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Vier Monate Blasmusik schnuppern

Ein Projektkonzert soll zum Einstieg in den Musikverein Seen motivieren. Ohne dass man sich längerfristig binden muss. Wie nachhaltig aber ist ein solches Projekt?

Schnuppern und Probe spielen kann man bei allen Winterthurer Musikvereinen. Der Musikverein Seen probiert jetzt etwas Neues aus und lanciert als Experiment ein Projektkonzert. Damit soll der Eintritt in einen Musikverein leichter gemacht werden. Knappe vier Monate Vorbereitungszeit, ein Abschlusskonzert, und das alles ohne Verpflichtung für eine langfristige Mitgliedschaft: Dies sind, kurz zusammengefasst, die Ingredienzien für das Projektkonzert.

Von Pop bis Rock

Die Proben beginnen im Januar 2014, bei Bedarf werden die notwendigen Instrumente zur Verfügung gestellt. Die Idee tönt bestechend, ist sie aber auch nachhaltig? Das werde sich zeigen, sagt Marlies Castelberg. Sie spielt seit Jahren Klarinette beim Musikverein Seen und ist unter anderem für die Jungbläser verantwortlich. «Wir führen ein solches Projekt zum ersten Mal durch. Die Hemmschwelle zum Mit- machen soll tief gehalten werden.»

Bis Mitte April 2014 können interessierte Bläserinnen und Bläser sowie Perkussionistinnen und Perkussionisten im Orchester mitwirken. Sie erhalten während dieser vier Monate die Möglichkeit, ein komplettes Konzertprogramm einzustudieren und sich auf das Frühlingskonzert vom kommenden April vorzubereiten. Einstudiert und geprobt werden Musikstücke von Rock- und Poparrangements über traditionelle Blasmusikkompositionen bis hin zu Stücken aus Musical und Film.

Selbstverständlich hoffe man beim Musikverein Seen, dass einige Musikerinnen und Musiker dem Verein auch nach diesen vier Monaten weiterhin die Stange halten, sagt Castelberg. «Uns ist aber bewusst, dass es viele Leute gibt, die sich nur für eine absehbare Zeit engagieren wollen.» Und wenn das Ganze nicht klappt? Heisst es dann: ausser Spesen nichts gewesen?

Nein, findet Marlies Castelberg. «Wir möchten ja auch, dass man von unserem Musikverein spricht.» Wie andere Musikvereine haben auch die Seemer Musikantinnen und Musikanten Nachwuchsprobleme. «Wir können nicht abstreiten, dass uns ein paar zusätzliche Bläser in unseren Reihen guttun würden», sagt Castelberg. Gerade bei Jugendlichen gelte Blasmusik nicht gerade als das «coolste Hobby».

Durchaus Interesse

Auf der andern Seite zeigten die Schülerzahlen der Jugendmusikschule Winterthur und Umgebung, dass bei jungen Leuten durchaus Interesse an der Musik vorhanden ist. «Viele hören aber nach der Schule wegen der Lehre, des Militärs oder Studiums auf zu musizieren. Diese Leute wollen wir ansprechen und dazu motivieren, ihr Hobby wieder zu pflegen.»

Projektorchester seien in der Blasmusikszene schon seit längerer Zeit verbreitet, sagt Fridolin Gallati, Mitglied der Schulleitung am Konservatorium Winterthur. Er ist Blechbläserlehrer und ehemaliger Blasmusikdirigent. «Dass der Musikverein Seen mit dem Projektorchester Interessierten die Möglichkeit eines Proben- und Konzerterlebnisses ermöglichen und dabei neue Mitglieder gewinnen möchte, ist nachvollziehbar.»

Etwas kritisch beurteilt Gallati den Umstand, dass auch jemand mitwirken kann, der persönlich kein Instrument zur Verfügung hat. Da habe er seine Bedenken, erfordere das gemeinsame Musizieren doch ein gewisses Training und eine Grundkondition.

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