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Verschnaufpause für helfende Angehörige

Sie pflegen ihre kranke Mutter, ihren schwächer werdenden Partner: Einmal wöchentlich sollen sie entlastet werden. So will es ein Antrag des Brüttemer Gemeinderates.

Es ist der Wunsch vieler Menschen, so lange als möglich in ihrer vertrauten Umgebung zu leben. Um diesen Wunsch zu erfüllen, pflegen viele ihre Liebsten über Jahre hinweg neben dem Alltag, der Arbeit, dem Haushalt. «Ambulant vor stationär» heisst denn auch der Grundsatz im neuen kantonalen Gesetz zur Pflegefinanzierung. Die Gemeinden stehen in der Pflicht, die Pflege für betagte und kranke Einwohner sicherzustellen. In Brütten hat sich eine Arbeitsgruppe in der Bevölkerung umgehört und ist zum Schluss gekommen: Es braucht mehr Unterstützung für jene, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. «Die Idee, einen Entlastungsdienst anzubieten, kam aus der Bevölkerung», sagt Erika Schäpper, Sozialvorsteherin der Gemeinde Brütten. Begegnungen ermöglichen Eine Wohnung im Alpenblick 17 stand idealerweise leer, die früher als Spitex-Ambulatorium genutzt wurde. Hier soll in einer Pilotphase von 18 Monaten ab Januar 2015 einmal wöchentlich Raum für bis zu fünf pflegebedürftige Personen geschaffen werden. Dafür vorgesehen ist derzeit der Donnerstag. Zwei Pfleger sollen mit den Gästen den Tag verbringen, ihn individuell gestalten – spazieren, backen, spielen. So sieht es die Vorlage «Entlastungsdienst für pflegende Angehörige» vor, über die am 29. September an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung abgestimmt wird. Sie wurde mit der Spitex Bassersdorf-Nürendorf-Brütten erarbeitet. Angesprochen sind Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Gedächtnisstörungen. Dass die Angehörigen an einem Tag pro Woche entlastet werden und für ein paar Stunden die Verantwortung abgeben können, das soll nur eine der positiven Wirkungen sein. Auch Rückmeldungen der Betreuungspersonen können den Angehörigen Kraft geben. Ein weiterer Gewinn wären spätere Heimeintritte. Es würden jeweils Monatsverträge abgeschlossen, damit eine gewisse Regelmässigkeit für die Besucher der Tagesstätte eintritt. Als Alternative zum herkömmlichen Angebot der Spitex bietet ein solcher Fixpunkt ausserhalb der eigenen Wohnung Begegnungsmöglichkeiten und Abwechslung für die Betroffenen. Das Angebot wäre eine Erweiterung bereits bestehender Betreuungsmöglichkeiten: Neben der Spitex steht den Pflegebedürftigen auch die Tagesklinik des Alterszentrums im Geeren zur Verfügung, wobei der Weg nach Seuzach für Betroffene eine Hürde darstellt: «Gerade für Leute im Rollstuhl ist die Strecke ein wichtiges Thema», so Schäpper. Eine Gehdistanz würde ihnen Anfahrten und Tixi-Taxis ersparen. Krankenkasse nicht beteiligt Die Kosten sollen nicht durch die Krankenkassen gedeckt werden. Dies würde laut Schäpper einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten. Die Tagestaxen werden von den Betroffenen übernommen, sie belaufen sich auf 140 Franken. Für die Gemeinde entstehen einmalige Kosten von 25 500 Franken, hinzu kommen jährlich rund 23 000 Franken, je nach Auslastung mehr. Nach einem Jahr würde evaluiert, ob das Angebot auch wirklich ankommt und genutzt wird. Vorerst entscheidet die Gemeindeversammlung, ob die Einrichtung eine Chance verdient. Schäpper wagt noch keine Pro­gnose, auch die Parolen der Parteien stehen noch nicht fest. «Ich persönlich gehe von einem positiven Resultat aus», sagt FDP-Präsident Martin Kuhn. «Es geht schliesslich um eine Abklärung, um ein Pilotprojekt.»

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