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Via Wüste nach Winterthur

Belgrad, Skopje, Dubai, Al-Ain, Winterthur – über internationale Erfahrung kann sich Milan Corovic, Pfadis Spielmacher, nicht beklagen. Heute in der Eulachhalle folgt die nächste: im EHF-Cup gegen Nis aus seiner Heimat Serbien.

«In Belgrad», sagt Milan Corovic, habe man als Handballer «kein Geld und keine Zukunft». Deshalb zog es auch ihn früh ins Ausland. Der Sport führte ihn nun aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Pfadi, wo schon zwei seiner einstigen Teamkollegen von Roter Stern Belgrad gelandet waren: Nikola Manojlovic kam im Februar 2005 nach Winterthur und zog eine halbe Saison später zum Bundesligisten Göppingen weiter. Goran Cvetkovic stiess im Sommer 2005 zu Pfadi und kehrte nach einem längeren Abstecher beim BSV Bern im Sommer 2013 nach Winterthur zurück. Via Cvetkovic lief im Mai dieses Jahres der erste Kontakt, der dann mit einem Zweijahresvertrag endete. «Goran hat mir gesagt, dass Pfadi einen Spieler für die Rückraummitte brauche, und erzählte mir alles Gute über die Mannschaft», erinnert sich Corovic, für den Pfadi ein Begriff war: «Einer der bekanntesten Namen im europäischen Handball», wie er sagt. Corovic, 1,93 m gross und 100 Kilo schwer, reiste zu Tests nach Winterthur, überzeugte schnell und passte, anders als etwa Kadettens Damir Doborac, ins Profil von Pfadi: spielerisch gut, in der Abwehr einsetzbar, des Deutschen mächtig, finanzierbar und willig, ins Berufsleben einzusteigen. «Wir haben bald gemerkt, dass wir wahrscheinlich keinen Besseren als ihn finden werden», blickt Trainer Adrian Brüngger zurück. Gutes Geld in den Emiraten Metalurg Skopje, Gold-Club Kozina, Partizan Belgrad und Nimes waren weitere frühere Stationen gewesen. Bei Metalurg ging Corovic in die Geschichte ein als jener Handballer, der 2006 zwei Sekunden vor Schluss das entscheidende Tor im Derby gegen Vardar Skopje erzielte, das seinem Klub den ersten Meistertitel in Mazedonien einbrachte ... 2010 verschlug es den 21-fachen serbischen Nationalspieler in die Wüste und die reiche Welt der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach vier Jahren in Dubai und Al-Ain, wo er «gutes Geld» verdient und mit seiner Familie «ein schönes Leben» gehabt habe, wurde anderes wichtig: «Ich musste an die Zeit nach dem Handball denken», erklärt der 30-Jährige, der sehr gut deutsch spricht und in Serbien im Bereich Versicherungen studiert hat. Der Einstieg in einen Beruf sei hierzulande viel besser möglich als in den Emiraten. «Irgendetwas Einfaches in einem Büro» stellt er sich für den Beginn vor. Zudem will er sich weiterbilden lassen. «Die Schweiz ist eine perfekte Lösung für mich», meint er. «Die richtige Wahl» Seit zwei Monaten lebt Milan Corovic in Winterthur. «Es gefällt mir sehr gut», sagt er. In zehn Tagen reisen seine schwangere Frau und die dreieinhalbjährige Tochter aus Belgrad nach. Es passt ihm auch im neuen Team, während sein Trainer Adrian Brüngger sagt: «Wir haben mit ihm die richtige Wahl getroffen.» An seinem missglückten Debüt bei Pfadis Niederlage im Supercup in Arosa gegen die Kadetten war Corovic wegen einer Verletzung an der Wurfschulter «nur zu sechzig Prozent» fit. Man gewährte ihm anschliessend eine Pause; seither gehts besser. «Ein guter Handballer. Er hat noch mehr Potenzial, als er bisher gezeigt hat. Aber die Entwicklung stimmt», betont Brüngger. Und in der aktuellen Personallage «sind wir natürlich sehr froh um ihn», ergänzt der Trainer. Die zentralen Verteidiger Michal Svajlen und Dino Bajram fehlen verletzt, ebenso Cvetkovic, Cédrie Tynowski und Michael Meier, dazu die Torhüter Simon Kindle und Patrick Murbach. Pfadi wird heute (ab 18 Uhr) in der Eulachhalle im Hinspiel der zweiten EHF-Cup-Runde gegen Zeleznicar Nis wohl erneut nur zwei Torhüter und acht Feldspieler aufbieten. «Ich glaube, wir sind besser», vergleicht Corovic die beiden Europacupgegner. «Doch wir haben Probleme», spricht er Pfadis Absenzen an. So wird Corovic heute eine tragende Rolle nicht nur als Regisseur, sondern auch in der Verteidigung erhalten. «Eigentlich greife ich ja lieber an», lächelt er. «Aber ich möchte auch in der Defensive gut spielen. Das ist bei Pfadi wichtig.» In den Emiraten, wo nur ein Auslandprofi pro Team erlaubt ist, zählte allein die Offensive: «Dort erwartete man von mir, dass ich pro Spiel mindestens zehn Tore schiesse.» Dreimal Champions League International hat Corovic viel erlebt. Bereits 2004 trat er, wie Cvetkovic und Manojlovic, mit Stammklub Roter Stern Belgrad in der Champions League an. 2006 und 2013 folgten in dieser höchsten Klasse Einsätze mit Metalurg Skopje. 2013 half er, in den Emiraten unter Vertrag stehend, für gut zwei Monate beim mazedonischen Topklub aus und bestritt in der Champions League zwei Partien – gegen den alten Rivalen Vardar Skopje. Zu den Metalurg-Teamkollegen gehörte der russische Top-Spielmacher Pawel Atman, Trainer war Lino Cervar, der nahezu legendäre Weltmeister- und Olympiasiegercoach der Kroaten. «Er ist gut», sagt Corovic über Cervar. «Er hat ja alles gewonnen, er muss gut sein ...» Neu dagegen ist, dass er auf internationaler Ebene zum ersten Mal gegen einen Klub aus seiner Heimat antritt. Er freut sich dar­auf und auf die Reise am kommenden Wochenende nach Serbien. «Das wird auf jeden Fall interessant», meint Corovic, der Belgrader. «Die Leute in Nis lieben Handball.» Urs Stanger

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