Zum Hauptinhalt springen

Vier gewinnt

Die Londoner Band Bloc Party pendelt auf ihrem vierten Album «Four» zwischen sanfter und harter Rockmusik.

Das mehr als eine Million Mal verkaufte Debütalbum «Silent Alarm» (2005) war einfach zu perfekt mit seinen vor rauer Ener­gie­ zappelnden Hits wie «Banquet», «Like Eating Glass», «Little Thoughts», «Helicopter» oder «So Here We Are». Was danach kam, «A Weekend in the City» (2007) und «Intimacy» (2008), war entweder zu experimentell oder zu konzeptionell, zu elektronisch oder zu bombastisch – in jedem Fall kommerziell zu erfolglos. Bloc Party hatten ihr Scheitern vor Augen, Frontmann Kele Okereke kümmerte sich bereits um seine Solokarriere, Auflösungsgerüchte machten die Runde.

Das Ende ist vorerst vertagt, das Londoner Quartett will es noch einmal wissen. Anstatt wie zuletzt die Technik oder der Produzent rückt auf dem vierten Album die Band wieder in den Mittelpunkt. Folglich wurde «Four» auch in Vorabinterviews als «musikalisches Gespräch zwischen vier Menschen» beschrieben, im Proberaum entstanden und dem Bauch entsprungen, nicht dem Kopf oder dem Computer. Die Brit­rocker verlassen sich mehr auf die eigenen Stärken, auf den dynamischen Sound, die vertrackte Rhythmik, die schneidigen Gitarrenläufe und den glühend-quengeligen Gesang Okerekes zwischen Unbehagen und Wut. Auf das blosse Kopieren erfolgreicher Muster wird dabei klugerweise verzichtet. «Four» zieht seine Spannung aus dem respektvollen Nebeneinander von – die Begriffe mögen etwas schmerzen – ambitioniert vorgetragenem Indie-Softrock (ohne Schmuserei) und ambitioniert vorgetragenem Indie-Hardrock (ohne Muskelei). Entweder laut oder leise, aggressiv oder sanft, schreiend oder säuselnd, ein Dazwischen wird kaum zugelassen.

Konsequent

Das ist irgendwie konsequent und klingt im Ganzen dank eines präzisen, transparenten, organischen Sounds sehr passabel. «So He Begins to Lie» oder «Coliseum» leben von scharfkantigen Riffs mit Blues- und Metal-Einschlag, «Kettling» oder «Team A» von repetitiven Rhythmusstrukturen, «Octopus», «Day Four» oder «Truth» von unwiderstehlichen Hooklines. Kele Okerekes Texte passen sich dem Soft-Hard-Dualismus an, während er etwa den Refrain «My mind is open / And my body is yours / Show me the sign / Please» natürlich supersensitiv singt, kreischt er einen Refrain wie «We’re not good people / This is a warning» hitzig heraus.

Bloc Party haben mit ihrem neuen Album noch einmal die Kurve gekriegt. «Four» ist das Lebenszeichen einer Band, die noch längst nicht alles rausgelassen hat, was in ihr steckt. Okereke und seine Mitstreiter müssen nur wollen, dann klappt es auch mit der Band, denn die Musiker sind viel zu gut, als dass sie der überwiegend weniger begabten Konkurrenz freiwillig das Feld überlassen sollten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch