung nicht auf und die Boliden liefern Stoff für Geschichten, anstatt selber Geschichte zu schreiben. Ein junges Beispiel dafür ist der Aston Martin Virage. Im Frühjahr 2011 präsentierten die Königlichen aus England zu Recht mit Stolz ihr neues Zwölfzylinder-Coupé. Der britische Edelsportwagen schloss eine Lücke im Modellprogramm. Stilistisch sicher, bewiesen die Ingenieure und Designer viel Feingefühl und setzten den Virage sowohl leistungstechnisch als auch optisch zwischen das damalige Topmodell und Bond-Car DBS und den DB9. Dafür übernahm der Virage das bereits 2009 am viertürigen Rapide eingeführte modernere Gesicht, verfeinerte dessen prägnante Züge und paarte es mit der Eleganz des als Grundmuster für zukünftige Baureihen gehandelten DB9, um die Prahlerei des DBS zu zügeln. Am Ende präsentierte er sich formvollendet. Bis heute ist der Aston Martin Virage die eleganteste Erscheinung und gelungenste Mischung aus Supersport und Gran-Turismo-Luxus, der in Gaydon auf die Räder gestellt worden ist. Genützt hat es ihm aber wenig. Denn schon nach 18 Monaten und rund 1000 Exemplaren war Schluss für den äusserlich nur im Detail, unter dem edlen Gewand jedoch aufwendiger überarbeiteten neuen Aston Martin mit seinem 497 PS starken V12-Motor. Als neues Modell angekündigt, erschien er wie ein dezentes Facelift der bestehenden Modelle, was dennoch mit gehörig mehr Geld bezahlt werden sollte. Die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück und die Produktion wurde eingestellt. Einziger Trost: Geneigte Beobachter erkennen, dass der Virage quasi als Aston Martin DB9 weiterlebt, mit 20 PS mehr und einer etwas höher gezogenen Spoilerkante am Heck. Vielleicht hatte der Virage schlicht den falschen Namen. Zu abgehoben Mit sechs Jahren Produktionszeit von 2003 bis 2009 zwar deutlich länger hergestellt, verlor auch der einst mit Spannung erwartete Mercedes SLR McLaren schnell an Popularität. Obwohl der edle Supersportler mit den Schmetterlingstüren technisch und optisch ein Extrem war, mit der stilisierten Formel-1-Nase an die prestigeträchtige Kooperation mit dem Rennstall McLaren erinnertet und mit grossem Brimborium präsentiert wurde, blieb der erwartete Absatz aus. Für Sammler war der 626 PS starke Supersportler mit einer ursprünglich angedachten Menge von 3500 Stück vielleicht schon zu nah an der Massenware. Für normale Sportwagenenthusiasten war er schlicht zu hochpreisig. Zudem musste sich der SLR mit seinem 5,4-Liter-V8-Kompressor in Sachen Topspeed zuweilen vom etwa halb so teuren und nominell schwächeren Markenkollegen SL 65 AMG geschlagen geben, wenn dessen V12-Biturbo nicht elektronisch in die Schranken gewiesen wurde. So etwas kommt gar nicht gut an. Am Ende kann man sich – die finanzielle Lässigkeit vorausgesetzt – einen SLR McLaren heute noch als Neuwagen zulegen. ­Obwohl der deutsch-englische Rennkeil zweifelsfrei exklusiver ist als ein deutlich günstigerer Mercedes SLS AMG, wird er dessen Popularität wohl nicht mehr übertreffen. Als Trostpreis bleibt ihm das edlere Prestige. Edles Prestige und ein grosser Name als Trostpreis bleiben auch einem weiteren Luxusliner des Stuttgarter Autokonzerns. Ebenfalls mit geschürter Spannung und gross inszeniertem Auftritt präsentiert, gelang dem Maybach nie der erhoffte Erfolg. Mit der milliardenschweren Wiederbelebung des Namens wollte Daimler eine exklusive Eigenmarke schaffen, um Antworten auf Rolls-Royce und Bentley zu haben, die von BMW und VW übernommen wurden und von denen daher mit neuen Modellen zu rechnen war. Das Ziel: einen Luxusliner deutlich oberhalb der S-Klasse zu etablieren, um den traditionsreichen englischen Marken auf Augenhöhe begegnen zu können. Mal abgesehen von gewagten Marktprognosen, vereitelten dem aussergewöhnlich luxuriösen Maybach sicherlich ein optisch zu geringer Abstand zur S-Klasse sowie seine oft als veraltet bezeichnete technische Basis den erwünschten Erfolg. Die Folge: Wenn man heute über Luxuslimousinen der Extraklasse diskutiert, reicht Englisch aus. Zu exklusiv Obwohl der BMW Z8 sogar die begehrte Rolle als Bond-Car in dem 007-Abenteuer «Die Welt ist nicht genug» bekam, wurde aus dem bayrischen Roadster nie ein populärer Typ, wie es etwa der Mercedes SL war und ist. Ein weiterer stilistischer Meilenstein der Automobilgeschichte, von dem man damals wie heute kaum Notiz genommen hat. Von 2000 bis 2003 immerhin drei Jahre lang produziert, war der 400 PS starke Zweisitzer mit Fünfliter-V8-Motor seinerzeit der teuerste BMW und schaffte es auf mehr als 5000 Exemplare, die zu allem Überfluss per Hand zusammengebaut und mit nur einer Ausstattungsoption angeboten wurden: der Vollausstattung. Heute noch ist das Design aus der Feder Henrik Fiskers wunderschön anzuschauen, doch die Popularität des Z8 erscheint im Nachhinein so kurz wie sein Auftritt als Bond-Car. Schon nach wenigen Metern auf der Leinwand wird er von riesigen Sägeblättern in zwei Teile geschnitten. Auf eine lange Entwicklungs- und kurze Produktionszeit blickt der exklusive Lexus LFA. Der Elitesportler wurde von 2010 bis 2012 nur 500-mal gebaut – Absatzprobleme hatte die japanische Luxusmarke mit dem 560 PS starken Frontmittelmotor-Renner nicht, trotz des fantastischen Kaufpreises ab 375?000 Euro. Doch obwohl der bis 9000 Touren hochdrehende 4,8-Liter-V10-Saugmotor samt komplett variabler Ventilsteuerung ein aussergewöhnliches Konzept bietet und sowohl technisch als auch auf der Nordschleife ein fulminantes Feuerwerk abfackelt, wird er nur in seltenen Fällen im gleichen Atemzug mit den Vertretern seiner Zunft aus Europa genannt. Dabei wäre er für Lexus doch ein selbstredendes und ansehnliches Aushängeschild der Marke für Hightech und Performance der Extraklasse.

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