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Voller Einsatz für Wiesendanger Sommerferienprogramm

Dem Polizeihund über das Fell streicheln oder ein Drei-Gang-Menü kochen? Ferien zu Hause sollen mit solchen Erlebnissen einmalig werden. Fünf Frauen engagieren sich für die Kinder und Jugendlichen.

Jacqueline Ludwigs Kinder sind soeben aus dem Haus, der Garderobe ist es anzusehen. Küche und Frühstückstisch sind aber schon aufgeräumt, alles hat seinen Platz. Muss es auch, denn nun heisst es Klinken putzen für Ludwig, eine der fünf Frauen im Organisationskomitee des Sommer­ferienprogramms Wiesendangen. Sie muss noch einige Kursleiter anwerben, damit die Kinder und Jugendlichen aus Wiesendangen und Umgebung eine vielfältige Auswahl für ihr Ferienprogramm haben.

Keine mehrtägigen Kurse

Das Sommerferienprogramm Wiesendangen wurde 2002 ins Leben gerufen. Ludwig ist seit sechs Jahren dafür engagiert. Im Durchschnitt haben seither jährlich 260 Kinder die bis zu 80 verschiedenen Kurse besucht. Im vergangenen Jahr wurden 780 Plätze verkauft. Viele Kinder nehmen also an mehreren Kursen teil. Ein solcher dauert jeweils zwei bis drei Stunden. «Kinder sind heute ja zum Teil unglaublich ungeduldig, sie wollen sofort ein Resultat sehen», sagt Ludwig, die zwei eigene und zwei Pflegekinder hat. «So kann man am Morgen in den Kurs und am Nachmittag in die Badi.» Mehrtägige Kurse würden aus ihrer Sicht aber auch dar­um nicht drinliegen, weil die Organisation zu aufwendig würde.

Freund und Helfer

Die Suche nach Kursleitern verlangt von den Organisatorinnen viel Einsatz. Ludwig telefoniert und schreibt Leute an, die ihr im Laufe des Jahres aufgefallen sind. «Ich sehe sofort, wenn jemand mit Herz und Seele sein Hobby ausübt.» Dann versuche sie diese Person zu überzeugen, dieses Hobby einen Morgen oder Nachmittag lang Kindern näherzubringen. Sie sei überhaupt nicht kontaktscheu, sagt Ludwig. So sei sie auch bei der Polizei einfach vorbeigegangen. Ihre Idee ist dort gut angekommen. Man hatte für den Kurs Polizeihund, -töff und -auto und sogar 13 Beamte aufgeboten. «Das war toll», sagt Ludwig. «Die Kinder, die sich auf den Töff setzen durften, waren überglücklich.»

Eigene Kinder gehören auch zum Klientel

Auch Ludwigs Kolleginnen im Organisationskomitee werben um Kursleiter. «Wir sind zum Glück sehr gut organisiert, das ganze Jahr ist im Voraus geplant», sagt sie und legt eine fünfseitige Liste auf den Tisch, die jedem Vorbereitungsschritt ein Datum zuweist. So weiss ich, in welchen Wochen ich weniger abmachen sollte», sagt Ludwig. Am meisten arbeite sie für die Ferienkurse zwischen Sport- und Sommerferien. «Wenn die Kurse am 11. Juli starten, hat noch eine Person Pikettdienst, sonst ist unsere Arbeit dann getan.» Natürlich gehören ihre eigenen vier Kinder auch zum Kursklientel. «Sie kriegen ja laufend zu Hause mit, wie das Programm wächst.»

Gefragte Schlangen

Vier von fünf bisherigen Kursleitern machten wieder mit, sagt Ludwig. Ein Ziel sei es, für die Kurse mit lokalen Vereinen zusammenzuarbeiten. Der Turnverein konnte so im letzten Jahr den Kindern die neue Leichtathletikgruppe vorstellen. «Seit der Fusion von Wiesendangen und Bertschikon wollen wir auch die Bertschiker Aussenwachten miteinbeziehen», sagt Ludwig. Bereits einmal konnten Kinder in einem Restaurant in Gundetswil ein Drei-Gang-Menü kochen. «Und das alles während der normalen Öffnungszeiten», sagt sie. Welche Kurse gut ankommen, sei meist eine Überraschung. «Der Schlangenkurs war ein Riesenhit. Ich dachte, den bucht doch niemand», sagt Ludwig.Die schwierigste Zielgruppe seien Jugendliche, sagt Ludwig. «Es ist normal, dass sie in diesem Alter schwer zu motivieren sind.» Trotzdem: Ein Trip in den Europa-Park, ein dreitägiges Wakeboardlager oder ein Babysitterkurs waren in den letzten Jahren gut besucht.

Gut subventioniert

Ludwig und ihre vier Kolleginnen sind offen für alle Kursarten. «Ich würde zu einem Vorschlag eines Kursleiters nie Nein sagen», sagt Ludwig. Aber die In­itia­ti­ve für einen neuen Kurs komme sowieso meistens von jemandem im Komitee. Auf die Inserate «Kursleiter gesucht» kriegten sie pro Jahr nur zwei bis drei Rückmeldungen.Die meisten Ferienkurse kosten zwischen 5 und 15 Franken. Die Gemeinde Wiesendangen unterstützt das Programm mit 2000 Franken pro Jahr. Damit bezahlen die Organisatorinnen zum Beispiel das Online-Buchungsprogramm und drucken Flyers. In diesem Jahr wollen sie bei der ­Gemeinde einen kleineren Beitrag beantragen, da sich aus den letzten Jahren ein Überschuss ­ergeben habe. «Und wir müssen ja nicht Geld auf die Seite legen.» Die Räume für die Kurse werden von der Schul- und der Kirch­gemeinde gratis zur Verfügung gestellt.

«Kontakte sind wertvoll»

Sie möchte etwas zum Dorf­leben beitragen, sich aktiv daran beteiligen, erklärt Jacqueline Ludwig ihr ehrenamtliches Engagement. «Die Kurse sollen den Kindern die Augen öffnen für eine andere Welt.» Die grosse Wertschätzung, welche den Organisatorinnen entgegengebracht werde und die begeisterten Kinder entschädigten sie für ihren Aufwand, sagt Ludwig. «Und für mich selbst sind die vielseitigen Kontakte, die ich durch diese Arbeit knüpfe, wertvoll.»www.sofepro-wiesendangen.ch

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