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Volg-Dorfladen stellt Schüler raus

Der Volg im Dorf hat genug von Jugendlichen. Vor allem von den Oberstufenschülern, die fast täglich vor dem Laden sitzen oder in Gruppen durchs Geschäft ziehen. Regionalleiter Roger Bertschinger diktiert den Teenagern deshalb Verhaltensregeln.

In Elgg treffen sich Oberstufenschüler gerne vor dem Volg im Dorfkern. Sie schwatzen, kichern, setzen sich auf die breite Treppe vor dem Laden. Ab und zu geht eine grössere Gruppe hinein, ein Schüler kauft ein Getränk, eine Schülerin einen Kaugummi. Der Rest redet laut und steht in den engen Gängen des kleinen Geschäfts herum. Bis vor Kurzem waren diese Treffen um und im Volg eine wichtige Beschäftigung für die Jugendlichen, der sie vor und nach der Schule nachgingen. Doch das missfiel den Ladenchefs. Noch viel mehr ärgerten sie sich darüber, dass ab und zu etwas aus den Regalen verschwindet. Deshalb entschied sich Roger Bertschinger vor einigen Tagen, vor dem Volg ein Plakat aufzustellen. Dar­auf steht: «Ab sofort gilt: Schüler kommen nur noch einzeln und ohne Rucksack in den Laden!» Bertschinger ist Volgs Regionalleiter für die Kantone Thurgau und Schaffhausen und verantwortlich für 17 Filialen. Diese Tafel liess er schon vor anderen Läden aufstellen, zurzeit steht auch eine vor dem Volg im Thurgauer Wigoltingen. Befehlstafel provoziert Mit seiner Massnahme will Bertschinger Diebstähle eindämmen. Ohne Rucksäcke könnten die Schüler auch nichts darin verschwinden lassen. Bertschinger verfolgt aber noch eine andere Mission. Er will die Schüler erziehen: «Sie müssen lernen, wie sie sich in einem Laden zu benehmen haben.» Wenn nur einer etwas kaufe, müssten ihn nicht vier Kollegen begleiten und den anderen Kunden den Weg versperren. Ob es die Schüler sind, die stehlen, weiss er nicht genau. Zweimal hätte eine Verkäuferin sie beim Klauen erwischt, es gebe Videoaufnahmen. «Aber ich habe mein Personal nicht angestellt, um Detektiv zu spielen.» Aufpassen müssen die Verkäuferinnen nun trotzdem – und einstecken. Einige Schüler und Schülerinnen betreten das Geschäft nämlich weiterhin gemeinsam. Die Angestellten schicken dann jene wieder raus, die nichts kaufen wollen. Bertschinger hat damit gerechnet, dass sein neues Regime die Jugendlichen provoziert. Das hat er bereits in anderen Filialen erlebt. Doch die harschen Reaktionen aus Elgg haben ihn etwas überrascht. «Ein Jugendlicher beschimpfte eine Verkäuferin, stapfte raus und spuckte vor dem Geschäft auf den Boden.» Insgesamt seien die Schüler – und vor allem auch die Schülerinnen – seit dem Plakat frecher geworden. Dennoch hält Bertschinger vorläufig am Befehl fest. Er überlegt sich sogar, vor dem Laden einen Sicherheitsmann aufzustellen, Hausverbote auszusprechen oder die Polizei einzuschalten. Es gehe schliesslich darum, sein Personal zu schützen. Den Tarif durchgegeben Bertschinger hat weder die Oberstufe noch den Elgger Jugendarbeiter in seine Absichten eingeweiht. Sozialarbeiter Andreas Engelhard hat für die Massnahme des Dorfladens ein gewisses Verständnis: «Einige Gruppen von Jugendlichen lassen sich heute auch von Erwachsenen kaum noch etwas sagen.» Aber er hält es für heikel, dass der Volg alle Schüler unter Generalverdacht stellt. Engelhard hätte es lieber gesehen, wenn man vorher noch einen anderen Lösungsweg gesucht hätte. Er hätte zum Beispiel mit den «Alphatieren» unter den Jugendlichen das Gespräch suchen und ihnen erklären können, weshalb ihr Verhalten störe. Im Dorf wundern sich einige über den Volg. Viele Kundinnen äussern sich ge­gen­über den Verkäuferinnen. Sie wollen wissen, ob es denn wirklich so schlimm sei mit den Schülern. Auch Gabriela Messerli erkundigte sich. Die Besitzerin der Dorfpapeterie, in unmittelbarer Nähe des Volgs, geschäftet oft mit den Jugendlichen. «In meinem Laden benehmen sie sich anständig», sagt sie. Als sie die Papeterie vor einigen Jahren übernommen hat, gab sie den Jungen auch den Tarif durch – aber nicht mit einer Tafel: «Ich habe ihnen deutlich gesagt, dass ich hier die Chefin bin und keine Diebstähle dulde.»

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