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Vier Jahre Haft für grabschenden Pfleger gefordert

Ein Pfleger des Zürcher Uni-Spitals soll Patientinnen im Aufwachraum an den Brüsten und im Intimbereich begrabscht haben. Dafür soll er vier Jahre hinter Gitter. Der Verteidiger spricht von Wahrnehmungsstörungen und fordert einen Freispruch.

Seit heute läuft der Prozess wegen mehrfacher Schändung vor dem Bezirksgerich Zürich. Laut Anklage hat sich ein heute 47-jähriger diplomierter Pflegefachmann des Universitätsspitals Zürich zwischen Mai 2008 und August 2011 an elf frisch operierten Patientinnen sexuell vergangen. Während die Staatsanwaltschaft für den nicht geständigen Familienvater neben einer vierjährigen Freiheitsstrafe ein fünfjähriges Berufsverbot forderte, verlangte die Verteidigung die sofortige Haftentlassung und ein vollumfänglicher Freispruch.Der Mann wurde bereits am 14. September 2011 von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Laut Anklageschrift schlug der Beschuldigte jeweils nach den Operationen in den so genannten Aufwachräumen zu. In insgesamt elf Fällen soll der Angeklagte Frauen mittleren Alters geschädigt haben. So soll er seine Opfer beim Erwachen aus der Vollnarkose gemäss Staatsanwaltschaft an den nackten Brüsten massiert oder im Intimbereich berührt haben. In anderen Fällen führte der Pfleger die Hände der Opfer zu seinen Genitalien. Aufgrund ihrer körperlichen und seelischen Verfassung nach der Operation wurden die Frauen von den Übergriffen völlig überrascht und konnten sich wegen Müdigkeit, Schwäche, Schmerzen oder Übelkeit nicht wehren.Der Beschuldigte bestritt heute vor Gericht alle Vorwürfe vehement: «Ich habe nur pflegende Handlungen vorgenommen und habe meine Arbeit professionell ausgeführt», erklärte er. Auf die richterliche Frage, weshalb ihn gleich elf Frauen unabhängig voneinander zu Unrecht belasten sollten, verwies er auf seine früheren Aussagen in der Untersuchung. Dort hatte er gezieltes Mobbing am Arbeitsplatz und eine Verschwörung geltend gemacht. Die Anklägerin lastete dem Beschuldigten eine unerhörte Unverfrorenheit sowie ein äusserst verwerfliches Verhalten an. Er habe seine berufliche Stellung und die Situation ausgenützt. «Die Frauen konnten sich nicht wehren und waren machtlos», sagte die zuständige Staatsanwältin. Die Opfer hätten allesamt echt Erlebtes zu Protokoll gegeben. Die Staatsanwältin zeigte auch auf, dass der Beschuldigte schon an seinem früheren Arbeitsplatz negativ aufgefallen sei. Insbesondere habe er nicht die nötige Distanz zu Patientinnen gewahrt.Die Staatsanwaltschaft fordert im vorliegenden Fall neben einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren auch ein fünfjähriges Berufsverbot. Der Verteidiger hingegen will einen vollumfänglichen Freispruch erreichen. Er führt die von den Geschädigten ausgeführten Schilderungen auf Wahrnehmungsstörungen oder Einbildungen zurück. Zudem seien die Frauen wegen ihres Wachzustandes durchaus in der Lage gewesen, sich zu wehren, so der Verteidiger. Das Gericht schenkte offenbar der Anklageschrift grösseren Glauben und lehnte die vom Verteidiger geforderte sofortige Haftentlassung ab. Weil der Anwalt des Beschuldigten elfstündiges Plädoyer in Aussicht stellte, wurde der Prozess auf morgen Mittwoch vertagt. Das Gericht wird sich für sein Urteil nach dem Schlusswort des Pflegers zurückziehen.

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