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Volksschulamt widerspricht Schulleitern

Schulleiter sind überlastet. Dies behauptet deren Verband. Der Chef des Volksschulamtes relativiert. Dass in gut bezahlten Kaderjobs viel verlangt werde, sei normal.

Die überlasteten Schulleiter könnten ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen. Ihre Vorgesetzten, die Schulpräsidenten und Schulbehörden, interessierten sich nicht gross für das Problem. Wie misslich die Lage sei, zeige sich dar­an, dass man fast keine Schulleiter mehr finde und die Fluktuationsrate unter ihnen gross sei. Mit solchen Sätzen schildert der kantonale Verband der Schulleiter (VSLZH) die Si­tua­tion in seiner gestern verschickten Mitteilung. Seinen Befund stützt er auf Befragungen der Mitglieder.

Die Beteiligung daran war allerdings schwach, weshalb offen bleibt, ob die Ergebnisse die Realität der rund 700 Schulleiter im Kanton angemessen spiegeln. An der ersten Umfrage nahmen 42 Prozent oder 172 der im Verband organisieren Schulleiter teil. ­Später stellten aber nur 51 ihr Zeiterfassungstool für die Auswertung zur Verfügung.

Laut dieser leisten knapp die Hälfte der Befragten mehr als 100 Überstunden pro Jahr, ein Viertel bringt es ­sogar auf über 200. «Die Zahl der Mehrstunden nimmt in vielen Fällen ein gesundheitsgefährdendes Ausmass an», schreibt der Verband. Zudem verfalle ein grosser Teil der Überzeit, weil diese nicht ins Folgejahr transferiert werden könne. Weiter kritisiert der Verband, die vorgesetzten Schulpräsidenten nähmen die Überlastung nicht wirklich zur Kenntnis. «Wenn sie es täten, könnten sie die Missstände nicht übersehen», sagt VSLZH-Präsident Peter Gerber. Desinteresse wirft er auch der Bildungs­direktion vor.

Es geht auch ohne Überzeit

Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes, widerspricht. Die Bildungsdirektion verfolge die Si­tua­tion sehr wohl, komme aber zu anderen Schlüssen: «Wir anerkennen, dass die Arbeitsbelastung hoch ist», sagt er. «Aber in Führungspositionen mit einem Durchschnittslohn von 145 000 Franken darf man auch einmal etwas mehr als eine 42-Stunden-Woche erwarten.» Einig sei er mit dem Verband, dass es Überlastungen zu verhindern gelte. «Aus der Befragung lässt sich aber auch herauslesen, dass es 50 Prozent der Schulleiter offenbar gelingt, ihr Pensum ohne Überstunden zu bewältigen.» Die Bildungsdirektion habe der steigende Belastung nicht untätig zugesehen, wie der Verband moniere. In den letzten Jahren habe man den Schulleitern ein höheres Pensum zugestanden. Die Gemeinden könnten mit dem sogenannten Gestaltungspool zusätzlich mehr Stellenprozente schaffen. Wendelspiess kann die Behauptung nicht nachvollziehen, es liessen sich keine Schulleiter finden. Zwar werde der Arbeitsmarkt von Schulleiterstellen nicht gerade überschwemmt, aber: «Dramatisch kann die Lage nicht sein, jedenfalls ist auf der offiziellen Stellenbörse derzeit nur eine einzige Stelle ausgeschrieben.»

Verständnis für die Klagen hat EVP-Kantonsrat Johannes Zollinger, Präsident des Verbandes der Zürcher Schulpräsidenten. «Wir haben das Problem unterschätzt», räumt er ein und stimmt der Forderung nach zusätzlichen Ressourcen zu. Und er wolle dar­auf hinwirken, dass Schulpräsidenten die Arbeitsbelastung besser überwachten.

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