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Viagra-Hersteller macht schlapp

London. Pfizer gibt seinen Kampf um den britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca auf. Die Verhandlungen scheitern nicht nur an den höheren Preisvorstellungen von AstraZeneca, sondern auch an Pfizers Ruf als Arbeitsplatzvernichter.

Der Traum vom weltgrössten Pharmakonzern ist für Pfizer vorerst ausgeträumt. Mehr als hundert Milliarden Dollar wollte der US-Pharmagigant für AstraZeneca mit Sitz in London bezahlen. Den Europäern war das zu wenig, Pfizer hielt das Gebot für angemessen. Die siebenmonatigen, zähen Verhandlungen wurden am späten Montagabend abgebrochen. Zum Versuch einer feindlichen Übernahme konnte man sich in New York nicht entschliessen. Nach britischem Recht darf Pfizer frühestens in einem halben Jahr von sich aus ein neues Übernahme- oder Fusionsangebot vorlegen.

119 Milliarden sind zu wenig

Das AstraZeneca-Management wies das Pfizer-Angebot vergangene Woche zurück. Das war inzwischen auf 119 Milliarden Dollar (106,5 Milliarden Franken) geklettert. Pfizer-Chef Ian Reid sagte: «Wir glauben nach wie vor, dass unser letztes Angebot überzeugend war und auf Basis der uns vorliegenden Informationen dem vollen Wert von AstraZeneca entsprach.» Die beiden Firmen wären zusammen ein hoch wettbewerbsfähiges Unternehmen im sich rasch entwickelnden Pharmamarkt gewesen. Pfizers weltweite Erfolgsmarke Viagra und das cholesterinsenkende Liptor wären in die Fusion eingebracht worden.

AstraZeneca hob dagegen seine Chancen als unabhängiges Unternehmen hervor. Der Verwaltungsratsvorsitzende des britisch-schwedischen Konzerns, Leif Johansson, zeigte sich sogar erfreut über das Ende der Verhandlungen mit Pfizer: «Wir begrüssen die Chance, auf der Dynamik weiter aufzubauen, die wir als unabhängiges Unternehmen gezeigt haben.» Astra Zeneca werde auch ohne Fusion in den nächsten Jahren seinen Umsatz deutlich steigern. Geschäftsführer Pascal Soriot sprach von 75 Prozent in den nächsten zehn Jahren. AstraZeneca soll vielversprechende Mittel gegen Krebs entwickelt haben. Unter deutlichem Hinweis auf die Befürchtungen, Pfizer hätte die Forschung in Grossbritannien zurückfahren wollen, sagte Johansson: «AstraZeneca hat eine innovative Kultur, bei der die Wissenschaft im Herzen all dessen steht, was wir tun.»

Pfizers Verhalten beim Kauf anderer Firmen war einer der Stolpersteine auf dem Weg zur Fusion. In London fürchtete man, die Amerikaner würden einen guten Teil der derzeit weltweit 51 000 Angestellten AstraZenecas in 16 Ländern entlassen. Vor allem machte man sich Sorgen um die in England ansässige Forschungsabteilung. Britische Politiker sprachen sich in Fernsehinterviews ganz offen gegen eine Zusammenlegung von Pfizer und AstraZeneca aus. Man müsse einen Abbau der Forschungseinrichtungen befürchten, hiess es. Auch die Höhe des amerikanischen Angebots schien in London nicht ausreichend.

Pfizer entgehen Steuervorteile

Die Gespräche waren Anfang des Jahres eingeleitet worden, stagnierten dann aber im Frühjahr. Für Pfizer, das auf Milliardengewinnen seiner Auslandstöchter sitzt, wäre die Fusion steuerlich von Vorteil gewesen. Man hätte den Sitz nach London verlagern können. Bringt man jetzt die Auslandsgewinne in die USA zurück, dann fallen dort hohe Steuern an. Ausserdem hatte man Kostensenkungen durch die Zusammenlegung erhofft.

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