Zum Hauptinhalt springen

Vibrieren in Öl, leuchten in Aquarell

Werner Hurter ist mit Malerei zu Gast im Atelier Alexander. In den Ölbildern verdichten sich die Gesten in Schwarz, Weiss und Grau. Im Aquarell leuchten die bunten Farben. Ein spannender Kontrast.

Alexander Breus Vernissagekarten zeigen stets ein schwarz-weisses Foto des jeweils ausstellenden Künstlers oder der Künstlerin. Die Aufnahmen sind zur eigenständigen Serie geworden und verdienten eigentlich längst, in einem Künstler-Panorama präsentiert zu werden.

Die jüngste Auflage gilt dem weit herum geschätzten 81-jährigen Winterthurer Maler Werner Hurter. Breu hat wie üblich den Künstler zweimal abgelichtet: Einmal betrachtet man ihn von hinten, wie er sich nach vorne gebeugt einem kleineren Bild zuwendet und die linke Hand auf den Rücken gelegt hat. Links und rechts von ihm hängen zwei eindrückliche Formate an der Atelierwand. In der zweiten Variante schaut Hurter den Betrachter an. Beides sind faszinierende Aufnahmen, nicht nur in formaler Hinsicht, sondern auch weil sie eine Si­tua­tion und einen Moment auf subtile Weise erfassen.

Man wird in den beiden Fotos mit einem Mann konfrontiert, dem die Spuren des Alters zwar anzusehen sind, man begegnet aber vor allem einem Künstler, dessen ungebrochene Vitalität sich in zwei grossen Bildern grandios zeigt.

Überraschend bunt

Und nicht zuletzt in der Darstellung von elementaren Beziehungen sind es auch zutiefst existenzielle Fotos geworden: Auf dem einen begegnet Hurter seinem eigenen Werk. Auf dem anderen schaut der Künstler einem Ge­gen­über ins Gesicht, den Kopf hat er leicht geneigt, bescheiden in der Haltung, fragend, ja vielleicht sogar appellierend in dem Sinne, dass der Künstler auf einen Betrachter hofft, dem seine Werke ebenfalls etwas bedeuten könnten.

Werner Hurter muss sich nicht mehr neu erfinden, um in seiner Malerei lebendig zu bleiben. Das zeigen die Arbeiten in der Ausstellung im Atelier Alexander eindrücklich. Lediglich die Aquarelle schlagen einen überraschend bunten Klang an; ansonsten sind es die Schwarz-, Grau- und Weisstöne, mit denen sich Hurter auf der Leinwand – wie immer – leidenschaftlich beschäftigt.

Die Beschränkung der Palette ist Herausforderung, müssen diesen «Farben» doch die feinen bis feinsten Nuancierungen und Grisaillen entlockt oder die kräftigen Hell-Dunkel-Kontraste spannungsvoll ausgelotet werden. Das ist die Aufgabe des Auges.

Die Hand, die den Pinsel führt, die Bewegung also, bestimmt indes den Eindruck ebenso vehement. Wo nötig dosiert sie das Temperament oder lässt sie fliessen oder gar tanzen. Im Schaufenster hängen, Rücken an Rücken, zwei Doppelbilder, wo Zonen zu einer leicht erfassbaren Komposition gefügt sind und sich die kräftige Gestik im Nass-in-Nass-Malen auslebt.

Im hinteren Kabinett begegnet man einer die Zeiten überspringenden Reminiszenz. Die dunklen wellenartigen Spuren, die sich zum «Wolkengebirge» auftürmen, sind ein intensives atmosphärisches und formales Echo auf die «Elbstücke» der späten 80er-Jahre.

Reiz der Landschaft

Diesem Doppelbild ge­gen­über wurden die Aquarelle gruppiert. «Eine Überraschung», sagt ein Vernissagebesucher anerkennend. Der Natur- oder Realitätsbezug ist in Werner Hurters weit gefächertem Werk nie abgerissen, doch diese Proben scheinen in ihrer expressiven Farbigkeit bemerkenswert neu. «Das Bergell hat mich inspiriert», sagt Hurter. «Diese Blätter kann ich der Stube malen und mich ein bisschen wie ein Freizeitmaler fühlen», gesteht der Künstler ziemlich tiefstapelnd oder so, als müsste er sich dafür entschuldigen, dass er dem Reiz des Landschaftsaquarells erlegen ist.

In locker fliessenden Streifen lässt er das farbige Licht über der angedeuteten Bergkulisse strahlen – hell zu Mittag, leise verlöschend gegen Abend. Beeindruckend die durchsichtige Flüchtigkeit des bunten Lichts im Aquarell und – im Kontrast dazu – die Herausforderung der reduzierten Palette in Öl, wo aus der Beschränkung heraus die Höhen der gestischen Malerei erklommen werden.

Werner Hurter

Malerei

Atelier Alexander, Wülflingerstrasse 258,

bis 21. Dezember. Am 14. Dezember wird ab 16 Uhr in Anwesenheit des Künstlers ein Apéro serviert.

Öffnungszeiten des Ateliers Alexander: Dienstag bis Freitag: 9 bis 11.50 Uhr und 14 bis 18.30 Uhr. Samstag: 9 bis 16 Uhr

www.atelieralexander.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch