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Verstärkung für die Helden in Weiss

Spezialisierte Pflegefachpersonen sollen eine kostengünstige Behandlung ermöglichen und Ärzte unterstützen. Über Vor- und Nachteile dieses Modells sprachen am Freitag Fachleute an einem Symposium der ZHAW.

Der Gesundheitssektor befindet sich im Umbruch. Explodierende Kosten, die steigende Lebenserwartung und der rasante technologische Fortschritt stellen die Branche vor Herausforderungen. Um eine effiziente Versorgung aufrechtzuerhalten, setzen Fachhochschulen wie die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) auf die Ausbildung von «Advanced Practice Nurses» (siehe den nebenstehenden Kasten). Kann dieses Modell die Probleme im Gesundheits­wesen auffangen? Das diskutierten Fachleute aus Holland, den USA und der Schweiz am Freitag an einem Symposium am Departement Gesundheit der ZHAW. «Effizient und kostensparend» «Es ist nicht so, dass jetzt Pflegefachleute plötzlich Ärzte spielen», stellte Petrie Roodbol in ihrem Referat klar. Die Professorin für Pflege an der Universität im niederländischen Groningen berichtete über die Erfahrungen mit APNs in den Niederlanden. Dort leitet sie seit 1997 die Ausbildung. Die Entwicklung zeige, dass der Einsatz von solchen Pflege­expertinnen effizient und kostensparend sei. Patienten würden teilweise gar nicht mehr merken, dass sie von einer Pflegerin und nicht von einem Arzt behandelt werden. Laut Roodbol sind die Erkenntnisse durchaus über­tragbar auf die Schweiz, da das Gesundheitssystem und die ­Bevölkerungsstruktur sehr ähnlich sind. Spezialisierung weckt Ängste Dass Pflegefachleute durch eine höhere Ausbildung mehr Kompetenzen erhalten, stellt aber auch die Deutungshoheit der Ärzteschaft in Frage. «Es gibt teilweise Ärzte, die APNs als Konkurrenz betrachten und somit einen Machtverlust fürchten», sagt Romy Mahrer, Studiengangleiterin Pflege an der ZHAW. Dieses Spannungs­verhältnis wurde auch am anschliessenden Podium mit Vertretern aus der Praxis debattiert. Elsbeth Müller-Kägi, Pflegeexpertin am Kinderspital Zürich, erlebt diesen Kampf um Kompetenzen in ihrer täglichen Arbeit: «Dass man sich durch ein Studium als Pflegerin auf Augenhöhe mit den Ärzten befindet, passt nicht allen und weckt Ängste.» Der Präsident der Ärztever­bindung FMH, Jürg Schlup, verfolgte die Diskussion im Publikum. Auf den Angriff reagierte er diplomatisch: «Diese Probleme kann ich mir zwar gut vorstellen», so Schlup, «da in der Schweiz die Hierarchien jedoch eher flach sind, sollte die Zusammenarbeit problemlos möglich sein.» Der Einsatz von APNs könne denn auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Ärztemangel zu lindern. Auf diese ärztliche Diagnose reagierten die Pflegefachleute am Podium empfindlich. Lukas Weibel, Verantwortlicher Pflege am Universitätsspital ­Basel, betonte: «Es ist nicht un­sere Aufgabe, den Ärztemangel zu kompensieren, da sich auch in absehbarer Zeit der Personalmangel in der Pflege verschärfen wird.» Studie zeigt: Behandlungskosten sinken In einem waren sich Ärzte und Pflegefachleute aber einig: Die verstärkte Zusammenarbeit wird in Zukunft unausweichlich sein. Beflügelt von den Erfahrungen im Ausland, drängen nun die Ausbildungsstätten darauf, den Beruf der APNs auch auf Bundesebene anzuerkennen. Für Studiengangleiterin Mahrer ist klar warum: Gemäss einer ZHAW-Studie sinken die Behandlungskosten durch den Einsatz von APNs signifikant. So gab es in der Gruppe der über 80-Jährigen, die von Pflege­expertinnen betreut wurden, 30 Prozent weniger ­gesundheitliche Zwischenfälle. Mahrer ist überzeugt, dass dieses Modell der integrierten Versorgung, in dem Ärzte und Pflegefachleute enger zusammenarbeiten, Zukunft hat. In Winterthur ist das bereits teilweise Realität. In einem Pilotprojekt sollen im Ärztenetz Wintimed APNs während knapp dreier Jahre zum Einsatz kommen. Pascal Michel

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