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Vögel gehen für Bauern auf Mäusejagd

Mäuse haben einen guten Winter hinter sich. Die Tiere vermehren sich im Weinland nun zu Hunderten und fressen die Wurzeln von Bäumen und Reben. Mäusebeobachter Rafael Gago spricht noch nicht von einer Plage, sagt aber: «Ihre Zahl nimmt zu.»

Diesen Frühling müssen viele Bauern auf Mäusejagd. Der lange Winter war ein Traum für die kleinen Tiere. Dass der Schnee auf vielen Feldern und Wiesen so lange liegen geblieben ist, hat ihnen das Leben erleichtert. Die Schneedecke sorgte dafür, dass der Boden nicht gefror, die Mäuse waren dar­un­ter geschützt vor ihren Feinden und konnten sich an den Wurzeln gütlich tun. Deshalb haben mehr Mäuse den Winter überlebt als in vergangenen Jahren, und sie vermehren sich nun zu Hunderten. Vor allem die Schermäuse (Bild) bereiten den Bauern Sorgen. Sie fressen mit Vorliebe die Wurzeln von Obstbäumen, Reben und Kräutern.

Winzer Hans Glesti aus Oberstammheim hat zwischen seinen Rebstöcken in den letzten Tagen einige Erdhaufen mehr entdeckt, die auf Mäuse hindeuten. «In letzter Zeit stellen wir fest, dass hier immer mehr von ihnen leben», sagt er. Noch hofft er, dass die Mäuse seinen Pflanzen nicht allzu sehr geschadet haben. Glesti wäre es am liebsten, wenn sich ihr Bestand von selbst reguliert. Falls nicht, könnte er sich vorstellen, Stangen für Greifvögel aufzustellen. Auf diesen sitzen Mäusebussarde, um zu beobachten und zu jagen.

Rafael Gago findet diese Massnahme sinnvoll. Als Mitarbeiter der nationalen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus führt er jedes Jahr Mäusezählungen durch (siehe Kasten). Dafür reist er im Frühling während einer Woche durch die Schweiz und zählt die Erdhaufen an 40 ausgewählten Standorten. Momentan ist er im sankt-gallischen Ricken unterwegs. Dort sind die Mäuse zur Plage geworden. «Sie haben auf den Feldern bereits so viel zerfressen, dass es zu massiven Ernteausfällen kommen wird», sagt Gago. So weit sei es im Weinland noch nicht. Falls die Bauern aber nichts tun würden, werde die Anzahl Mäuse dort ebenfalls stark wachsen. Er empfiehlt den Landwirten deshalb, gemeinsam gegen die Tiere vorzugehen. «Wenn nur ein Bauer Mäuse jagt, nützt das wenig. Für jede Maus, die er tötet, wandert eine aus dem Feld des Nachbarn ein.»

Ständig auf der Hut

Gago rät, den Mäusen Fallen zu stellen oder ihre natürlichen Feinde zu fördern, sie aber nicht zu vergiften. Zu den Feinden gehören nicht nur Milane und Mäusebussarde, sondern auch Füchse, Dachse und Schleiereulen. Laut der Vogelwarte in Sempach tötet ein Eulenpaar, das Junge aufzieht, gegen 3500 Mäuse in drei Monaten. Den Bauern nützt der grosse Hunger der Schleiereulen: Die Tiere nisten gerne in Scheunen, und man kann für sie Nistkästen einrichten.

Auch der Uhwieser Obstbauer Peter Eichenberger hält die Mäuse am liebsten mit Vögeln in Schach. Zwischen seinen Pflanzen stehen Greifvogelstangen. Eichenberger ist stets auf der Hut vor den Schermäusen, weil er weiss, wie verheerend eine Plage für seinen Betrieb wäre. «Wir überwachen unsere 14 Hektaren genau», sagt er deshalb.

Wann immer er oder einer seiner Mitarbeiter zwischen den Obstbäumen oder auf den Beerenfeldern zu tun hat, hält er beiläufig Ausschau nach Erdhaufen. Im Sommer mäht er das Gras zwischen den Bäumen stets sehr kurz, damit er den Überblick behält. Graben sich dennoch einige Mäuse unter seiner Erde durch, vergast sie Eichenberger. Das mache er zwar ungern, sagt er. «Aber es muss halt sein.»

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