Wiesendangen

Verlocht für eine kleine Ewigkeit

Viel Papier und gute Wünsche stecken in der Box aus Kupfer, die Schüler, Lehrpersonen und Behörden gestern in den Kies unter das Schulhaus Dorf gelegt haben.

Das ganze Schulhaus ist dabei, als die Kupferbox mit ihren Schätzen für die Zukunft vergraben wird.

Das ganze Schulhaus ist dabei, als die Kupferbox mit ihren Schätzen für die Zukunft vergraben wird. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Hausbau kann dauern. Schon kurz nach der Jahrtausendwende hätten die Planungen für das Schulhaus Dorf 2 begonnen, erzählte Schulpfleger Stefan Peter. Die Ansprüche an den Bau und die Vorstellung vom Betrieb darin änderten seither mehrfach. Es dauerte darum, bevor gestern mit einer sogenannten Zeitkapsel der Grundstein für das Sekundarschulhaus gelegt werden konnte.In die danach vernietete und verlötete Kupferbox hatte Schulleiter Michael Weber je ein Exemplar des «Wisidanger» und «Landbote» gelegt. Dazu Kopien mit Fotos aller Schülerinnen und Schüler sowie ein Buch mit deren Briefen an die Zukunft und den zugehörigen Wünschen. Ein gutes Leben wünschen sie für sich, eine gelungene Berufswahl oder direkt eine Million. Ihren Kollegen der Zukunft wünschen sie viel Glück, dass US-Präsident Donald Trump keine gröberen Fehler macht – oder eben gemacht hat, es ist ja dann Zukunft – und dieses: «Ich wünsche mir, dass euer WLAN besser ist als unseres».

Jeder Neubau wird Altbau

Ob die Ausgräber dereinst noch wissen, was ein drahtloses lokales Netzwerk (WLAN) ist und ob die Zeitkapsel überhaupt jemals wieder ausgegraben wird, ist offen. Es stimmt aber wohl die Aussage von Schulpfleger Peter, dass der Inhalt der Box in tausend Jahren als Sensation im Museum ausgestellt würde. Wahrscheinlicher jedoch ist es, dass der Schulhausneubau schon viel früher wieder als Altbau gilt und abgerissen wird. Seit 1893 nämlich baut Wiesendangen alle 30 bis 50 Jahre ein neues Schulhaus oder ersetzt zumindest eines. Über der Baugrube, in der die Kapsel verlocht wurde, stand bis vor Kurzem eine 88-jährige Turnhalle.

Im Neubau entstehen zwei Klassenzimmer, zwei Atelierräume für selbstständiges Lernen, das in Wiesendangen hohen Stellenwert geniesst, und ein grosser Mehrzweckraum. Der Platz im Neubau soll bis 2030 reichen, wenn die Schule laut Prognose sechs Klassen mehr zählen wird. Schon dannzumal dürfte sich kaum jemand an die Box unter den Füssen erinnern. Wobei – der Bauführer hat sich da was überlegt.

Unter viel, viel Beton

Niclas Stocker wird den Neubau der Winterthurer Architekten Graf Biscioni mit Mitarbeitern der Firma Landolt aus Kleinandelfingen bis im Sommer 2018 fertigstellen. Unterstützt von Eisenlegern, Maurern und anderen Bau­«Akkördlern». Die Grube für die Kupferbox hat Stocker unter der Schulküche ausheben lassen. «So weiss man, wo sie ist, auch wenn viel Beton darüber liegt», sagt er. Und die Wiesendanger Schülerinnen und Schüler können ein wenig über die Zeit sinnieren, während sie auf das Kochen des Wassers warten. (Der Landbote)

Erstellt: 16.05.2017, 19:12 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare