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Verteidiger fordern Berishas Teilfreispruch

Hasan Berisha sei in zentralen Anklagepunkten unschuldig, sagten gestern die beiden Verteidiger des Pistolenschützen von Töss. Sie plädierten länger als drei Stunden und warfen der Staatsanwältin vor, ihre Anklage sei konstruiert.

Staatsanwältin Silvia Steiner liess keine Zweifel offen: Hasan Beri­sha hatte an jenem 3. April 2012 beim Schusswechsel mitten in Töss seinen Kontrahenten töten wollen. Klar ist für die Anklage auch: Er hatte seine Serviertochter aus Bosnien für bloss 1400 Franken im Monat für sich arbeiten lassen, er war der Chef in der Bar, der ihren Drogenhandel kontrollierte, und er missbrauchte seine frühere Geliebte mehrfach. Eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren forderte die Anklage. Die beiden Verteidiger Beri­shas zeichneten ein komplett anderes Bild. Einer der Anwälte mutmasste gar, die Anklage sei wohl deshalb so scharf ausgefallen, weil Be­risha Kosovare und der Bruder des Mörders von Dübendorf sei. Grobe Fehler und unredlich Einer der Anwälte versuchte, ausführlich darzulegen, dass Beri­sha nicht vorsätzlich seinen Gegner habe töten wollen. Die Anklage sei viel zu ungenau, ebenso die vorgängige forensische Untersuchung. «Da passierten gröbste Feh­ler», sagte er, und die Skizze, die den Schusswechsel dokumentiert, sei «ein Konstrukt, reine Spe­ku­lation, nicht redlich». Und er wies darauf hin, in welchem psychischen Ausnahmezustand Be­ri­sha damals war, als er und sein Sohn im Schussfeld standen. «Das war Panik, Todesangst um sich und noch mehr um den Sohn, da ist jede Rationalität weggeblasen.» Folglich könne auch kein Vorsatz vorliegen, eher Notwehr. Der andere Verteidiger zog insbesondere die Aussagen von Berishas früherer Geliebten und Angestellten in Zweifel, die bereits ver­ur­teilt und für zehn Jahre des Landes verwiesen ist. Er nannte ihre Aussagen ein «Lügengebilde», mit dem sie sich selbst bes­ser habe positionieren wollen. Zweifellos habe sie den Drogenhandel betrieben und daran verdient, nicht Be­ri­sha. Zudem könne aufgrund der sehr geringen Heroinkonzentration kaum von Betäubungsmitteln gesprochen werden. Und die sexuellen Kontakte hätten zudem stets im Einvernehmen stattgefunden, das würden alle SMS und Telefonate zeigen. Sohn und Freunde hörten mit Kurz: Berisha habe zwar geduldet, dass in seiner Bar gedealt wurde, er selber sei daran aber nicht beteiligt gewesen. Das hatte dieser auch in der Befragung so dargestellt. Er war mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden, wo stets zwei bewaffnete Polizisten aufpassten. Auf den Zuschauerplätzen sassen acht Landsleute Berishas, darunter sein Sohn. Die Männer umarmten und klopften sich auf den Rücken. Nach acht Stunden Verhandlung ging Be­ri­sha in Handschellen zurück ins Gefängnis. Seine Anwälte hatten zuvor darum ersucht, ihn nach zwei Jahren U-Haft zu ent­las­sen, und sie hatten für eine Strafe zwischen bloss 15 Monaten und drei Jahren plädiert. Gerichtspräsident Bernhard Sager hatte für die Verhandlung einen Dolmetscher aufgeboten, der allerdings untätig blieb. Auf Wunsch von Berisha gab er selber auf Deutsch Auskunft. Er sprach viel und geräuschvoll, oft bevor Sager seine Fragen stellte. mgm

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