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Viel Lob, Beifall und ein Jux

Der neue Sulzer-Präsident heisst Manfred Wennemer – die Aktionäre bescherten ihm ein Glanzresultat. Sein Vorgänger trat mit einem Scherz ab.

Es war ein Antritt, wie ihn sich Manfred Wennemer vorgestellt hatte: viele lobende Worte vom Rednerpult, ein herzlicher Applaus der Aktionäre und eine Wahl in den Verwaltungsrat mit 99,7 Prozent Zustimmung. Zuvor hatte sich der 65-jährige Deutsche den Aktionären persönlich vorgestellt – kurz und knackig, ganz so, wie dies vom ehemaligen Continental-Manager zu erwarten war. Wennemer gilt als grad­linig, direkt, bodenständig. Im Anschluss an die Generalversammlung wählte ihn der Verwaltungsrat wie angekündigt zum neuen Sulzer-Präsidenten.

Wennemer seinerseits pries seinen Vorgänger. Dass Sulzer so gut dastehe, sei auch das Verdienst von Jürgen Dormann: «Ich bin mir bewusst, dass ich grosse Schuhe zu füllen habe.» Dormann trat alters­halber nicht mehr an – er wird 73. Gewohnt launig führte er durch seine letzte Generalversammlung in der Eulachhalle, an der knapp 750 Aktionäre teilnahmen. «War das eine Meinungsäusserung oder nur ein Husten? – Ich glaube, ein Husten», bemerkte er einmal. Abgetreten ist Dormann mit einem Scherz: Verwaltungsrat Luciano Respini wolle «noch etwas zur politischen Si­tua­tion in Italien» anfügen, sagte er ganz am Schluss. Natürlich folgte aber eine Laudatio, in der Respini die «Disziplin, Höflichkeit und den fast schon französischen Esprit» des «German Gentleman» Dormann lobte.

Löhne kein Thema mehr

Anders als im letzten Jahr sorgten diesmal die Cheflöhne nicht für Gesprächsstoff. Wurden 2012 bei der Abstimmung über den Ver­gütungsbericht noch 22,9 Prozent Nein-Stimmen registriert, betrug die Zustimmung nun 98,4 Prozent. Dies mag daran liegen, dass kein «Sonderbonus» mehr ausbezahlt wurde wie vor Jahresfrist, als der scheidende Firmenchef Ton Büchner über zwei Millionen Franken extra erhielt. Sulzer habe aber auch das Lohnsystem grundlegend reformiert und sich so die Unterstützung der Anlagestiftung Ethos gesichert, erklärt Sprecher Thomas Gerlach. Das Geld aus einem langfristigen Anreizplan, das die Manager zusätzlich zu Fixlohn und Bonus erhalten, wird nicht mehr einfach nach einer gewissen Zeit ausbezahlt, sondern nur dann, wenn bestimmte Ziele erreicht wurden. Bislang war nur die Hälfte dieser Gelder von der Zielerreichung abhängig. Zudem wird nicht mehr der Kurs der Sulzer-Aktie isoliert betrachtet, sondern auf die Performance im Verhältnis zur Entwicklung anderer Titel geschaut. Dies soll verhindern, dass die Manager bei starker Konjunktur ohne eigenes Zutun viel Geld erhalten.

Auch die restlichen Traktanden passierten mit hoher Zustimmung. Eher tief lag der Ja-Anteil einzig bei der Frage, die zum Testen des Abstimmungssystems verwendet wurde: «Freuen Sie sich auf Ostern?» Hier gab es bemerkenswert viele Enthaltungen. Die amtierenden Verwaltungsräte wurden dagegen alle mit Ja-Anteilen von über 99 Prozent wiedergewählt. Die jährliche Wiederwahl der Verwaltungsräte hat der scheidende Präsident eingeführt. Auch beim allerletzten Traktandum setzte Dormann ein Zeichen für die «Good Corporate Governance», für die er sich in seiner Zeit bei Sulzer so starkgemacht hatte. Er beantragte den Wechsel der Revisionsstelle, weil es sinnvoll sei, dass regelmässig neue Spezialisten die Bücher überprüfen. Ganz nebenbei verlangt KPMG auch weniger Geld als PricewaterhouseCoopers.

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