Seemer Dorfet

Verliebt, verlobt, verabredet an der Dorfet

Wenn die Zuckerwatte für zwei reicht und am Schiessstand Männer ihre Angebeteten beeindrucken wollen: Eine Dorfet, wie sie am Wochenende in Seen stattfand, ist auch ein Ort der Liebe. Mit frisch verliebten, lang verheirateten und enttäuschten Paaren.

Neben altbekannten Ständen traf man an der Seemer Dorfet auch auf viele Paare. Manche sind zum ersten Mal da, andere kommen seit vielen Jahren.

Neben altbekannten Ständen traf man an der Seemer Dorfet auch auf viele Paare. Manche sind zum ersten Mal da, andere kommen seit vielen Jahren. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Sonne steht tief, der Brunnen, auf dem die beiden sitzen, plätschert im Hintergrund, über ihnen blühen die Sonnenblumen und Geranien. Sie ist Italienerin, einen Kopf kleiner als er und will erst lieber nicht aufs Foto. «Dobbiamo veramente farlo?», redet sie auf ihn ein, müssen wir das wirklich tun? Er ist hier aufgewachsen, winkt seine Familie ein paar Schritte weiter zu sich und ist ebenfalls skeptisch. Am Ende heisst es aber doch: Che bello! Wie ein Hochzeitsbild. Zwei Jahre sind die beiden jetzt verheiratet, erzählt er. «An die Dorfet kommen wir jedes Jahr.»

Es ist Freitagabend und die 24. Seemer Dorfet hat begonnen, dieses Jahr unter dem Motto «Es fäscht für alli». Grosses «Hallo!» und «Wieder hier?» bei den Besuchern und Ständen. Wieder hier sind die Lotti-Spiesse von der Metzgerei Lotti, die Jugendriege TV Seen oder der Rock’n’Roll Tanzclub Damo. Daneben Magenbrot, Kinderkarussell, Büchsenwerfen – alles beim Alten.

Pärchen in allen Variationen und Kombinationen

Das Publikum: Eltern mit Kinderwägen, Teenies in kompakten Grüppchen, durch die es sich beim Kreuzen durchzukämpfen gilt und: Pärchen. Ineinander verschränkte Hände, Arme, Körper. Pärchen in allen Variationen und Kombinationen.

Da wäre das Rockerpärchen, beide gegen die 50. Er mit Biker-Kopftuch und Rosentattoo, sie mit Bauchtasche und Sonnenbrille. Sie sitzen in einem Imbisszelt. «Enttäuschend», sagt sie. «Dieses Jahr fehlen fast die Hälfte der Essensstände, achten Sie einmal darauf.» Dann bestellen sie Bratwurst und Büürli. Später am Abend tönt aus einem Zelt ein paar Meter weiter Tina Turners «Rock me Baby», gespielt von den «Purple Lights». Die Augen wandern automatisch über das Publikum, auf der Suche nach dem Rockerpärchen. Ohne Erfolg.

«Ein junger Mann hat seiner Freundin ein Plüschtier in Form des Kothaufen-Emojis geschossen.»

Standbetreiber Schiessstand

Weiter zum Schiessstand, vorbei an einem Pärchen im Matrosenlook und mit einem Blick auf den Chnoblistand. Frisch Verliebte dürfte man hier vergebens suchen. Beim Schiessstand fällt der Blick auf den Riesenteddybären. Mindestens 160 Franken kostet der, sagt der Standbetreiber. «Dann muss aber jeder Schuss sitzen.» Es gebe immer wieder solche, die diesen kaufen würden, beteuert er, erzählt aber doch lieber eine andere Geschichte: «Ein junger Mann hat seiner Freundin ein Plüschtier in Form des Kothaufen-Emojis geschossen», erinnert er sich. «Ich glaube, sie hatte nicht wirklich Freude daran.»

Beziehungskrise im Spiegelabyrinth

Wenn man mal darauf achtet, sieht man Pärchen-Hotspots an jeder Ecke. Die Zuckerwatte reicht für zwei, auf den Luftballons steht «Together forever» und beim Stand des CrossFit Seen scheint der ein oder andere Junge seinen heimlichen Schwarm beeindrucken zu wollen. Nur das Spiegellabyrinth spielt nicht mit. Hier versucht ein Junge vor der Scheibe, dem Mädchen hinter der Scheibe den richtigen Weg zu weisen. Sie scheint den Tränen nah und wirft immer wieder verzweifelt die Hände in die Luft. «Jetzt links, nein liiiiinks!!» ruft er ihr zu. Vergeblich.

An einer anderen Ecke geht es friedlicher zu und her. Mit einem Soft-Ice in der Hand schlendert ein altes Ehepaar umher. «Wir sind seit 51 Jahren verheiratet und seit es die Dorfet gibt zusammen hier.» Wieso? «Ja wir wohnen doch hier», sagt sie.

Die letzte Szene, die in Erinnerung bleibt: Ein Junge und ein Mädchen nebeneinander im Feuerwehrwagen des Karussells. Das wäre doch eine Geschichte für die Enkelkinder: Es war einmal, da sass ich neben eurer Grossmutter im Kinderkarussel der Seemer Dorfet...

Erstellt: 01.09.2019, 15:51 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!